Steuerbelastung in Österreich steigt weiter

11. Mai 2011, 17:30
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Während Deutschland im Vorjahr die Abgabenquote auf Arbeitseinkommen senkte, ist sie in Österreich noch einmal leicht gestiegen

Wien - Die Deutsche dürfen sich schon wieder freuen. Nach Meldungen über starkes Wachstum und boomende Exporte konnte das Nachbarland am Mittwoch bei einem OECD-Vergleich zur Steuer- und Abgabenlast punkten. Im Vergleich zum Jahr 2009 sank die Abgabenquote 2010 um 1,84 Prozent. Grund dafür sind höhere Kinder- und Steuerfreibeträge. Nur in Ungarn wurde die Belastung von Arbeitseinkommen noch deutlicher - und zwar um enorme 6,65 Prozent - gesenkt.

Andererseits dürfte sich die Freude der Deutschen auch wieder in Grenzen halten. Trotz deutlicher Verbesserung wies man mit einer Gesamtabgabenlast von 49,1 Prozent nämlich noch immer den dritthöchsten Wert innerhalb der OECD auf. Mit Abstand auf Platz eins liegt Dänemark (55,4 Prozent), gefolgt von Frankreich (49,3 Prozent).

Geht die Tendenz so weiter, wird die Bundesrepublik aber bald einen niedrigeren Wert als Österreich aufweisen. Hierzulande stieg die Belastung nämlich weiter an, wenn auch nur leicht um 0,09 Prozent auf 47,9 Prozent. Von 100 Euro an Arbeitskosten, landen also nur 52,1 Euro auf dem Konto der Arbeitnehmer.

Internationaler Trend

Mit der steigenden Abgabenquote fällt Österreich allerdings nicht aus dem internationalen Trend. Angesichts knapper Kassen gab es nur in einem Drittel der Länder eine Entlastung, bei zwei Dritteln ging es weiter nach oben.

Neidisch könnte wieder einmal ein Blick auf die skandinavischen Länder machen. Die Schweden senkten ihre Abgabenquote um 0,5 Prozent, die Finnen um 0,3 Prozent - und lagen dadurch schon mehr als fünf Prozentpunkte unter Österreich. Die Norweger bleiben unverändert bei einer Belastungsquote von 36,8 Prozent - und sind damit noch knapp über dem OECD-Schnitt von 34,9 Prozent. Die Schweiz kommt gar mit 20,8 Prozent aus.

Diese Werte beziehen sich auf das durchschnittliche Einkommen eines unverheirateten Arbeitnehmers ohne Kinder. Geht man noch weiter ins Detail, zeigen sich große Unterschiede. Bei Alleinerziehern mit zwei Kindern und unterdurchschnittlichem Einkommen gingen im Vorjahr 26,4 Prozent der Arbeitskosten in Steuern und Sozialbeiträge. Bei Spitzenverdienern (167 Prozent des Durchschnittsgehalts) ohne Kinder stieg die Gesamtabgabenlast um 0,3 Prozent auf 50,4 Prozent der Arbeitskosten.

Alleinstehende stark belastet

Alles in allem liegen die Abzüge durch Steuern und Abgaben vor allem für alleinstehende Gering- und Durchschnittsverdiener weiter deutlich über dem OECD-Schnitt. Etwas näher am Durchschnittswert liegt die Abgabenlast für Alleinerziehende sowie für Familien mit Kindern.

Berücksichtigt werden von der OECD Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Bartransfers, etwa für Kinder, werden abgezogen, ebenso pauschale Steuerabsetzbeträge. Nicht enthalten sind hingegen andere Einkunftsarten (etwa Kapital- und Mieteinkünfte), Steuerabschläge, die an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind (wie Kinderbetreuung) und Transfers, die ausschließlich für Bezieher geringer Einkommen gezahlt werden. (go,DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.5.2011)

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    Nicht leicht hat er's der Österreicher - und natürlich auch die Österreicherin nicht - die Last, die da so zu tragen ist, könnte einen förmlich niederstrecken...

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