Das Rätsel um die letzten Neandertaler

Klaus Taschwer , 13. Mai 2011, 10:50
  • Das Verbreitungsgebiet der Neandertaler. Im Kaukasus (Mesmaiskaja-Höhle) und in Südsibirien (Okladnikow) starben sie vor 40.000 Jahren aus. Womöglich überlebten sie im Norden länger.
    vergrößern 800x393
    illustration: science/aaas

    Das Verbreitungsgebiet der Neandertaler. Im Kaukasus (Mesmaiskaja-Höhle) und in Südsibirien (Okladnikow) starben sie vor 40.000 Jahren aus. Womöglich überlebten sie im Norden länger.

  • Zwei der etwa 33.000 Jahre alten Steinwerkzeuge aus Byzovaya.
    foto: hugues plisson - science/aaas

    Zwei der etwa 33.000 Jahre alten Steinwerkzeuge aus Byzovaya.

  • Die Fundstelle der Steinwerkzeuge in Byzovaya mit einem Mammutzahn.
    foto: john-inge svendsen/science/aaas

    Die Fundstelle der Steinwerkzeuge in Byzovaya mit einem Mammutzahn.

Wissenschafter entdeckten in Sibirien die Überreste von primitiven Werkzeugen, die nur etwas über 30.000 Jahre alt sind

Stammen die Funde von den letzten Neandertalern oder doch von unseren Vorfahren? Die Forscher rätseln.

* * *

Washington/Wien - Bevor unsere nächsten Verwandten vor rund 40.000 Jahren ausstarben, waren die Neandertaler in ganz Europa, Teilen Asiens und des Nahen Ostens weit verbreitet. Danach blieb nur mehr der anatomisch "modernere" Homo sapiens übrig, also unsere unmittelbaren Vorfahren.

Wann und wo genau die letzten Vertreter von Homo neanderthalensis starben und warum, darüber wird in der Forschung seit langem heftig debattiert. Unklar ist unter anderem, ob die Konkurrenz der beiden Menschenarten eine Rolle spielte und wie oft sie überhaupt - buchstäblich - in Berührung kamen.

Vergleichende genetische Untersuchungen an erhaltener Neandertaler-DNA mit der von modernen Menschen legen jedenfalls nahe, dass es wohl auch zu einigen wenigen sexuellen Kontakten gekommen sein muss. Als ein Ort, wo das passiert sein könnte, galt bis vor kurzem der Nordkaukasus, konkret: die Gegend nordöstlich des Schwarzen Meers. Forscher gingen nämlich davon aus, dass sich das Alter der dort gefundenen Überreste von modernen Menschen und Neandertalern überschneiden würde - und dass die Neandertaler dort womöglich bis vor 30.000 Jahren überlebt haben.

Eine neue Studie, die Anfang dieser Woche von einem britisch-russischen Forscherteam im Fachblatt PNAS veröffentlicht wurde, stellt diese Behauptung nun aber massiv in Frage. Ron Pinhasi und Kollegen haben die Neandertaler-Fossilien aus der Mesmaiskaja-Höhle erstmals mit einer Methode, die auf Analysen des Kohlenstoffisotops C-14 basiert, direkt datiert.

Dabei zeigte sich, dass das Skelett eines Neandertaler-Kindes, dass auf rund 30.000 Jahre geschätzt wurde, doch rund 40.000 Jahre alt ist. Das wiederum deutet darauf hin, dass die Neandertaler in dieser Region früher verschwanden als gedacht und dass unsere unmittelbaren Vorfahren und unsere Verwandten dort nur ein paar hundert Jahre lang Nachbarn waren - wenn überhaupt.

Haben die allerletzten Neandertaler womöglich wo anders länger überlebt? Hinweis darauf könnte ein anderes Anthropologenteam in Sibirien am westlichen Fuß des polaren Urals gefunden haben. Nahe dem Dorf Byzovaya in unmittelbarer Nähe des Polarkreises stießen sie zwar auf keine Knochen von Menschen oder Neandertalern, sondern auf 313 ziemlich junge, von Menschenhand hergestellte Artefakte.

