Studie: Mehr als 1100 Vergewaltigungen pro Tag

11. Mai 2011, 21:48

Mehr als 400.000 Mädchen und Frauen betroffen

Washington - In der kriegsgeplagten Demokratischen Republik Kongo werden einer Studie zufolge täglich mehr als 1100 Frauen vergewaltigt. Mehr als 400.000 Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren seien in dem zentralafrikanischen Land in einem Zeitraum von zwölf Monaten in den Jahren 2006 und 2007 vergewaltigt worden, hieß es in der Studie, die am Mittwoch in dem "American Journal of Public Health" veröffentlicht wurde. Diese Zahl ist 26 Mal höher als die Einschätzung einer früheren UN-Studie, die für den gleichen Zeitraum von 15.000 Vergewaltigungen ausgegangen war.

"Selbst diese neuen, sehr viel höheren Zahlen stellen noch eine konservative Schätzung zum tatsächlichen Vorkommen sexueller Gewalt dar", sagte die Autorin Amber Peterman. Das Stigma und die Schande, die noch immer mit Vergewaltigung verbunden seien, sowie die Straflosigkeit der Täter führten dazu, dass viele Fälle nicht gemeldet würden. Zudem sei sexuelle Gewalt gegen Mädchen unter 15 und Frauen über 49 Jahren sowie gegen Jungen und Männer in der Studie nicht erfasst.

Im Übrigen habe die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet, dass sich sexuelle Gewalt von 2008 zu 2009 verdoppelt habe, sagte Peterman. "Wenn dies zutrifft, ist die aktuelle Verbreitung sexueller Gewalt noch sehr viel höher, als von uns geschätzt." Der Direktor der Harvard Humanitarian Initiative, Michael VanRooyen, sagte zu der Studie, angesichts des Klimas der Straflosigkeit habe sich Vergewaltigung im Kongo weiter ausgebreitet und sei zu einer der "großen menschlichen Krisen unserer Zeit geworden". (APA)

Kommentar posten
10 Postings
Diwan Bartwisch
10
25.5.2011, 10:50
Und wo bleiben die Weltpolizisten?

Achja, die sind ja schon so sehr mit der Sicherung von billigem Öl beschäftigt, da bleibt für die afrikanischen Frauen leider keine Zeit.

Und auf die Art wollen wir unsere Werte in alle Welt exportieren? Die USA und Europa machen sich global unglaubwürdig - leider.

Der Kluge
01
13.5.2011, 01:12

Die eigentliche Frage ist doch:
Wieso interessiert es niemanden? Als im Sudan Hunderttausende abgeschlachtet wurden, hat es niemanden interessiert.
Hier ist es ähnlich: Wenn Afrikaner andere Afrikaner töten, vergewaltigen,... dann wird das von der westlichen Öffentlichkeit einfach ignoriert.
Oft genug wird das dann noch als Bürgerkrieg verharmlost und so getan, als wären das nur ein interner Streit zwischen zwei gleichen Parteien gleich schuld - selbst, wenn eine Partei dominiert und die andere einfach abschlachtet

Quartz1
00
25.5.2011, 07:35

Ganz richtig, das wirkliche Leiden interessiert niemand im Westen.

Aber (für afrikanische Verhältnisse) reichere und besser strukturierte Staaten wie Ägypten oder Libyen auseinanderzunehmen - daran müssen Amerika & Co natürlich interessiert sein.

Da wird mit der Moralkeule seeehr weit ausgeholt.

Kowosch
 
00
26.5.2011, 20:04

Die RDC ist aber potentiell deutlich reicher als insbesondere Ägypten.

Genau deshalb können sich ja auch die diversen Mörderbanden dort halten und finanzieren...

Gilgamesh
01
16.5.2011, 15:23
Neuerlicher Versuch

Es hat auch niemanden in den Balkankriegen interessiert, ob Frauen vergewaltigt werden, Scharfschützen Zivilisten beschießen, Feiglinge mit Geschützen in Städte feuern,...

In Ruanda holten Legionäre ausschließlich Europäer aus den Krisengebieten, wohl wissend, dass die zurückgelassenen Einheimischen abgeschlachtet werden.

Die Menschen schauen weg, denn hinzusehen könnte bedeuten, dass man seine Einstellung überdenken müsste und diesen Menschen eventuell doch mit Soldaten helfen sollte.... ;)

ProEvo84
02
12.5.2011, 15:58

400.000 in einem Jahr - grauslich was da abgeht

Warentester
00
12.5.2011, 15:25

Fleissig. Und jetzt stelle man sich mal vor, die würden die ganze Energie die sie dafür aufwenden, in etwas Sinnvolles stecken. Wie z.B. ihr Land aufzubauen...

Kowosch
 
00
14.5.2011, 15:36
Fortsetzung:

keine Tradition staatlicher Organisation hat (hier trifft wirklich mal westliche Länder massive Mitschuld, angefangen bei Belgien, gefolgt von all jenen, die Lumumba in den Tod schickten und den korrupten Mobutu über Jahrzehnte fest die Treue hielten, während das Land geplündert wurde) und gleichzeitig jungen Glücksrittern über Gewalt den Zugang zu relativem Wohlstand erlaubt (laß die anderen ackern und schürfen, presse ihnen das dann mit Deinem Gewehr ab und verkaufe es an die interessierten internationalen Abnehmer bzw. ihre Mittelsmänner) - kurzum, es dürfte sehr schwer sein, hier den Mut zum Aufbau zu bewahren, geschweige denn ihn als ungebildeter Jugendlicher selbst zu entwickeln.

Aber es muß etwas geschehen, denn es ist schrecklich.

Kowosch
 
00
14.5.2011, 15:29

Ich war auch mal im Kongo, damals hieß es noch Zaire und Mobutu war mehr oder minder fest an der Macht. Viele Kongolesen haben sich über das korrupte Regime beklagt (alle mit Uniform waren als Räuber bekannt, und so verhielten sich die auch). Einige haben auf lokaler Ebene so etwas wie "Dorfräte" organisiert, um Dinge zu verbesseren. Andere waren religiösen Heilsversprechen verfallen (ein großes Übel, das man in manchen afrikanischen Ländern findet - ob von christlichen Missionaren oder auch immer mehr von wahabitischen Islamofundis geschürt), der herbeigebete Messiahs wird es dann schon richten.

Ja, und dann kamen die Kongokriege...

Es dürfte sehr schwer sein, in einem Land, das ohne funktionierende Infrastrukur ist, keine Tradition

Frauenzimmer
22
12.5.2011, 08:40
HILFE!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.