Schützender Imbiss

Mit Tomaten gegen Kinderlähmung

12. Mai 2011, 08:21
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    foto: standard/matthias cremer

    In den Gemüsegärten amerikanischer Forscher wachsen bereits Tomaten, die gegen Kinderlähmung immunisieren.

Gentechisch hergestellte Medikamente revolutionieren Arzneimittelmarkt - Seidenraupen, Tomaten und Kartoffeln kommen zum Einsatz

Regensburg - Es klingt nach Science Fiction: Hugo B. bekommt während seines Urlaubs im Emperor Palace in Bangkok zum Frühstück neben Brötchen und Kaffee auch eine Banane. Diese sieht aus wie jede Banane, aber es gibt einen Unterschied: Wenn er sie isst, ist er gegen tropische Durchfallkrankheiten gefeit. Mittags erhält er eine Spezialkartoffel: Ihr Genuss impft ihn gegen Hepatitis B.

Klingt wie ein Traum, ist aber bereits Wirklichkeit. Kartoffeln, die gegen Hepatitis schützen, wachsen in den Gemüsegärten amerikanischer Forscher neben Tomaten, die gegen Kinderlähmung immunisieren. Und im Gewächshaus reifen Bananen, die vor Durchfall schützen. Keine Spritze mehr in den Oberarm - ein kleiner Imbiss schützt, berichtet der deutsche Reportagedienst obx-medizindirekt in einer Aussendung.

Kolibakterien bauen menschliches Insulin

Mit solchen und anderen Entwicklungen ist die Gentechnik dabei, den Arzneimittelmarkt zu revolutionieren. Und das ist durchaus keine Zukunftsmusik. Hunderte von Medikamenten verdanken wir schon heute den Pharmafirmen, die Bakterien, Viren, Pflanzen und Tiere gentechnisch so verändert haben, dass sie Impfstoffe und Arzneimittel produzieren. 

Seit in den Enzymbrütern der Biotechnologen Kolibakterien menschliches Insulin nachbauen, müssen Diabetiker weniger mit Unverträglichkeitsreaktionen wie früher bei dem tierisch gewonnenen Insulin rechnen. Für die jährliche Insulinbehandlung eines Diabetikers mussten bisher rund 50 Schweine sterben. Heute erhalten bereits 90 Prozent der Diabetiker gentechnisch gewonnenes Insulin.

Viele Kranke profitieren von dieser Entwicklung. Gentechnisch gewonnener Faktor VIII hilft Bluterkranken normal zu leben - ohne die Befürchtung, mit Aids angesteckt zu werden, wie das früher mit aus menschlichem Blut gewonnenem Faktor VIII möglich war. Gentechnisch hergestellte Medikamente lösen Blutgerinnsel bei Herzinfarktpatienten auf, sie bekämpfen Krebs und im Labor gewonnene Wachstumshormone verhelfen zwergwüchsigen Menschen zu normaler Körpergröße.

Zukunftsträchtige Entwicklung

Gentechnik tut viel Gutes und steht dennoch im Kreuzfeuer der Kritik: Andere, zweifelhafte Errungenschaften der Gentechnik wie das Klonschaf Dolly, der in Serie geklonte Mensch und das Zuchtschwein als Organbank machen Menschen Angst. Nur wo es um Medikamente und Gentechnik geht, finden 90 Prozent der Deutschen laut einer Emnid-Umfrage die Entwicklung in Ordnung.

Noch in den siebziger Jahren kostete ein einziges Gramm von Interferon gamma rund 50 Millionen US-Dollar. Damals konnte aus tausenden Litern Menschenblut nur ein tausendstel Gramm des raren Medikaments gewonnen werden. Heute wird das Mittel zur Rheumabehandlung gentechnisch hergestellt - zu einem winzigen Bruchteil der damaligen Kosten.

Nach Voraussagen von Experten wird die Zukunft noch viel bringen. Der bei Novartis zuständige Forschungsmanager ist überzeugt, dass auf gentechnischem Weg auch bessere Medikamente für die Behandlung von Alzheimer, Parkinson, Schizophrenie, Depression und Suchtkrankheiten entwickelt werden können. Japanische Forscher benutzen inzwischen Viren als „Gen-Taxis", um in die Zellen von Seidenraupen die Baupläne für Arzneimittel einzuschleusen. Aus einer solchen Raupe können sie etwa ein Milligramm des gewünschten Stoffes gewinnen. Das klingt vielleicht nach wenig - aber es ist immerhin hundertmal so viel wie die Ausbeute von Insulin oder Interferon in den herkömmlichen Bakterienbrütern.

Arznei aus dem Genlabor

Bei Menschen, Tieren, Pflanzen und Bakterien ist die Bauanleitung für Eiweißstoffe ident. Deshalb können auch menschliche Eigenschaften in die Erbinformationen von Tieren und Pflanzen eingeschleust werden. Das Verfahren ist kompliziert. Im Labor können bestimmte Enzyme als Werkzeug benutzt werden, um den DNS-Strang mit den Erbinformationen einer Tabakpflanze oder einer Bakterie zu zerschneiden. Andere Enzyme werden verwendet, um den Strang genau nach dem Plan der Wissenschaftler wieder zusammenzusetzen. Auf diese Weise ist es möglich, dass Zellen, die nun aufgrund der veränderten Erbinformationen entstehen, Impfstoffe gegen Kinderlähmung oder Pocken oder aber Medikamente gegen bisher kaum behandelbare Krankheiten herstellen.

