Ljubljana, Nordpol und retour

12. Mai 2011, 17:12
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Dem Medienkünstler Marko Peljhan ist in Slowenien eine große Schau gewidmet

Auf einer grünen Wiese außerhalb von Kassel war die künstlerische Forschungsplattform Makrolab 1997 erstmals in Aktion zu sehen: Der slowenische Medienkünstler Marko Peljhan dokumentierte und analysierte bei der Documenta X internationale Datenströme. Es folgten Missionen rund um den Globus - in die schottischen Highlands oder auf eine australische Insel. Der Künstler installierte seinen futuristischen Arbeitsraum dabei zunächst in der konkreten Pampa. Vor Ort begann er mit einer Hightech-lastigen Erforschung der Umgebung. Die Resultate - Fotografien, Karten, Datensammlungen - wurden dann jeweils in Ausstellungen vorgestellt.

So derzeit auch in der Moderna-Galerie in Ljubljana, der wichtigsten Kunstinstitution Sloweniens, die Peljhan nun eine große Schau widmet. In einem retrospektiven Teil kann die Entwicklung des Makrolab nachvollzogen werden - mit Skizzen, Dokumenten, Manifesten oder auch ästhetisch ansprechenden Architekturmodellen. Konzipiert hatte der Slowene sein Projekt 1994 - damals tobte noch der Krieg am Balkan: Das mobile Makrolab sollte als autonomer Kunstort fungieren, in dem abseits der Zivilisation, aber mit Unterstützung zeitgenössischer Technologien, kritische Reflexionen angestellt werden sollten.

Anleihen nahm Peljhan auch im militärischen Bereich. Ausgestelltes Kommunikationsequipment ist militärisch designt. In Ljubljana ist etwa eine kamerabestückte Drohne zu sehen. Neben dieser ersten musealen Makrolab-Rückschau zeigt die Moderna das aktuellste Projekt des Slowenen, der nunmehr an der University of California in Santa Barbara Medienkunst unterrichtet: die Beschäftigung mit dem Nordpol.

Gemeinsam mit dem amerikanischen Künstler Matthew Biederman gründete Peljhan die "Initiative für arktische Perspektiven". Mit künstlerischen Mitteln weisen sie auf die Bedeutung einer einzigartigen Weltregion hin, auf Geopolitik, Ökologie und Kultur. Zu sehen sind Modelle zentraler "Player" der Region, amerikanische und russische U-Boote oder ein Weißwal. Zu sehen ist auch die Kunst von Inuits, in Videointerviews kommen die Ureinwohner zu Wort. In Tableaus werden Alphabet und Grundlagen der Inuitsprache vorgestellt, Landkarten erklären die Grundlagen der arktischen Geopolitik.

Peljhan und Biederman haben 2009 einen Architekturwettbewerb für eine mobile Arbeitsplattform im hohen Norden ausgeschrieben: Die eingereichten Projekte sind ebenso Teil der Schau.

Auf den ersten Blick hebt sich Peljhans Werk und seine Hinwendung zur Technik deutlich von jener hochideologisierten und auf die Avantgarde bezogenen Kunst ab, mit denen die Neue Slowenische Kunst seit den 1980ern für Furore sorgte. Der Schein trügt: Schon in seinem Makrolab-Manifest bezog sich Peljhan auf den russischen Futuristen Welimir Chlebnikow. Auch der Nordpol ist angelegt: Svetokret, die erste Avantgarde-Zeitschrift Sloweniens, trug 1921 den Untertitel: Zeitschrift für die Expedition zum Nordpol des menschlichen Geistes (Herwig G. Höller aus Ljubljana  / DER STANDARD, Printausgabe, 13.5.2011)

Bis 12. Juni

  • Marko Peljhans technoide Medienkunst.
    foto: moderna galerie

    Marko Peljhans technoide Medienkunst.

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