Berlin - Mitarbeiter der Internet-Enthüllungsplattform
Wikileaks müssen sich nach Informationen britischer Zeitungen zu
strikter Verschwiegenheit verpflichten und bei Verstößen mit einer
Strafe von zwölf Millionen Pfund (rund 14 Millionen Euro) rechnen.
Die Wochenzeitung "New Statesman" veröffentlichte im Internet ein
entsprechendes Dokument. Ein ehemaliger WikiLeaks-Mitarbeiter, der
jetzt für die britische Tageszeitung "The Guardian" arbeitet,
erklärte das Dokument für echt.
Er habe sich im heurigen Jänner trotz erheblichen Drucks von
WikiLeaks-Gründer Julian Assange geweigert, die Vereinbarung zu
unterzeichnen, schrieb "Guardian"-Journalist James Ball. Es sei seine
Kopie, die jetzt öffentlich gemacht worden sei. Aufgrund seiner
Tätigkeit für mehrere Medien sei er es gewohnt, mit
Verschwiegenheitserklärungen umzugehen, schrieb Ball. "Das
WikiLeaks-Dokument ist das um Größenordnungen restriktivste, das mir
jemals untergekommen ist".
Der ehemalige deutsche WikiLeaks-Mitarbeiter Daniel Domscheit-Berg
ist im vergangenen Jahr aus dem Projekt ausgestiegen. Anschließend
veröffentlichte er ein Buch über seine Erfahrungen. Bei WikiLeaks
gebe es keine Transparenz, kritisierte Domscheit-Berg, der inzwischen
das konkurrierende Projekt OpenLeaks gegründet hat. Vielmehr seien
Entscheidungsprozesse allein von der Person des Gründers Julian
Assange abhängig.
Die schwedische Justiz ermittelt gegen Assange wegen des Vorwurfs
der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung. Ein britischer Richter hat
den Auslieferungsantrag aus Schweden für rechtmäßig erklärt. Dagegen
hat Assange Berufung eingelegt; eine Anhörung ist für den 12. Juli
angesetzt. (APA)