"Weil es einfach Zeit wird"

12. Mai 2011, 10:15
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Oberwarts Basketballer sollten schön langsam endlich den Meistertitel holen - Fünf Mal war man bereits Zweiter, sprich erster Verlierer. Über einen Verein mit schmalem Budget und hohen Erwartungen

Wien - Manche Menschen haben Abonnements für den Musikverein, andere auf Platz zwei in sportlichen Wettkämpfen. Oberwarts Basketballer könnte man als das bezeichnen, was man die ewigen Zweiten nennt. In der ABL (Austrian Basketball League) haben es die Burgenländer fünf Mal in eine Finalserie geschafft. Und fünf Mal verloren. 1997, 1998, 2005, 2007 und 2008. Das hat Charme. Heute steigt das erste Endspiel 2011 (19.30 Uhr, live auf SKY), Oberwart trifft Gmunden. Warum soll es heuer eigentlich klappen? "Weil es einfach Zeit wird. Früher waren wir immer Außenseiter, heuer haben wir alle vier Saisonduelle gegen Gmunden für uns entschieden. Ihr Spielstil liegt uns", sagt Oberwarts Manager Andreas Leitner.

Schmerzen verursacht die Vergangenheit: 2005 und 2007 wurde man jeweils von den Oberösterreichern geputzt, gewann kein Spiel in der Finalserie (0:3). Lustiger war das Ende des darauffolgenden Jahres auch nicht, gegen Fürstenfeld verlor man den Meisterpokal im entscheidenden fünften Spiel in letzter Sekunde durch einen Foulpfiff und Freiwürfe. Das war knapp. Ein ehemaliger Oberwart-Coach hat einmal zum Basketball in Oberwart gemeint: "Small budget - high expectations". Heuer haben die Burgenländer viereinhalb Legionäre in ihren Reihen, Unsummen wurden trotzdem nicht ausgegeben. Dazu gesellen sich eine handvoll wertvoller Eigenbaugewächse. Leitner: "Zwei US-Legionäre haben wir mit Hilfe von Zusatzsponsoren geholt. Joey Shaw, einer unser stärksten Spieler, war ein Glücksgriff. Ein junger Ami, der in Nevada auf einer guten Universität in den USA war, dort aber nur die vierte Geige gespielt hat."

Kampf unter den Brettern

Das vereinseigene Scouting funktioniert ganz gut, es werden viele Videos von Spielern angesehen, zig Telefonate geführt. Der erstbeste Katalog-Amerikaner werde nicht unter Vertrag genommen, nur weil er leistbar sei. Es bleibt aber am Ende des Tages bei dem ganzen Aufwand immer auch eine Glücksfrage. Michael Schrittwieser, mittlerweile Ex-Trainer von Kapfenberg, nannte die heimische Meisterschaft seinerzeit einmal eine "Cowboy-Liga". Alles Schnee von gestern. Für Andreas Leitner hat sich die Liga weiterentwickelt, es werde "guter Basketball gespielt". Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. "Die Legionäre werden wieder besser, weil ihre Plätze in den umliegenden Ländern in Europa abgebaut werden. Gute Spieler müssen es also wieder billiger geben, wenn sie einen Job haben wollen."

Einer, der entscheidend dazu beitragen kann, Titelträume zu verwirklichen, ist Bernd Volcic. Der 2,05 Meter-Mann kehrte nach elf Jahren im Ausland mit 34 Jahren an die Wirkungsstätte seiner Jugend zurück, war als Legionär in Belgien, Frankreich und Italien tätig. Vielleicht ist er rückblickend Österreichs bester Basketballer, mit Sicherheit aber war er zu einem Spottpreis zu haben, weil er seine Karriere hierzulande zu Saisonschluss beenden will. Unter normalen Umständen hatte man ihn nicht verpflichten können. Gmunden und Oberwart, das sind zwei Teams die in der Verteidigung nicht zimperlich agieren und offensiv kontrolliert zu Werke gehen. "Die Routine und Power von Johnson (ein halber Legionär weil eingebürgert, Anm.) und Volcic könnte den Ausschlag für uns geben. Wir sind das einzige Team, das der Gmundner Physis Paroli bieten kann. Unsere Dominanz unter dem Korb hat uns zum Sieg über Wels und Traiskirchen verholfen", sagt Leitner. 

Die Früchte ernten

Für die Zeit nach Volcic soll auch gesorgt sein, hinter ihm kommt nicht die Sintflut. Der Oberwarter Nachwuchs lässt im U20-Nationalteam aufhorchen, heuer wird erstmals bei einer A-Europameisterschaft in Spanien gegen die Kaliber Spanien, Griechenland und Türkei gespielt. Die Qualifikation für die A-EM (1. Division) vergangenen Sommer war der größte Erfolg im österreichischen Basketball in der jüngeren Vergangenheit. Leitner raunzt nicht: "Es kommen bessere Coaches in die Liga, die Arbeit wird professioneller. Wir haben alle drei bis vier Jahre starke Jahrgänge und die Legionärszahl wird kommende Saison wieder reduziert." Dann, wenn in Oberwart vielleicht keine feuchten Träume vom Meistertitel mehr geträumt werden müssen. (Florian Vetter, derStandard.at)

  • Ein Garant für den Oberwarter Erfolg: Bernd Volcic hat elf Jahre im Ausland Spitzenbasketball gespielt, stopft hier den Ball am Traiskirchner Kevin Payton vorbei in den Korb.
    foto: zvg/oberwart gunners

    Ein Garant für den Oberwarter Erfolg: Bernd Volcic hat elf Jahre im Ausland Spitzenbasketball gespielt, stopft hier den Ball am Traiskirchner Kevin Payton vorbei in den Korb.

  • Manager Andreas Leitner hat trotz einiger unglücklicher Playoff-Niederlagen in der Vergangenheit nie aufgehört, am Oberwarter Erfolg zu arbeiten.
    foto: zvg/oberwart gunners

    Manager Andreas Leitner hat trotz einiger unglücklicher Playoff-Niederlagen in der Vergangenheit nie aufgehört, am Oberwarter Erfolg zu arbeiten.

  • Die Fans im Südburgenland wirken belebender als jeder Energy-Drink: 2.000 Zuschauer werden sich zu den Finalspielen in die gerammelt volle Oberwarter Sporthalle drängen.
    foto: zvg/oberwart gunners

    Die Fans im Südburgenland wirken belebender als jeder Energy-Drink: 2.000 Zuschauer werden sich zu den Finalspielen in die gerammelt volle Oberwarter Sporthalle drängen.

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