1980 wurde in Amerika das erste Medikament gentechnisch hergestellt: Humaninsulin für Diabetiker. Heute sind allein in Deutschland schon mehr als 110 gentechnisch hergestellte Arzneimittel zugelassen, die auf über 80 verschiedenen Wirkstoffen beruhen. Die wichtigsten Anwendungsbereiche sind Diabetes, Blutgerinnungsstörungen und Mittel zur Beeinflussung des Immunsystems. In den USA befinden sich derzeit mehr als 300 weitere Medikamente zur Behandlung von fast 200 Krankheiten in der Entwicklung. Momentan haben solche Medikamente einen Marktanteil von rund 8 Prozent des über Apotheken vertriebenen Arzneimittelumsatzes. Mittelfristig wird der Anteil auf rund 20 Prozent ansteigen. (red)

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14 Postings
i kenn mi nimma aus
00
19.5.2011, 18:19
Weise, weise...

Lass Nahrung deine Medizin sein... ich glaube, SO war das nicht gemeint!
Genmanipulierte Menschen brauchen genmanipulierte Früchte um zu überleben. Solang BIO draufsteht passt´s dem Ferngelenkten schon ;)

i kenn mi nimma aus
00
19.5.2011, 18:13
... und Erdäpfeln! wo sind wir denn, bei den Piefkes?

Boris Yellnikoff
00
13.5.2011, 12:40
Paradeiser bitte!

normal citizen
21
13.5.2011, 08:48
eigentlich eher eine Horrorvision

nicht einmal mehr impfen kann man sich bewußt lassen,
es wird dir heimlich mit einer präparierten Tomate reingeschummelt.

WBR
02
13.5.2011, 10:20
Ist aber jetzt schon so

Ich vermute mal, eine Impfung gegen Kinderlähmung hätte man dir auch schon bisher unbemerkt ins Essen mischen können. Vielleicht hat das ja auch jemand getan? :-)
Und das funktioniert natürlich auch nur bei Impfungen, die grundsätzlich oral verabreicht werden können.
Außerdem ist die "Impfung per Tomate" nur die plakativste Anwendung dieser Technologie.
Es geht nicht darum, Nahrungsmittel mit einem gesundheitlichen Mehrwert zu versehen, sondern Arzneimittel in pflanzlichen oder tierischen "Fabriken" zu erzeugen.
Eine direkte Einnahme durch die Pflanze/das Tier/die Milch... wird vermutlich die Ausnahme von der Regel bleiben. Schon alleine wegen der Frage der Dosierung.

Bodo Steinbrech
01
12.5.2011, 20:22
"Bei Menschen, Tieren, Pflanzen und Bakterien ist die Bauanleitung für Eiweißstoffe ident."

Sagen wir: ähnlich genug, dass man vieles (aber nicht alles) herstellen kann.

Ident ist der falsche Ausdruck.

crowfoot
102
12.5.2011, 17:54
finger weg von unseren lebensmitteln

die forscher sollen die sogenannten genkartoffeln und gentomaten doch selber essen. Im Falle von Diabetes macht es vielleicht Sinn auf alternative Einnahme des Insulins zu setzen eine generelle Verquickung von Lebensmitteln und Medikamenten lehne ich jedoch strikt ab. Was wir brauchen ist eine Sortenvielfalt und Sortenerhalt und nicht ein, zwei, drei sorten die wir heute noch in den regalen findet. Es wird auch wirklich probiert aus allem Profit zu schlagen und da der Mensch nun mal ohne Lebensmittel nicht auskommt ist es natürlich klarerweise von Nutzen auch den Lebensmittelsektor zu kontrollieren.

Godesberg
02
12.5.2011, 22:25

Pssst, ein Geheimnis: Bio-Tomaten enthalten 30.000 verschiedene Gene! Und die essen Sie alle! Igitt!

Unermüdlicher Einsatz
 
02
12.5.2011, 23:28
noch ein Geheimniss

Alle tierischen und pflanzlichen Lebensmittel sind bereits heute genmanipuliert. Durch die Technologie der Zuchtauswahl.

i kenn mi nimma aus
00
19.5.2011, 18:15
... und dann steht überall BIO drauf. und Idioten fahren drauf ab!

Chien de Pique
00
12.5.2011, 22:17

Diese zu medizinischen Zwecken veränderten Pflanzenprodukte werden die anderen Sorten wohl sicher nicht verdrängen (schon gar nicht hierzulande mit unserer Genphobie, wo wir nicht einmal mehr ein Tier verzehren wollen, das eine gentechnisch veränderte Pflanze verdaut hat), also wächst die Vielfalt dadurch eher.
Dass viele Pflanzen von Natur aus die größte pharmakologische Wirkung entfalten, zeigt, dass eine generelle Trennung von Nahrung und Medikament sowieso nicht besteht (und dessen sollten wir uns im Alltag eher bewusster werden). Die direkt genießbaren genmodifizierten Pflanzen wie diese Banane werden sowieso immer die Ausnahme bleiben, eben in Fällen, wo das eine galenisch besonders sinnvolle Darreichungsform darstellt.

Lukas Chen
26
12.5.2011, 14:43
Tomaten und Kartoffeln

Diese fruechte und Gemuese sind billig und ueberall erhaeltlich. Das ist eine gute Idee, man kann ohne Muehe bei der Impfung auch etwas Koestliches geniessen.

Zero Mostel
00
12.5.2011, 23:57

z.B. an Seidenwäsche lecken.

Bodo Steinbrech
10
12.5.2011, 20:20
Die Idee ist schon alt

und wurde bisher leider nicht verwirklicht.
Es mangelte an Geld. Wenn man das sinnvoll machen will, können es die Bauern ja selber weiterzüchten - was ja auch der Grundgedanke der Impfbanane, ... war - und man rotte damit ja "nur" Krankheiten in Entwicklungsländern aus. Wo bleibt da der Gewinn?

Aber jetzt scheint es langsam doch zu kommen - leider so wie es aussieht nur als Designerfood und nicht für die breite Masse.

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