Spitalsreform

Kranke Strukturen, falsches Rezept

12. Mai 2011, 18:55

Zur Debatte um die angedrohten Kürzungen der Nachtdienste im AKH - Von Sigrid Pilz

Patienten, die nächtens in die Notfallaufnahme im AKH kommen, müssen künftig vielleicht noch viel länger warten - nämlich für den Fall, dass der Rektor der Medizinischen Universität (MUW), Prof. Schütz, seine Drohung wahr macht: die ärztlichen Nachtdiensträder sollen deutlich reduziert werden, es sei denn, die Stadt Wien, die Eigentümerin des AKH, schießt der MUW, die die Ärzteschaft beschäftigt, die fehlenden Mittel zu. Die Stadt wehrt sich zu Recht, denn es gibt gültige Verträge, die einzuhalten sind.

Handlungsbedarf ist allerdings gegeben, wenn das österreichische Flaggschiff in der medizinischen Akutversorgung nicht in raue Gewässer kommen soll. Ohne Strukturreformen, vor allem im medizinischen Bereich wird die Vernunftsehe AKH/MUW nicht aus den negativen Schlagzeilen kommen. Seit Jahren sind die Probleme bekannt, die zu ausufernden Kosten und Ineffizienz bei der Ressourcenverwendung führen: Die Mediziner/nnen des Zentralkrankenhauses stehen massiv unter Arbeitsdruck, sofern sie noch in Ausbildung oder am Beginn ihrer beruflichen Karriere sind. Um sich zu habilitieren, muss Zeit für die Wissenschaft gefunden werden, Gleichzeitig sind die Ambulanzen übervoll. Das Salär ist bescheiden, nur durch häufige Nachtdienste kann es aufgebessert werden.

Lediglich die wenigen, die es in der steilen Hierarchie zum Abteilungsvorstand geschafft haben, spielen in einer ganz anderen Liga: Das Gehalt ist gut, vor allem aber die lukrativen Außer-Haus-Engagements bringen das eigentliche Einkommen.

Kein Wunder, dass der Frust derer groß ist, die für wenig Geld sehr viel arbeiten. Um sie bei der Stange zu halten, wird von der MUW-Führung stillschweigend viel hingenommen: Nach 13 Uhr herrscht noble Stille in den Gängen, teure Geräte bleiben ungenutzt, denn die mittlere und obere Führungsriege der Kollegenschaft ist um diese Zeit häufig bereits auf der "goldenen Meile" der Privatkliniken, in der eigenen Ordination oder an einer Privatuniversität tätig.

Das Spitzenkrankenhaus Österreichs hätte es jedoch verdient, dass ihr medizinisches Personal in erster Linie dem eigenen Haus, der Forschung, der Lehre, insbesondere aber den Patienten, die keine extra Einkünfte versprechen lassen, verpflichtet ist. Angemessene Gehälter auf allen Hierarchieebenen sollten die Wertschätzung für die großartigen Leistungen, die im AKH erbracht werden, widerspiegeln.

Dies wäre allerdings zu verknüpfen mit der Pflicht, Sonderklassepatienten im AKH und nicht im Privatspital zu behandeln, damit auch der öffentliche Träger des Spitals, der schließlich die Infrastruktur stellt, dadurch Einnahmen erzielen kann. Es ist nicht akzeptabel, dass lukrative Behandlungen und Eingriffe zugunsten der privaten Geldbörse, chronisch Kranke und komplizierte Eingriffe, aber zu Lasten des öffentlichen Trägers dirigiert werden. Dazu braucht es neben einer strikten Regelung der Nebenbeschäftigungen auch eine Dienstzeitreform, die nicht knapp nach Mittag den Nachtdienst einläutet. Nachtdiensträder hinsichtlich ihrer Besetzung zu überprüfen, wie es Schütz nun offensichtlich tut, kann in Fächern Sinn machen, wo absehbar ist, dass nächtliche Komplikationen sehr selten sind. Die ärztliche Besetzung jedoch quer durch alle Disziplinen auszudünnen, würde die Patienten und das Personal unzumutbar überfordern. Rektor Schütz sollte also Reformen ankündigen und nicht Gefährdungen in Aussicht stellen. (Sigrid Pilz, DER STANDARD; Printausgabe, 13.5.2011)

SIGRID PILZ ist Landtagsabgeordnete und Gesundheitssprecherin der Grünen Wien

einkremser Winzer
51
13.5.2011, 10:40
Für die obergescheiten Ärzte gilt das Gleiche wie für die Bankster!

