Neuer Report

Drogen: Immer mehr "Legal Highs"

11. Mai 2011, 13:59

In Europa tauchen vermehrt Designer-Substanzen auf, die so neu sind, dass sie die Gesetzgeber noch nicht kennen

Lissabon/Wien - Der europäische Drogenmarkt wandelt sich: Er wird überschwemmt durch "Legal Highs", das sind Designerwirkstoffe, bei denen die Gesetzgebung bzw. Verordnungen zumeist hinterher laufen. Oft handelt es sich dabei um künstlich hergestellte Cannabinoid-Abwandlungen (THC-Derivate), wie sie in Kräutermischungen wie "Spice" identifiziert wurden. Die meisten Substanzen sind so neu, dass Gesetzgeber und Ermittler sie nicht kennen.

Auch chemische Substanzen, welche den Inhaltsstoffen von Khat ähneln, tauchen vermehrt auf. Im Jahr 2010 wurden in Europa insgesamt 41 neuer psychoaktiver Substanzen für den Missbrauchsmarkt entdeckt - zwei davon erstmals in Österreich. Dies stellt die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EBDD/Lissabon) in einem neuen Report fest, der gemeinsam mit Europol verfasst wurde.

Zunahme an psychoaktiven Substanzen

"Neue psychoaktive Substanzen werden immer mehr und in einem 'bisher nicht bekannten Ausmaß' erhältlich. Im Jahr 2010 wurden 41 neue psychoaktive Substanzen erstmals durch die beiden Agenturen (EBDD und Europol, Anm.) offiziell registriert. Das ist die größte Anzahl von (neuen, Anm.) Substanzen in einem Jahr und deutlich mehr als im Jahr 2009 (24) bzw. 2008 (13)", teilte die Drogenbeobachtungsstelle mit. Derzeit läuft in Lissabon auch ein Forum zu dem Thema der neuen Stoffe, welche für den Missbrauch geschaffen, erzeugt und vertrieben werden.

Bei den Stoffen handelt es sich um eine sehr diverse Gruppe an Substanzen: synthetische Cannabinoide, synthetische Cathinone (ähnlich den Alkaloiden aus der Naturdroge Khat) und synthetische Abwandlungen von aus der Medizin bekannten psychoaktiven Stoffen. EBDD-Direktor Wolfgang Götz: "Wenn man die Geschwindigkeit ansieht, mit der diese Entwicklungen geschehen, muss man einfach die Herausforderungen für die Zukunft im Auge haben. Während unser Frühwarnsystem deutlich an Kapazitäten zugelegt hat, um auf neu auftauchende Substanzen und Produkte zu reagieren, geht uns derzeit noch die Möglichkeit für Vorhersagen ab."

"Legal Highs" bei Veranstaltungen und via Internet

Das Problem: Die Stoffe werden überwiegend via Internet oder bei Großveranstaltungen als "Legal Highs" unter die Drogenkonsumenten gebracht. Gesetze und Verordnungen müssen da hinterher hinken. Illegalität allein ist kein Mittel gegen den Konsum bedenklicher Substanzen. Viel eher geht es hier darum, entweder durch Käufe auf dem Drogenmarkt oder durch Aktionen wie "Checkit" (Angebot zum Test bei Veranstaltungen/Wien) die "Szene" zu beobachten und bei echtem "Gift" sofort zu warnen.

Dabei sind die potenziell negativen Auswirkungen der neuen Substanzen ebenfalls nur zum Teil bekannt. Virulent wurde die Angelegenheit Ende 2008/Anfang 2009 mit dem "Spice"-Phänomen: Kräutermischungen mit synthetischen Cannabinoiden. Der Report der EBDD und von Europol: "Als Antwort auf die möglichen Gesundheitsgefahren haben zumindest 16 europäische Staaten gesetzgeberische Aktionen zum Verbieten oder zur Kontrolle von 'Spice'-Produkten oder verwandten Substanzen gesetzt." Als erstes in Europa reagierte laut dem Bericht damals Österreich, das "Spice" bereits im Jänner 2009 verbot.

