Open Source zu "unwirtschaftlich und personalintensiv"?

12. Mai 2011, 12:18
350 Postings

Deutsches Außenministerium erklärt Rückkehr von Linux zu Windows

Im Februar hatte das Auswärtige Amt in Deutschland die Rückmigration von Linux auf Windows angekündigt - der WebStandard berichtete. Nun wurde ein Dokument veröffentlicht, in dem Hintergründe und offene Fragen zur "Nutzung von freier Software im Auswärtigen Amt und anderen Bundesbehörden" von der Bundesregierung geklärt werden.

Weiterer Einsatz

Darin werden 39 Fragen der SPD-Bundestagsfraktion unter anderem zur IKT-Strategie der Bundesregierung beantwortet. Diesbezüglich bleibt die Antwort verhalten: Die Bundesregierung "unterstützt Open Source in der öffentlichen Verwaltung dort, wo sie geeignet und wirtschaftlich ist". Durch das Kompetenzzentrum Open Source Software werde der Einsatz von Open Source gefördert. Zur künftigen Förderung offener Standards trage eine "Aktualisierung und Überarbeitung des Grundlagenpapiers 'Standards und Architekturen für E-Government Anwendungen (SAGA)" bei. 

Quelloffene Software werde im Auswärtigen Amt weiterhin zum Einsatz kommen, vorwiegend "im Backend und zur Absicherung der Netzinfrastruktur kommen", heißt es in der Erklärung. Zwischen 2012 und 2014 soll der Umstieg der Rechner auf Windows 7 und Microsoft Office 2010 beendet sein. Begründet wird die Rückmigration mit "erheblichen Beschwerden der Nutzer hinsichtlich Bedienbarkeit, Anwenderfreundlichkeit, fehlender Integration und mangelhafter Interoperabilität".

Interoperabilitätsprobleme

In der Anfrage wird kritisiert, warum es zu Interoperabilitätsproblemen im Datenaustausch kam, "obwohl Bundesbehörden nach einem IT-Ratsbeschluss von 2008 Open Document Format-Dokumente (ODF) empfangen, bearbeiten und zurückschicken können müssen". Ein weiteres Problem stellten die mangelnden Personal-Ressourcen dar, die für eine regelmäßige Pflege der Linux-Distribution notwendig waren.

Der Aufwand stellte sich als "sehr personalintensiv und unwirtschaftlich", da die Reduktion der Lizenzkosten nicht zur erhofften Einsparung führte. Diese erwarte sich die Bundesregierung nun durch die Rückmigration auf Windows, da der Wartungsaufwand der Linux-Systeme sowie die Schulungskosten für Open Source Arbeitsplätze entfallen.

Reaktion des Anfragestellers

"Teilweise bizarr" muten die Antworten der Bundesregierung an, erklärte netzpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion und Anfragesteller Konstantin von Notz in seinem Blog.
Nicht nachvollziehbar sei vor allem, "die Kosten für den Parallelbetrieb als Argument für die Abkehr von der Open-Source-Strategie darzustellen bzw. dadurch zu argumentieren, es fielen keine zusätzlichen Kosten für den Strategiewechsel an". Angesichts des bestehenden Marktes an Linux- und Open-Source-Dienstleistern sei auch die Argumentation der Bundesregierung, dass bei freier Software keine Produkthaftung gegeben sei, wenig überzeugend.

Die Free Software Foundation Europe hat ein Forum für die Kommentierung zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleinanfrage der Grünen eingerichtet. (ez, derStandard.at, 12. Mai 2011)

  • Kalte Schulter für Linux von der deutschen Bundesregierung.
    foto: standard, heribert corn

    Kalte Schulter für Linux von der deutschen Bundesregierung.

Share if you care.