Kühe sind doch keine Klimakiller

11. Mai 2011, 19:16
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Forscherin: "Es gibt kaum ein erfolgreicheres Team als Weidevieh und Weideland"

Wien - "Die Kuh steht am Klimapranger - aber nur, weil sie Methan rülpst", betonte die deutsche Veterinärin Anita Idel am Montag in Wien. Auch stehen Kühe "als schlechte Futterverwerter am Pranger". Jedoch zu Unrecht: "Die Kuh ist kein Klimakiller", fasst Idel ihre Studien zusammen, die sie auch in einem Buch mit gleichem Titel veröffentlichte.

Denn der eigentliche "Klimakiller" seien nicht die Kühe - sondern Agrarsysteme. "Das Problem ist, dass eine reine Methandiskussion geführt wird", erläutert Idel. Viel wichtiger sei es aber, Gesamtsysteme zu analysieren - und dabei genau zwischen intensiver und nachhaltiger Viehwirtschaft zu unterscheiden.

Tatsächlich gebe es "kaum ein erfolgreicheres Team als Weidevieh und Weideland". Und: "Nachhaltiges Weidemanagement hat weltweit mehr Potenzial, Kohlendioxid zu speichern, als irgendeine andere landwirtschaftliche Praxis."

Kühe machen dauergrün

So helfen Kühe etwa, das "Dauergrünland" zu erhalten - und Dauergrünland "ist der größte landgestützte Kohlenstoffspeicher im EU-Raum". Geht aber eine Tonne Humus verloren - werden dadurch rund 1,8 Tonnen CO2 freigesetzt.

Ganz anders sieht die Bilanz bei intensiver Viehwirtschaft aus, die auf Produktmaximierung abzielt. Europaweit werden 60 Prozent der verfütterten Proteine importiert - allein für das in Deutschland verfütterte Soja werden zwei Millionen Hektar Produktionsfläche benötigt. Fläche, für die auch Regenwald abgeholzt wurde.

Dazu kommt, dass für die Futtermittelproduktion Stickstoff-Kunstdünger eingesetzt werden - und der setzt im Boden Lachgas frei. "Lachgas ist 296 Mal so klimaschädlich wie CO2, betont Idel. Überdies werden für die Produktion eines Kilos Stickstoffdünger drei Kilo Erdöl benötigt.

Rudi Vierbauch, Obmann des Biobauernverbands Bio Austria, fordert daher für die Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) für die Periode nach 2013: "Gerade im Hinblick auf den Klimaschutz müssen nachhaltige und artgerechte Tierhaltung und der Schutz des Bodens stärker gewichtet werden als bisher." (frei, DER STANDARD Printausgabe, 12.5.2011))

  • Nachhaltige Viehwirtschaft ist auch Klimaschutz
    foto:corn

    Nachhaltige Viehwirtschaft ist auch Klimaschutz

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