Samsung sieht Trend-Technologien noch weit vom Massenmarkt entfernt
Die Farbbrillanz ist unerreicht, das Panel wenige Millimeter dünn, das Bild beinahe so gut wie der Blick aus dem Fenster. Dabei sind die Materialkosten vergleichsweise niedrig und der Energiebedarf ebenso. OLED gilt seit einigen Jahren als die große Zukunftstechnologie bei TV- und Computer-Bildschirmen, doch mehr als "Handy-Format" konnten die OLED-Displays bislang nicht beweisen.
Laut dem koreanischen Elektronikkonzern Samsung gäbe es derzeit einfach noch zu viele Probleme bei Panelgrößen über 20 Zoll. "Speziell bei der Beständigkeit und der Energiezuführung kommt es zu zahlreichen technische Schwierigkeiten", erklärt European Marketing Director Michael Zöller gegenüber derStandard.at. Dies sei auch der Grund, weshalb man als weltweit größter Produzent von OLED-Displays den Fokus nach wie vor auf Handheld-Implementierungen lege.
Innerhalb dieses Jahrzehnts
Mitbewerber Sony und LG versuchten hingegen bereits 2007 bzw. 2010 mit OLED-TVs von 11 bis 20 Zoll den Markt vorzubereiten. Während Sony seine kleine Luxusserie XEL-1 alsbald wieder einstellte, versprach LG mit von Kodak erworbenen Patenten bereits gegen 2011, 2012 in Dimensionen bis 40 Zoll vorzustoßen. Zöller kann diesen Optimismus hingegen nur begrenzt teilen. "Das war vor 2, 3 Jahren ein Hype", die Marktrealität sähe anders aus. Dennoch Forsche man auch selbst weiter auf diesem Gebiet. Wann mit den ersten massentauglichen OLED-Fernsehern genau zu rechnen sei, könne er nicht sagen. Allerdings, "OLED für Fernseher wird noch innerhalb dieses Jahrzehnts interessant. Und damit meine ich nicht 2019", so Zöller.
Der brillenlose Traum
Nicht viel größere Hoffnungen solle man in den jüngst belebten Hype rund um "brillenloses 3D" legen. Obgleich Nintendo Anfang 2011 mit dem "3DS" das erste Massenmarktprodukt mit einem derartigen Spezialbildschrim herausgebracht hätte, stünden der großformatigen Adaption noch zu viele Stolpersteine im Wege. "Es wird noch vier bis fünf Jahre dauern, bis es die ersten konsumentenfreundlichen autostereoskopischen TV-Geräte gibt", meint Thomas Billings, QA Engineer bei Samsung. Das Problem sei, dass hier keine Brille die Filterung der Bilder übernimmt, sondern der Bildschirm für den 3D-Effekt zwei getrennte Bilder in einem exakten Winkel für jedes Auge ausgeben muss. Sollen mehrere Personen gleichzeitig 3D-Sehen können, müssen Bilder in mehreren Winkeln ausgestrahlt werden. Jede Teilung bringe dabei eine Halbierung der Auflösung mit sich, was nicht nur die Hersteller vor eine ganze Reihe an Herausforderungen stelle, so Billings.
Kostspielig
Autostereoskopische Fernseher, die für mehrere Seher geeignet sind, müssten für die Wiedergabe von Inhalten mit Full HD-Auflösung (Blu-ray) ungleich mehr Pixel darstellen, um ein gleich scharfes Bild ausgeben zu können wie ein aktuelles LCD-TV-Gerät heute. Derart hochauflösende Panele seien für Konsumenten derzeit "nicht bezahlbar" und gleichzeitig gäbe es auch noch keine passenden Inhalte und Quellenformate. Blu-rays speichern Filme mit 1920 mal 1080 Bildpunkten (1080p), HD-Fernsehsender strahlen sogar nur in 720p aus. Schon eine Vervierfachung der Full HD-Auflösung würde somit die gesamte Industrie zum Technologiesprung zwingen, so Billings. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 11.5.2011)