Jeder zweite Fußgänger hat schon "schlechte Erfahrung" mit Radfahrern gemacht – Mehr als zwei Drittel der Radler benutzen in Wien fallweise Gehsteig
Wien - Mit dem steigenden Absatz von Fahrrädern und E-Bikes steigt auch das Konfliktpotenzial auf der Straße. Fast jeder zweite Fußgänger (47 Prozent) berichtete in einer Umfrage des Marktforschers Kreutzer Fischer & Partner davon, bereits einmal eine schlechte Erfahrung mit einem Radfahrer gemacht zu haben. Einem Drittel passierte das schon mehrmals. Das Prinzip des Stärkeren existiert auf allen Ebenen, so die Marktforscher. Genauso wie sich Autofahrer gegenüber Radfahrern oftmals im Vorteil glauben, fühlen sich Radfahrer den Fußgängern überlegen.
Besonders angespannt scheint die Situation im Großraum Wien zu sein. Der Donauradweg, die Donauinsel und der Ring gelten als Hotspots für Konflikte. Häufiges Ärgernis: Radfahrer nutzen Gehwege. In Wien etwa gaben 68 Prozent der befragten Radfahrer an, fallweise auch den Gehsteig zu benutzen. Beliebt sei auch das Befahren von Zebrastreifen, um an Kreuzungen nicht stoppen zu müssen.
Radler sehen sich häufig im Vorrang
Auf gemischten Rad- und Gehwegen räumen nur 28 Prozent der Radfahrer dem Fußgänger den Vorrang ein. Bei einer Engstelle sind fast 70 Prozent der Radler der Meinung, dass der Fußgänger auszuweichen hat. Der Umfrage zufolge steigt das Unverständnis für die Sicherheit der Fußgänger, je häufiger jemand mit dem Rad unterwegs ist.
Die Befragung wurde telefonisch unter 756 regelmäßigen Radfahrern und 749 Fußgängern im Alter von 18 bis 70 Jahre im März 2011 durchgeführt. Laut Angaben der Marktforscher wuchs der Absatz bei traditionellen Fahrrädern im Jahr 2010 um knapp sieben Prozent auf 463.000 Stück an. (APA)