Arbeitslosigkeit größter Schuldenfaktor

12. Mai 2011, 18:33
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Wer 2010 in die Schuldenfalle rutschte, hat wahrscheinlich zuvor seinen Job verloren, 2008 war dieser Zusammenhang weniger stark

Wien - Arbeitslosigkeit war 2010 der Hauptgrund für die Schuldenprobleme der Österreicher. 43,3 Prozent der Klienten der Schuldnerberatung im Jahr 2010, gaben Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensverschlechterung als Hauptursache für Ihre Überschuldung an. Dieser Wert ist in den letzten Jahren stark angestiegen. 2008 hatten nur 19 Prozent Jobverlust als Hauptgrund genannt. Das geht aus dem aktuellen Schuldenreport 2011 hervor, der sich auf jene 52.450 Personen bezieht, die im vergangenen Jahr zu einem Erstgespräch bei einer Schuldnerberatung gekommen sind.

12,9 Prozent der Befragten gaben als Hauptgrund an, im Umgang mit Geld Probleme zu haben. Weitere 15,9 Prozent führten ihre aufgetretenen Zahlungsschwierigkeiten auf eine gescheiterte Selbstständigkeit zurück.

Die Durchschnittsverschuldung von Privatpersonen ist nach dem Report in den letzten zwei Jahren leicht zurückgegangen. Im Jahr 2008 hatte der durchschnittliche Klient der Schuldnerberatung Verbindlichkeiten in Höhe von 77.512 Euro. 2010 waren es 73.065 Euro. Männer waren mit durchschnittlich 83.052 Euro stärker betroffen als Frauen (58.370 Euro). Über die Hälfte der Personen in Beratung haben Verbindlichkeiten von 50. 000 Euro oder weniger, 16,8 Prozent sind mit über 100.000 Euro verschuldet.

Bildung und Beratung

Personen mit einem geringen Bildungsniveau benötigen öfter die Hilfe der Schuldnerberatungen. 35,5 Prozent der Befragten haben nur einen Pflichtschulabschluss. Im Vergleich dazu liegt der Anteil in der Gesamtbevölkerung bei etwa 25 Prozent. Knapp drei Prozent haben eine Ausbildung über Maturaniveau, bzw. ein Studium abgeschlossen, österreichweit sind es 11,4 Prozent. Arbeitslose sind in der Schuldnerberatung mehr als elfmal häufiger vertreten als in der Gesamtbevölkerung. Im Vergleich zum österreichischen Durchschnitt haben die Befragten außerdem deutlich weniger Einkommen zur Verfügung. Rund ein Viertel von ihnen verdient weniger als das Existenzminimum (783 Euro).

Die Schuldnerberater fordern daher einen besseren Zugang zum Privatkonkurs. Denn: "Gerade für diese besonders belastete Personengruppe wäre die Umsetzung der längst fälligen Reformen im Privatkonkurs dringend notwendig", so die Geschäftsführerin der Dachorganisation der Schuldnerberatungen Maria Kemmetmüller in einer Aussendung. Sie appelliert an die neue Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP), den Zugang zum Privatkonkurs zu verbessern.

Warten auf Reform

Die geplante Novelle des Gesetzes zum Schuldenregulierungsverfahren hatte sich in letzter Zeit immer wieder verzögert. Neben Anreizen dafür, einen Teil der Verbindlichkeiten möglichst schnell abzuzahlen, soll es auch für sogenannte "redliche Schuldner", die in Not geraten sind, Verbesserungen geben. Vertreter der Schuldnerberatung halten den Vorschlag für begrüßenswert, aber unzureichend. Wirtschaftskammer und Gläubigerschutzverbände stehen der Novelle kritisch gegenüber.

Insgesamt gibt es in Österreich zehn staatlich anerkannte Schuldnerberatungen. 2010 haben 52.450 Personen das kostenlose Angebot in Anspruch genommen. Diese Zahl ist seit 2008 leicht gestiegen, damals waren es 47.525 Engagements. (lp, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.5.2011)

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    Ohne Job schaut es bei den meisten in der Haushaltskasse ziemlich mau aus - da können auch die besten Schutzengerl (so man an sie glaubt) nicht viel ausrichten.

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