Die falsche Drehung mancher Gasriesen

11. Mai 2011, 19:05
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US-Forscher haben das Rätsel gelöst, warum manche Exoplaneten gegen die Richtung ihres Sterns kreisen

London/Wien - Seit vor knapp 20 Jahren 1995 die ersten Exoplaneten entdeckt wurden, hat das Wissen um sie erhebliche Fortschritte gemacht. Mittlerweile sind neben unserem eigenen Sonnensystem noch 446 andere Planetensysteme bekannt, bei denen sich insgesamt 534 Planeten um eine Sonne drehen, die nicht die unsere ist. Wahrscheinlich gibt es Abermillionen davon.

Diese 446 Sonnensysteme lassen freilich auch Rückschlüsse auf das eigene zu: "Wir gingen davon aus, dass unser Sonnensystem typisch für das Universum sei, aber mit dem ersten entdeckten extrasolaren Planetensystem änderte sich das schlagartig", sagt der US-amerikanische Astrophysiker Frederic Rasio. "Je mehr man über die anderen Planetensysteme weiß, desto besser verstehen wir, wie speziell unser eigenes ist. Wir scheinen an einem sehr besonderen Ort zu leben."

Rasio, der an der Northwestern University lehrt und forscht, ist Ko-Autor eines neuen Artikels, der eines der Rätsel rund um die seltsame Welt der Exoplaneten löst. Bislang war nämlich ziemlich unklar, wie es dazu kommen kann, dass sogenannte Gasriesen gegen die Drehrichtung ihres Sterns rund um diesen kreisen.

Gasriesen, die auch "heiße Jupiter" genannt werden, sind Riesenplaneten von der Größe "unseres" Jupiters. Im Unterschied zu diesem ist die Umlaufbahn der Gasriesen sehr eng um ihre jeweilige Sonne, und ein Viertel von ihnen tut das in gegenläufiger Richtung zur Drehung ihrer jeweiligen Sonne. Genau das hat den Astrophysikern einiges Kopfzerbrechen bereitet: "Das ist ziemlich seltsam", sagt Rasio, "und es ist umso seltsamer, da die die Gasriesen ihrem Stern so nahe sind."

Das Team um Rasio stellte umfangreiche Computersimulationen an und berichtet in der heutigen Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Nature" (Bd. 473, S. 187) von der Lösung beider Phänomene - dem der Sonnennähe und der "falschen" Drehrichtung. Wie die Forscher errechneten, sind an beiden Phänomenen weit entfernte Planeten schuld, die tatsächlich die Drehrichtung des Gasriesen "umdrehen" können.

Sobald man in einem Planetensystem mehr als einen Planeten habe, so Rasio, würden sie sich mit ihrer Gravitation stören. Mit anderen Worten: "Wie auch immer Planeten ursprünglich um ihre Sonne kreisten: Das muss nicht notwendigerweise immer gleich bleiben, sondern kann sich durch diese wechselseitigen Störungen im Laufe der Zeit auch wieder ändern." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 12. 5. 2011)

  • Ein Gasriese dreht sich gegenläufig um seine Sonne. Ursache dafür ist der 
weit entfernte Planet (sehr klein) links oben.
    illustration: lynette cook

    Ein Gasriese dreht sich gegenläufig um seine Sonne. Ursache dafür ist der weit entfernte Planet (sehr klein) links oben.

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