Einigung nur mit der Enkelin nach Jenny Steiner
Wien - Seit zehn Jahren weiß Elisabeth Leopold, Witwe nach Rudolf
Leopold, dass Häuser am Meer von Egon Schiele NS-Raubkunst ist: Das
Gemälde gehörte Jenny Steiner, es wurde 1938 beschlagnahmt und 1941 im
Dorotheum versteigert. 1955 kaufte Rudolf Leopold das Bild von privat.
Damals, Anfang 2001, traf Elisabeth Leopold die Enkelin von Jenny
Steiner im Café Imperial. Und schon damals war diese einem Vergleich
nicht abgeneigt. Rudolf Leopold forderte aber, dass nicht nur sie, eine
Drittelerbin, sondern auch alle anderen Erben das Angebot akzeptieren
müssen. Sie akzeptierten jedoch nicht - bis heute: Die beiden
Erbengruppen lehnten, wie berichtet, das Angebot in der Höhe von fünf
Millionen Dollar pro Drittelerbe ab. Die betagte Enkelin hingegen
willigte ein.
Nach zehn Jahren also kann die Stiftung einen Erfolg verbuchen: Am
Mittwoch wurde die Einigung mit der von Alfred Noll vertretenen Enkelin
bekanntgegeben. Bei der Pressekonferenz sprach man von einer "fairen und
gerechten" Lösung. Um zu dieser zu kommen, seien, so die
überschwängliche wie metaphernreiche Presseerklärung, "beide Seiten über
ihren Schatten gesprungen". Noll bezeichnete die Verhandlungen als
"Rückgabespiel". Mit dem Ausgang sei er zufrieden: Die Summe sei mehr
als befürchtet, weniger als erhofft. Häuser am Meer wird nun mit einem
Begleittext zur Provenienz versehen.
Für die Stiftung Leopold bedeutet die Einigung einen Durchbruch. Denn
die Naturalrestitution, jahrelang von der Israelitischen Kultusgemeinde
gefordert, ist vom Tisch. Und auch der Vorschlag, das Bild zu
versteigern und den Erlös in einem bestimmten Verhältnis zu teilen, kann
nun nicht mehr umgesetzt werden.
Mit den beiden Erbengruppen wird aber wohl weiterverhandelt werden
müssen. Helmut Moser, der Vorsitzende der Stiftung, betonte, dass alle
drei Erben "gleich behandelt" würden. Dies kann zweierlei bedeuten: dass
die fünf Millionen Dollar pro Erbe wirklich das maximale Angebot sind
oder dass die Enkelin eine Nachzahlung erhält, falls die anderen Erben
ein bessere Ergebnis erzielen. Um den Vergleich finanzieren zu können,
bringt man jedenfalls ein "Opfer", wie sich Elisabeth Leopold
ausdrückte: Man versteigert Häuser mit bunter Wäsche.
Die nächste Sitzung der Michalek-Kommission findet am 9. Juni statt.
Diethard Leopold, der Sohn, glaubt nicht, dass in dieser weitere Werke
als "rückgabewürdig" eingestuft werden. Nochmals aufgerollt wissen
möchte er den Fall Mayländer. Dabei geht es um vier Schiele-Blätter, die
Rudolf Leopold von Etelka Hofmann erwarb. Diese gehörten einst Karl
Mayländer. Laut Diethard Leopold sei Hofmann rechtens in den Besitz
gekommen, da sie die Lebensgefährtin war. Ein Testament verfasste
Mayländer vor der Deportation aber nicht. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2011)