Radikal die Privilegien, die mit Vernunft nichts mehr zu tun haben, streichen. Mit dem Chef des Zentrallabors würde ich beginnen.
Sollen sie doch auswandern, wenn sie wollen! Probieren wir es mal aus, ob sie es wirklich tun.
Leider sind die Herrschaften (Damen sind es wenige) mit der Politik so verhabert, dass die Reformen nie gelingen werden.
Selbiges gilt natürlich für alle anderen Bundesländer genauso.

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00
17.5.2011, 13:34

auswandern tun sie eh schon, aber nicht die wenigen privilegierten ärzte, sondern diejenigen die in österreich als fussabstreifer des systems behandelt werden, sprich, die horde an jungmedizinern. im ausland winken vernünftige arbeitsbedingungen, angemessenes grundgehalt und eine gute ausbildung. in einigen ländern (skandinavische!) gibts zudem noch zeit für ein familienleben mit echter 40-stundenwoche, wovon man in Ö nur träumen kann.

wenn sie also hier generalisieren bedeutet das lediglich dass sie keine ahnung haben. vorurteile werden nicht wahrer nur weil man sie ständig wiederholt.

Zaphod Beeblebrox III
11
13.5.2011, 09:59
Liebe Frau Pilz !

Sie werden es nicht glauben, aber Sie sprechen den meisten Ärzten des AKH absolut aus der Seele !!
Nichts ist mühsamer als nach den aufreibenden, pausenlosen 8 Stunden in der Klinik sich noch in eine Privatpraxis zu setzen und am dienstfreien Wochenende in den Privatspitälern um einen freien OP-Termin zu feilschen.

Tatsache ist: alle wäre froh, wenn sie ausreichende Gehälter bekämen und NICHT daneben noch arbeiten müssten.

Weitere Tatsache ist: das AKH ist für Privatpatienten unattraktiv, weil das Service extrem schlecht ist.
Da geh ich doch lieber in die PK oder ins Rudihaus !!

Fazit: nur wer viel Geld in die Hand nimmt, um Gehälter anzuheben und Einrichtungen für Privatversicherte zu schaffen, wird was ändern...

Albatros99
01
13.5.2011, 06:54
Albatros99

Wie so oft beginnt der Fisch...
Hier etwas zur Info, sicher tendenziös, sicher brutal geschrieben, aber wenn nur 50% wahr sind schlimm genug.
meduniwien.wordpress.com

Albatros99

Morpheus Sandman
 
34
12.5.2011, 20:57
Inhaltlich mehrfach falsch!

Wenn man gegen etwas wettert, dann sollte man sich zumindest im Vorfeld um Fakten bemühen. Die reguläre Arbeitszeit für Ärzte im AKH ist von 8-16h und nicht, wie bei der Gemeinde bis 13h. Und genau bis 16h werden auch alle Geräte verwendet.

Nun sind im internationalen Vergleich die österreichischen Ärztegehälter sehr niedrig und das wurde mit der Möglichkeit zur Nebentätigkeit ausgeglichen. Abgesehen davon, dass der zusatzversicherte Patient entscheidet, wo er behandelt werden will.

Bitte ein bißchen mehr Fakten und ein bißchen weniger Polemik präsentieren!

O5
72
13.5.2011, 01:58

Es gibt sooo viele Leute die gern Medizin studieren würden. So schlecht können die Gehälter also nicht sein. Vielleicht sollte man in Zukunft einfach Leute auswählen die sich fürs Fach interessieren statt solche die sich fürs dazugehörige Geld interessieren.

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00
17.5.2011, 13:04

sie sehen die welt nur schwarzweiss, sie ärmster..

ParanoidBoxdroid
26
13.5.2011, 02:37

haben sie sich schon mal überlegt, dass diese menschen sich vielleicht zumeist nicht aus geldgeilheit für diesen beruf entscheiden?

vorurteile werden nicht wahrer, wenn man sie immer wieder hervorkotzt.

didi111
04
12.5.2011, 20:46
Auch hier gilt....

Hier soll teilweise im Gesundheitswesen auch gespart werden.

Nichts dagegen einzuwenden, nur soll und kann es nicht auf dem Rücken der Patienten geschehen.

Wir haben in Ö andere Einsparungspotenziale, welch lukriert werden können ohne das wir mit einer Leistungseinschränkung konfrontiert werden würden.

Nämlich die sofortige Streichung der Länderebene in der Förderalismusdebatte.

Diese parasitären Strukturen bringen uns noch um!!

Man muss die Leute dahingehend sensibilisieren, daß nicht der Kampf zwischen den Generationen, der Kampf um eine ordentliche Gesundheitsversorgung vordergründig ist, sondern man muss die Kräfte bündeln, um GEGEN diese parasitäre Länderebene vorzugehen, die kein Schwein braucht und nur kostet.

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