Neue Pläne, alter Schwede

11. Mai 2011, 20:01
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Der Schwedenplatz ist einer der meistfrequentierten Orte der Wiener Innenstadt - und vergammelt zusehends

Wien - Viel Beton und Taubenkot, dazwischen ein paar Bäume und Imbissstandln. Der Schwedenplatz ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Wiens - und nicht unbedingt ein Ort, den man als schön bezeichnen würde.

Silvio Molin-Pradel, Inhaber des Eissalons am Platz, wartet seit 30 Jahren auf eine Neugestaltung. "Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass irgendwann doch noch etwas passiert" , sagt er.

Die Chancen, dass der Platz in den nächsten Jahren vom Grind befreit wird, stehen derzeit nicht schlecht. Die grüne PlanungsstadträtinMaria Vassilakou kündigte jedenfalls gleich nach Amtsantritt an, das Projekt in Angriff nehmen zu wollen. Dabei soll es als ersten Schritt eine Ausstellung geben, bei der vor Ort unterschiedliche Ideen für den Platz präsentiert werden. Wann die Schau startet, ist noch unklar. Laut Vassilakou-Büro ist der Termin noch nicht fixiert, auf Bezirksebene heißt es, dass es im September damit losgehen soll.

Um den historischen Teil der Ausstellung kümmert sich das Wien-Museum, das sich seit längerem für das Grätzel interessiert - vor allem für den an den Schwedenplatz angrenzenden Morzinplatz.Dorthin könnte es nämlich in den nächsten Jahren übersiedeln. Das städtische Museum ist seit Jahren auf der Suche nach mehr Raum. Neben der Erweiterung des bestehenden Hauses am Karlsplatz gilt ein Neubau am Morzinplatz derzeit als wahrscheinlichste Variante. Dafür müsste die Garagengesellschaft, die die Anlage unterm Platz betreibt, allerdings auf ihr Baurecht verzichten - worüber derzeit verhandelt wird.

"Schwedische Treppe"

Auch die schwarze Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel will den Platz verschönern. Sie präsentierte im Wahlkampf eine "schwedische Treppe" für den Platz: Der Aufgang zur Ruprechtskirche soll nach Vorbild der spanischen Treppe in Rom verbreitert, davor ein großer Brunnen platziert werden. "Der Schwedenplatz ist sicher ein Jahrhundertprojekt" , sagt Stenzel-Sprecherin Angelika Mayrhofer-Battlogg, "und es gibt absoluten Konsens darüber, dass es in Angriff genommen werden muss." Zumal es in der Bezirksvorstehung praktisch täglich Beschwerden gebe. "Und der Platz ist an Hässlichkeit ja kaum zu überbieten."

Bevor man am Schwedenplatz loslegen kann, muss man sich allerdings erst einer anderen Großbaustelle im Ersten widmen: ImStreit um die Umgestaltung des Neuen Marktes gibt es nach wie vor keine Lösung. Seit Februar tagt regelmäßig ein Arbeitskreis, in dem sämtliche Bezirksfraktionen und beide Bügerinitiativen (für und gegen eine Garage unter dem Platz) vertreten sind. Bis Ende Juni wollte man sich ursprünglich auf eine gemeinsame Linie verständigt haben. Davon ist man laut dem grünen City-Klubchef Rainer Fussenegger allerdings noch sehr weit entfernt. "Da geht nicht wirklich etwas weiter" , sagt er, "und von Einigung kann keine Rede sein."(Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 12.5.2011)

  • U-Bahn-Lüftung, Beton und Standln: Der Schwedenplatz gehört nicht unbedingt zu den architektonischen Highlights der City
    foto: cremer

    U-Bahn-Lüftung, Beton und Standln: Der Schwedenplatz gehört nicht unbedingt zu den architektonischen Highlights der City

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