Gedanken an ein baldiges Comeback kann sich Guttenberg abschminken
Fast kann einem der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schon leid tun. Es sind wirklich deftige Watschn, die die Universität Bayreuth da bezüglich seiner Doktorarbeit verteilt. Schummeln als "werkprägendes Bearbeitungsmuster" wird ihm knallhart attestiert. Als vorsätzlicher Trickser und Täuscher wird er entlarvt.
Aber natürlich tut einem Guttenberg nur fast leid. Unvergessen ist, wie er sich gegen die Vorwürfe wehrte, sie als "absurd" abtat und auch später immer nur von einzelnen, selbstverständlich unabsichtlichen Fehlern sprach. In Erinnerung ist auch, dass Guttenberg sich zunächst gegen jede Veröffentlichung des Kommissionsberichts wehrte und sich als Opfer einer Medienhetze darstellte.
Eher untauglich ist auch seine Rechtfertigung, warum er zum Plagiator wurde: die Familie, die Druck machte; der Stress, den er als Doktorand, Politiker und junger Vater hatte. Nun ja, offenbar hat der Freiherr kurz vergessen, dass er im Gegensatz zu tausenden anderen angehenden Akademikern zumindest finanziell gut abgesichert ist und war.
Guttenberg ist nicht nur menschlich eine Enttäuschung, sondern auch politisch. Immer deutlicher wird, dass seine Heeresreform floppt. Es melden sich zu wenig Freiwillige, sein Konzept ist nicht durchdacht. Gedanken an ein baldiges Comeback kann er sich abschminken. Buße und Reue sollten durchaus noch eine lange Zeit andauern. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2011)