Politische Bewegung des Schwans aus der Asche

12. Mai 2011, 15:44
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Das Festival "Österreich tanzt" im Festspielhaus St. Pölten kredenzt heuer heimischen Tanz an vier Performance-Abenden und in einem umfangreichen Rahmenprogramm

St. Pölten - In ihrer dritten Programmierung von "Österreich tanzt" warten die Festivalgestalter Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov wieder mit einem Thema auf. Dieses Mal heißt es "Courage - Mut - Schneid" . In einer Ausschreibung war an österreichische Choreografen die Frage gestellt worden: "Was bedeutet für dich als KünstlerIn Mut?" Nun werden an vier Abenden Stücke von vorwiegend jungen Tanzschaffenden gezeigt, die ihre Werke mit diesen Begriffen in Verbindung bringen.

An den ersten beiden Abenden sind Stücke von Doris Uhlich und Martina Haager (18. 5.) sowie von Alexander Gottfarb, Raffaela Gras & Christina Huber, Tom Hanslmaier und Leonie Humitsch & Silvia Salzmann (19. 5.) zu sehen.

Sehr konkret hat Doris Uhlichs Solo Rising Swan mit Mut zu tun. Mit der Courage nämlich, sich einen Klassiker wie Michel Fokines berühmten Sterbenden Schwan für Anna Pawlowa zur Brust zu nehmen und daraus eine zeitgenössische performative Abhandlung zu machen. Denn Uhlich holt das gestorbene Geflügel aus seiner historischen Asche und lässt daraus einen weiblichen Phönix erstehen, der sich vor sein Publikum hinstellt und der "Popkultur" von 1907 (Pawlowa trat mit ihrem Solo vor großem Publikum auf) eine gegenwärtigere gegenübersetzt, eine Musikkultur vor allem, die Uhlichs Jugend mitgeprägt hat.

Durch das Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten von György Ligeti tastet sich Martina Haager in 13+1, ebenfalls eine Soloarbeit im Versuch, die komplexe Struktur der Musik in Körperbewegungen umzusetzen.

Wie sie sich entscheiden

Noch einmal anders geht Alexander Gottfarb an die Relation zwischen Tanz und Tönen heran. Für sein Gruppenstück Political Movements. Part 2 hat der Choreograf Gesten, Posen und Bewegungen aus Fotografie, Dokumentar- und Propagandafilmen ausgewertet und zu einer unheimlichen Tanzkomposition verarbeitet.

Für Humitsch und Salzmann ist Mut, "sich verletzbar zu machen" . Über Grenzen zu gehen, das bedarf einer bewussten oder impulsiven Entscheidung. Um diese geht es den beiden Künstlerinnen. Tom Hanslmaier, ein Mann mit Stuntman-Erfahrung, sucht als Solist den Mut in der Kraft und Stärke von Bewegungen, und in ihrem Duett seven sec. fragen Raffaela Gras & Christina Huber nach den Möglichkeiten des Rebellischen in einem künstlerischen Feld, in dem es keine starren Traditionen mehr gibt. (Helmut Ploebst/DER STANDARD, Printausgabe, 13.5.2011)

  • Und so flattert der neue, frisch aufgegangene Vogel in seinem schwarzen Dress und kleinen Tutu durch die Stadt und macht sich über Marilyn Monroe lustig: Doris Uhlich ist ein "Rising Swan".
    foto: a. salzmann

    Und so flattert der neue, frisch aufgegangene Vogel in seinem schwarzen Dress und kleinen Tutu durch die Stadt und macht sich über Marilyn Monroe lustig: Doris Uhlich ist ein "Rising Swan".

  • "Oder doch oder nicht oder doch oder nicht ... oder doch" : Leonie Humitsch und Silvia Salzmann loten in ihrem Duett das Dilemma der Entscheidungsfindung aus.
    foto: konservatorium wien privatuniversität

    "Oder doch oder nicht oder doch oder nicht ... oder doch" : Leonie Humitsch und Silvia Salzmann loten in ihrem Duett das Dilemma der Entscheidungsfindung aus.

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