TV-Hersteller, Google und Apple wittern Milliardengeschäft rund um Smart TV - Was denken Sie?
Während die Filmplakate und Werbeanzeigen neuester Fernsehgeräte "3D" entgegenschreien, dürfte nach Ansicht von Branchenexperten nicht die dritte Dimension der nächste große Schritt am TV-Markt sein. Das viel umworbene Feature soll in den kommenden Jahren von einer grundlegenderen Innovation überschattet werden, welche die Art und Weise, wie ferngesehen wird, verändert. Die Rede ist von der Verschmelzung von TV und Internet.
Nach dem Vorbild der Mobilfunkbranche werden unter Sammelbegriff "Smart TV" zunehmend Fernseher lanciert, die Internet-Anbindungen ermöglichen und wie Smartphones die Nutzung von Apps erlauben. Angefangen vom Webbrowser über Youtube und Skype bis hin zu On-Demand-Services und Games sollen die Kunden immer mehr Inhalte und Funktionen direkt über das technologische Wohnzimmerzentrum verwenden können.
Nächster Meilenstein
"Meiner Meinung nach ist Smart TV nach dem Technologiesprung auf Flachbildfernseher der nächste große Schritt", sagt Michael Zöller, European Marketing Director bei Samsung. Ebenso wie der südkoreanische Konzern forcieren auch sämtliche anderen großen Hersteller wie Sony und LG die Multifunktionalität von TV-Geräten.
Das noch recht junge Segment hat darüber hinaus abseits der Spezialisten eine Vielzahl von Angeboten hervorgebracht. So wittert Internet-Gigant Google mit der Plattform Google TV seine Chance, die in Set-top-Boxen, Blu-ray-Playern und Fernsehern zum Einsatz kommt. Und Mitte April brachte Ticonderoga Securities-Analyst Brian White auch Apple ins Gespräch. Demnach wiesen Stimmen aus der Industrie darauf hin, dass der Konzern sein "Hobby" Apple TV bereits gegen Ende des Jahres auf komplett ausgestattete TV-Geräte ausweiten wolle.
Eine Frage der Apps
Von einem Boom kann derzeit zumindest aus Konsumentensicht indes keine Rede sein. Dies liegt vor allem daran, dass Hersteller ihre Kunden noch vom Mehrwert eines cleveren Fernsehers überzeugen müssen. Dafür brauche es laut Zöller spezielle Anwendungen, "die für den Fernseher Sinn machen". Samsung hat seine Smart TV-Plattform genauso wie Google, das anfangs mit Partnern wie Logitech und Sony zusammenarbeitet, für Entwickler geöffnet. Die Anbieter erhoffen sich dadurch einen Strom an frischen Apps, um das TV-Erlebnis zu bereichern. Denn, wie man es bei Smartphones sehen kann, können die richtigen Apps nicht nur die Kaufentscheidung, sondern auch die Kundenbindung stärken.
Plattform-Schlacht, die nächste?
Der auf 100 Milliarden US-Dollar geschätzte TV-Gerätemarkt könnte in den kommenden Jahren nach PCs und Smarphones einen neue Plattform-Krieg hervorrufen. Den eigenen Angeboten TV-Hersteller weht mit Google und vielleicht auch Apple ein heftiger Wind entgegen, sollten die IT-Giganten ihre TV-Ambitionen fokussieren und ihre erfolgreichen mobilen Plattformen Android und iOS zum nächsten Industriestandard ausbauen wollen. Ein ähnlich rascher Siegeszug wie am Mobilfunkmarkt dürfte den Neulingen allerdings nicht beschert sein. Hier habe man dazugelernt, meint Samsung-Manager Zöller. "Wir müssen den Vergleich nicht scheuen. Google TV ist (bislang) heftig gescheitert". Zumindest vor externen Set-top-Boxen, Media-Servern und Heim-PCs fürchte man sich nicht. Derartige Angebote hätten schon in der Vergangenheit niemanden gefesselt. "Die Lösungen müssen integriert sein", meint Zöller.
(Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 15.5.2011)