Das Seltsame daran: Obwohl die Werkzeuge von der Machart her extrem einfach sind und Neandertaler-Artefakten ähneln, scheinen sie nach den Analysen der Forscher (im Fachblatt Science, Bd. 332, S. 841) mit rund 33.000 Jahren sehr jung zu sein. Das kann nur zweierlei bedeuten: Entweder hielten sich die Neandertaler hoch im Norden länger und lebten dort neben modernen Menschen. Oder diese waren in Sibirien vor 33.000 Jahren technologisch extrem rückständig. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 13.05.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 114
1 2 3

ist zwar i-tuepfelreiterei, aber die aussage "in sibirien am westlichen fuss des polaren urals" ist ein widerspruch.
gibraltar liegt ja auch nicht in afrika.

...nur ein paar hundert Jahre lang Nachbarn

Und ich dachte immer, da genügen ein paar Minuten.

Ich hab mir auch immer gedacht, die Neandertaler wären ausgestorben, aber als ich vor ~12 Jahren nach Österreich kam, wurde mir klar, dass der Neandertaler sich einfach nur rasiert hat und hier in die Politik gegangen ist.

nun ja

wir sind halt sozial eingestellt und geben ALLEN eine chance ... auch denen die in deutschland nicht zum zug kommen

lg
dein trollkind

ps: hin und wieder gebt ja auch ihr deutschen den in österreich unerwünschten top-jobs ... gar nicht so lange her

;-]

Sei nicht so empfindlich, in anderen Ländern meint man in der Politik auf den Homo erectus zu treffen.

Wenns da wo sie herkommen besser ist, warum sind sie dann nicht dort?

Gar schöner ist's dorten wohl als allhier, aber ach, zu beißen gibt's da nichts. Das mag manchem stolzen Piefkinesen seinen Stolz verdrießen, dass er sich darein schicket, Dienst zu nehmen bei den garst'gen Ösis, die ihm das älteste Volk der Welt zu sein dünken, ungeschlacht und feind den Fremden.

• AUSTRIÆ • EST • IMPERARE • ORBI • UNIVERSO •

ET • INSULTARE • GERMANOS

Lieber Tameer, ich weiß von einem gewissen Tacitus, dass die Germanen (auch) auf solches vorbereitet sind:
"...Nihil autem neque publicae neque privatae rei, nisi armati agunt..."

Wir waren halt die Amis der Antike.

falsch!

d. h. "Alles Erdreich Ist Oesterreich Untertan"

so haben wir es in der schule gelernt und daher MUSS es stimmen ;-]

lg
dein trollkind

meine interpretation:
österreich ist in der welt das letzte

Gartenbau und Landschaftsgestaltung Habsburg?

nein, volksschule - ca. 1970

:-}

lg
dein trollkind

und das weltweit...

Tut mir leid, aber damit tust du den Neanderthalern Unrecht. Das sind schon alles Menschen in der Politik, ( nur halt schlechte).

neandertaler waren auch menschen ;)

nein, als mensch wird der homo sapiens bezeichnet.

Ich kenn mich nicht mehr aus. Wenn der Neandertaler jetzt als eigene Art geführt wird, dann dürfte er eigentlich keine fortpflanzungsfähigen Nachkommen mit dem Menschen haben. Angeblich hat er die aber, sonst würde man nicht Neandertalergene beim modernen Menschen finden. Oder gibt es dafür eine andere Erklärung oder sollte man die beiden doch wieder zu einer Art zusammenfassen, oder was?

Zeitweise wurde der moderne Mensch als Homo sapiens sapiens bezeichnet, und der Neandertaler als Homo sapiens neanderthalensis. Diese Einordnung des Neandertalers (Homo neanderthalensis) als Unterart von Homo sapiens gilt heute als veraltet.

Was glauben Sie denn, was das "Homo" in Homo neanderthalensis bedeutet?

(Hinweis: hat NICHS mit sexuellen Präferenzen zu tun!)

NICHS klingt aber ein wenig nach sexueller präferenz

:-)))

Dem Nichthumanisten gewiss, der sich, ach, vom Gleichklang blenden lässt!

auf welcher grundlage du gleichklang und nichthumanist synthestisierst, würde mich interessieren
oder lehnst du schüttelreime rundweg ab?
:-)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 114
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.