Richtiges Leben

12. Mai 2011, 19:08
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Unterhaltsamer als die Windsors: "Die Hochzeit des Figaro" als schwungvolle Komödie am Stadttheater Klagenfurt

Klagenfurt - Mozarts Da-Ponte-Opern verführen zahlreiche Regisseure zu gewagten Inszenierungen, die vom Original nicht viel übriglassen; Josef Ernst Köpplinger begegnet am Stadttheater Klagenfurt dem tiefsinnigen Libretto mit Respekt und stellt seine Arbeit niemals über den Text. Trotzdem gelingt es ihm, seine eigene Handschrift mit liebenswürdigen Details herauszukehren: So lässt er Figaro (körperlich) eher ungewöhnliche Maße nehmen oder Don Basilio als aufdringlichen Paparazzo agieren.

Johannes Leiacker gestaltet die Bühne unspektakulär zeitlos, verleiht den einzelnen Szenen aber charakteristische, suggestive Ausdruckskraft. Die Kostüme Marie-Luise Waleks fügen sich dem architektonischen Konzept nahtlos an. Immer nachhaltiger erweist sich Peter Marschik als der geeignete Mann für die musikalische Leitung des Hauses: Hat er erst unlängst mit Mahlers Zweiter eine fulminante Interpretation geboten, zeigt er sich diesmal als subtiler Mozart-Kenner - beeindruckend, wie akzentuiert er die Ouvertüre erklingen lässt, berührend, wie einfühlsam so manche Arie erstrahlt.

Ein gutdisponiertes Kärntner Sinfonieorchester folgt seiner Stabführung mit höchster Konzentration.

Die Gesangssolisten setzen sich unterschiedlich in Szene: Mathias Hausmann (Graf) überstrahlt seine Kollegen nicht nur mit seinem kräftigen, wohltimbrierten Bariton, sondern setzt auch schauspielerische Glanzlichter. Ihm am nächsten kommt Krisztina Szabó, die als Cherubino kaum Wünsche offen lässt. Pavel Kudinov (Figaro) gewinnt mit fortlaufender Handlung an Strahlkraft, Cornelia Zach (Susanna) agiert nach verhaltenem Beginn zunehmend couragierter. Christiane Kohl (Gräfin) gefällt mit höhensicherem Sopran.

Ausgewogen und dynamisch erklingen die berühmten Ensembleparts. Eine Hochzeit, die mehr zu bieten hat als diverse aktuelle Beziehungsevents. (Bernhard Bayer/ DER STANDARD, Printausgabe, 13.5.2011)

 

Termine: 14., 18. und 20. Mai

 

  • Ungewöhnlich: "Le nozze di Figaro"  in Klagenfurt.
    foto: stadttheater klagenfurt / helge bauer

    Ungewöhnlich: "Le nozze di Figaro"  in Klagenfurt.

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