Zwei neue Substanzen in Österreich entdeckt

Auch in Österreich wurden im Jahr 2010 für Europa erstmals neue Substanzen entdeckt. Von den 41 entfielen 16 auf Großbritannien, je vier auf Norwegen, Irland und Finnland, je drei auf Lettland und Deutschland, je zwei auf Ungarn, Österreich und Schweden sowie eine auf Bulgarien.

So wurde laut dem Bericht am 27. Juli in Österreich erstmals in Europa JWH-015 entdeckt. Es handelt sich dabei um ein synthetisches Cannabinoid. Mit 17. September 2010 ist Beta-Ethyl-Methcathinone im Annex des Berichts vermerkt. Diese Khat-ähnliche Substanz kann Schlaflosigkeit, Psychosen etc. auslösen.

Rob Wainwright, Direktor der Europol: "Das Auftreten von 'Legal Highs' ist eines der wesentlichen Kennzeichen des aktuellen europäischen Drogenproblems. Diese Herausforderung wurde vor kurzem auch im jährlichen Bericht von Europol zur Bewertung der Bedrohungslage im Bereich der Organisierten Kriminalität in Europa 2011 hervorgehoben. Wir haben auch festgestellt, dass organisierte Kriminelle immer häufiger Ecstasy und verwandte Drogen herstellen und verbreiten. Europol ist entschlossen, dieses Problem zusammen mit seinen europäischen Partnern aus dem Bereich der Strafverfolgung zu bekämpfen. "

Risikobewusstsein schaffen

"Es geht ganz allgemein darum, dass es gelingen muss, zunächst bei den jungen Leuten ein Risikobewusstsein zu schaffen", sagte die österreichische Drogenkoordinatorin (Gesundheitsministerium), Johanna Schopper, aus Anlass der Reoport-Veröffentlichung. Die österreichische Strategie stützt sich bei den zumeist synthetisch und für den Missbrauchsmarkt bestimmten Substanzen laut der Expertin auf mehrere Säulen: Monitoring, Prävention und gewisse legistische Maßnahmen. Sie warnt besonders vor einem gefährlichen Mischkonsum von Substanzen.

Oft gelten die Substanzen im Grunde fälschlicherweise als "harmlos". So sei ein in jüngerer Vergangenheit häufig verwendeter Stoff (Mephedron) gar als "Badesalz" oder "Dünger" aufgetaucht - was bei den Konsumenten scheinbar Harmlosigkeit signalisierte. Gegen Mephedron wurde in Europa auch legistisch vorgegangen. "Doch das ist immer eine Art "Katz-und-Maus-Spiel",  so Sonja Grabenhofer von der Wiener Initiative "CheckIt". Verbote würden vor allem dazu führen, dass binnen kürzester Zeit neue Derivate erzeugt würden und auf den Markt kämen, von denen man überhaupt keine genauen Informationen über deren Eigenschaften habe. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 69
1 2
samba cat
02
16.5.2011, 17:54
ganz ganz tolles ergebnis.

bekannte stoffe werden so streng verfolgt, dass no na unbekanntes zeug auftaucht, von dem keiner weiss, was es anrichtet, und das auch verdienstvolle einrichtungen wie checkit nicht erkennen koennen.
bravo. ganz toller beitrag zu volksgesundheit.

Barbarin
02
16.5.2011, 17:02
Schwammerl und Cannabis:

....legalize it!

Und Schluss wäre mit dem Chemie-Schei**, gesünder sind die Originals auch und Steuern täte es ebenso bringen...

Michael Aires
10
"gesünder"

na ja, vielleicht im sinne von ein pariser schnitzel ist gesünder als ein wiener schnitzel.

