80 Prozent aller neuen HIV-Infektionen durch Sex - Eine effektive Behandlung senkt das Übertragungsrisiko
Genf - In den USA wurden von den nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) das Ergebnis einer Studie veröffentlicht. Das Ergebnis: Eine effektive antiretrovirale Behandlung senkt das HIV-Übertragungsrisiko innerhalb von Lebensgemeinschaften, bei denen ein Partner infiziert, der zweite nicht infiziert ist, um 96 Prozent. Das soll laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Weg für einen weit
besseren Zugang zu einer Anti-HIV-Therapie für mit dem Aids-Virus
Infizierte ebnen.
"Dieser Durchbruch verändert das 'Spiel'. Er wird die Revolution in der Verhütung (von HIV-Infektionen, Anm.) voran treiben. Das macht die medikamentöse Behandlung gegen HIV zu einer neuen Priorität in der Prävention", sagte der Chef von UNAIDS, Michel Sidibe, laut einer Aussendung der WHO. Er fügte hinzu: "Wir müssen Paaren jetzt die Möglichkeit geben, sich für eine Behandlung als Vorbeugungsmaßnahme zu entscheiden und ihnen dafür auch den Zugang verschaffen."
Studie mit 1.700 Paaren
Die klinische US-Studie (HPTN052) umfasste als Probanden 1.700 "HIV-diskordante Paare", also Partner in Lebensgemeinschaften und Ehen, bei denen einer von ihnen HIV-positiv war, der andere negativ. Hier besteht natürlich die erhebliche Gefahr der Infektion über die sexuellen Kontakte. Gleichzeitig befanden sich die HIV-positiven mit einer Anzahl von 350 bis 550 CD4-positiven Zellen pro Kubikmillimeter Blut noch in einem relativ guten Immunstatus, bei dem man laut den internationalen Richtlinien, derzeit noch nicht zu einer Therapie gegen HI-Viren rät. In den westlichen Industriestaaten beginnt man allerdings damit immer früher.
Die abnehmende Zahl der CD4-Zellen im Laufe der HIV-Infektion sind das Zeichen der abnehmenden Kräfte des Immunsystems. Allerdings, auch in Österreich kommen noch immer 25 Prozent der später neu diagnostizierten Personen bereits mit Aids und/oder einem weit fortgeschrittenem Immundefekt (weniger als 200 CD4-positive Zellen pro Kubikmillimeter Blut) zum Test. "Normal" wären etwa 700 bis 1.200 solcher Zellen pro Kubikmillimeter Blut.
Effektive Therapie senkt Neuinfektionsrate
Bereits beim Internationalen Aids-Kongress (AIDS 2010) vergangenen Sommer in Wien hatten Wissenschafter, Gesundheitspolitiker und Financiers betont, dass eine effektive Therapie der HIV-Infektion auch ein wirkungsvolles Mittel der Prävention neuer Infektionen sein kann. Das ist jetzt offenbar belegt. In der Gruppe von 1.700 Paaren in Afrika, Asien, Lateinamerika und den USA zeigte sich unter der Behandlung eine um 96 Prozent geringere Übertragungsrate.
Was noch hinzu kommt: Die Studie wurde wegen des sich abzeichnenden Erfolges um mehr als drei Jahre vor ihrem geplanten Ende abgebrochen. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan: "Das ist eine entscheidende Wende. Wir wissen, dass 80 Prozent aller neuen HIV-Infektionen auf sexuelle Übertragung zurück gehen."
Die globalen Zahlen im Vergleich von 2009: Menschen mit HIV/Aids - 33,3 Millionen. Im Jahr 2009 steckten sich 2,6 Millionen Personen neu mit HIV an, 1,8 Millionen erlagen der Immunschwächekrankheit. Etwa 5,2 Millionen Mio. HIV/Aids-Patienten befinden sich in Behandlung, weitere 15 Millionen Betroffenen würden derzeit dringend eine Therapie benötigen. (APA)