Spiritron
01
16.5.2011, 12:00

Ich wüde Mal sagen das man dieses Phänomen als Paradebeispiel erfolgreicher Micro-evolution ansehen sollte. ;)
Der Gesetzgeber is die Umwelt, die Polizei ist der Jäger, und die Hinterhof Chemiker und iher Kunden die Beute.

Viel Glück auch noch; verfolgte Gruppen sind extrem anpassungsfähig, und im Vergleich zu den verschiedensten Versuchen Alkohol/Protestantismus/Religion/Volksgruppe X aus der Welt zu schaffen sine diese Maßnahme ziemlich zahm.

utarefson
00
15.5.2011, 19:57
Die Gesetzgebung stellt sehr wohl auf Substanzgruppen und Derivate ab!

Bestimmte Wirkstoffe haben einen bestimmen und zur Wirkung notwendigen molekularen Grundaufbau, der dann variiert werden kann. Es ist also definierbar, ob eine Droge z.b. unter Cannabis oder Amphetamin ähnliche Stoffe einzuordnen ist. Der Standard ist also definitiv nicht unterrichtet! Wie so oft!

gewissengewissen
 
13
12.5.2011, 14:52
guter Blick auf die Sinnlosigkeit von Prohibition(en) ...

... denn Drogen sind nur dann uninteressant, wenn
a) einem schlecht wird
b) man gerade kein Interesse daran hat
c) der Rest der Welt so lebenswert und interessant ist, dass die Flucht (in die Drogen) ganz einfach keinen Sinn macht ...

Vor 30 Jahren hat Polizei Aufklärung in der Disco betrieben, heute schleimen Dich EBS Junkies (das sind Undercover PolizistInnen, Agents Provocateurs) an, ob Du nicht "Ware" für sie hast ...

(und wenn sie Dich erst mal auf die Idee gebracht haben, flugs bist verhaftet) ...

für diese Sitten gibt es weltweit keine NGO, die dem entgegentritt ...

mr. z
02
12.5.2011, 17:17
Kenne mich nicht so gut aus,

aber werden von der Polizei tatsächlich agent provocateurs eingesetzt?

Abgesehen davon, dass ich die Drogenpolitik sowieso eine Frechheit finde, find ich das noch viel krasser. Verbotene Ermittlungsmethoden anwenden ist definitiv zum kotzen.

Got Your Noes!
01
14.5.2011, 17:08

doch, genau so machen die das.

Strongbow real Ale - Assange
01
13.5.2011, 18:45
Ja werden Sie ist glaub ich seid 2008 erlaubt oder schon länger.

Kann mich noch an einen Fall erinnern da wollte man zum Schein Kokain kaufen, es wurden aber nur 2 Kilo Mehl weitergegeben. Nachdem die beiden Täter nicht wegen Drogenhandel angeklagt werden konnten hat man Sie einfach wegen Betrug eingesperrt - ich glaube sogar das die Strafe genauso hoch war, als hätten Sie wirklich die Drogen verkauft... fand ich recht amüsant und doch auch seltsam.

accuser
01
12.5.2011, 14:46
imir
00
12.5.2011, 14:56

Danke für den Link.

Roediger
10
12.5.2011, 13:04
Wachsfiguren

Wer bedient seinen "hedonistischen" Lebensstil aus der hochinfektiösen Morphium-Grundversorgung für 10.000 Wiener Wegwerf-Jugendliche?

Hanuman Petrol
02
12.5.2011, 10:28
Hm

"Es geht ganz allgemein darum, dass es gelingen muss, zunächst bei den jungen Leuten ein Risikobewusstsein zu schaffen"....

dann bitte fangt bei dem am geduldetsten Mittel in Österreich an dem Alkohol! Keine Substanz ist schlimmer als diese und wird in unserer österreichischen Gesellschaft so geschützt und so missbraucht, das so mancher Richter sogar Rücksicht nimmt auf Daten die im Suf passiert sind! Dieses Bewusstsein gehört geändert, Alkohol Missbrauch sollte in einer Gesellschaft nicht so legitimiert sein wie wir es hier in Österreich machen! Nur in Russland ist es noch schlimmer!

stand1
00
13.5.2011, 12:47
Ja das saufen ...

... hat tradition und ist religion. Umtrennbar gehört es zu österreich und dem
rest der welt

Philip II
031
12.5.2011, 07:44

dann legalisierts halt endlich Gras dann müssma ned den Chemiedreck rauchen! des kann sowieso nix!

sir osis of liver
 
01
12.5.2011, 08:32

biobauer werden ;-))

Philip II
02
12.5.2011, 08:44

das ist leider nicht möglich:(

Shanajio
01
12.5.2011, 07:49

So ist es!

Fritz Meyer
014
12.5.2011, 01:27
"Die Korova-Milchbar war ein Mesto, wo sie Milch-plus ausschenkten."

"Sie hatten keine Lizenz für den Ausschank von Alkohol, aber es gab noch kein Gesetz gegen einige von den neuen Wetsches, die sie in die alte Moloko taten, und so konnte man sie mit Vellocet oder Synthemesk oder Drencrom oder anderen Sachen pitschen, die dich hübsche, ruhige horrorshow lang den alten Bog und alle seine Engel und Heiligen in deinem linken Schuh bewundern ließen, während dir das ganze Mosg in einem Feuerwerk von Lichtern explodierte. Oder du konntest Milch mit Messern drin pitschen, wie wir zu sagen pflegten, und das machte dich scharf und bereit für ein bißchen schmutziges Zwanzig-gegen-einen."

(Anthony Burgess, "Uhrwerk Orange", 1962)

Die Realität hat die Fiktion schon wieder eingeholt.

salamix
00
12.5.2011, 16:28

Bettwärts ist das Beste jetzt! Drum heimwärts und dann ein bisschen Spatschka… Righty Right?

fritz1004
04
11.5.2011, 23:08
Designermoleküle

...riskante pharmakologische Feldversuche. Da gabs doch mal eine psychoaktive Substanz aus der Pharmaküche (ein Schlafmittel), daß sogar Tests durchlief, wie man heute weiß, nicht ausreichende - und plötzlich gab es viele Missbildungen bei Kindern.
Dagegen scheint das Risiko bekannter Drogen gering, zumindest aber kalkulierbar. Ist da die Illegalität, die das "designen" nährt (und übrigends auch das "strecken", schon zu hinterfragen.
Konsumenten kann man von unbekannten Molekülen nur dringend abraten (lieber Illegalität riskieren, sich entsprechendes botanisches Wissen aneignen oder what ever)

element of crime #V#
03
12.5.2011, 09:13
Contergan (Thalidomid)

1957 bis 1961 vertrieben.

Der "Contergan-Skandal" wurde 1961/62 aufgedeckt.

Hofer1002
012
11.5.2011, 21:12
Kasperltheater

wir sind die Nummer 10 beim Saufen, Nummer 2 beim Rauchen weltweit, da werden uns ein paar Drogen mehr auch nicht unterkriegen. Besser wäre es die neuen chemischen Freunde unter staatlicher Aufsicht zu stellen und mit hohen Gewinn an die Erwachsenen Loser zu verkaufen die ohne dem keinen Spaß im Leben haben. Mit dem Gewinn sollte Drogenprävention an den Schulen gemacht werden. Und das man Hasch und Mariuhana für Erwachsene erlauben soll ist ja eh klar ,ob mich ein lallender Besoffener oder ein langsam Sprechender der mitten im Satz vergißt was er sagen wollte ansudert ist mir ja elt wurst.

Geteuch Nixon
02
12.5.2011, 14:02

Also mir ist ein "Eingrauchter" der mich anquatscht zehnmal lieber als ein "Angsoffener"....

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