Richter unter Druck

Ein Fünftel der Richter leidet unter Burnout

11. Mai 2011, 12:37
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    foto: ap/thomas kienzle

    Probleme macht - vor allem älteren männlichen Richtern - ein "grundlegender gesellschaftlicher Änderungsprozess", nämlich der Verlust der Autorität.

Hohe Arbeitsbelastung, Respektlosigkeit und der Verlust von Autorität ist für Richter problematisch

Wien  - Ein Fünftel der Richter ist Burnout-belastet, 7,5 Prozent sind der Höchstrisiko-Gruppe zuzurechnen. Das ergab eine Studie der ARGE Burnout und eines Teams der MedUni Graz im Auftrag der Richtervereinigung. Mit nur 57,5 Prozent völlig Unbelasteten gehören die Richter zu den Berufsgruppen mit hohem Druck, sind aber weniger Burnout-belastet als die Ärzte. Richter-Präsident Werner Zinkl plädierte bei der Präsentation der Ergebnisse für Bewusstseinsbildung und mehr Unterstützung - und trat gegen die Tendenz zur frühen Spezialisierung ein.

Denn ein überraschendes Ergebnis war, dass Richter, die in mehreren Sparten tätig sind - so gebe es beispielsweise an Bezirksgerichten Kollegen, die für Straf- und Zivilrecht zuständig sind - weniger Burnout-gefährdet sind. Hier hielte Zinkl ein Anreizsystem für öfteren Wechsel für sinnvoll. Für die ebenfalls besonders gefährdeten älteren Kollegen sollte man Alters-Teilzeitmodelle oder Sabaticals überlegen.

Verlust von Autorität macht Probleme

Probleme macht - vor allem älteren männlichen Richtern - ein "grundlegender gesellschaftlicher Änderungsprozess", nämlich der Verlust der Autorität. Auf eine offene Frage sei recht oft zunehmende Respektlosigkeit von Prozessparteien und der Druck der Medien als besonders belastend genannt worden, berichtete Peter Hofmann (MedUni Graz). Dies könnte, so Erich Hotter (ARGE Burnout), auch ein Grund dafür sein, dass in der Richterschaft - anders als in anderen Gruppen - die Männer stärker Burnout-belastet sind.

Erhoben wurde das Burnout-Risiko in einer Umfrage, an der 763 Richter teilnahmen, das sind mehr als 42 Prozent der Angesprochenen. 42 Prozent der Befragten wiesen Anzeichen eines Burnout auf - wovon aber die Hälfte "sehr leicht bis wenig" betroffen war. 21 Prozent sind "stark und sehr stark belastet", leiden also manifest unter Burnout.

Auch wenn recht oft auf hohe Arbeitsbelastung verwiesen wurde oder seitens der Befragten angegeben wurde, den Urlaub für die Erledigung von Akten zu nützen, nutzte Zinkl das Studienergebnis nicht, um die Forderung nach mehr Planstellen zu bekräftigen. Um mehr Stellen bemühe man sich ohnehin ständig, hier gehe es um die Gesundheit und Bewusstseinsbildung, meinte er.

Besseres Zeitmanagement gefragt

Bewusstsein schärfen will man etwa, indem der Fragebogen weiterhin zur Bewertung der Situation zur Verfügung steht. "Ohne Kosten" , so Zinkl, könnte das Arbeitsklima verbessert werden (viele empfanden Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz als belastend). Die Studienautoren regten Unterstützung z.B. durch Lifestyle- oder Selbstmanagement-Seminare an. Diese werden in der Justiz angeboten, außerdem werden Kosten für Einzelcoaching übernommen.

Ziel von Maßnahmen gegen Burnout sollte nach Meinung Hofmanns nämlich "nicht unbedingt sein, weniger zu arbeiten", sondern die Arbeit besser zu bewältigen. Betroffene in "Watte zu packen" und sie lange in Krankenstand zu schicken, hält er für falsch. Wichtig sei Unterstützung bei der Organisation des Lebens und bei der Stressbewältigung - in leichten Fällen könne z.B. schon "zwei Mal die Woche Yoga" helfen. Jedenfalls gelte es, über die Berufssituation nachzudenken - denn oft sei eine "Fehlpassung" (z.B. Aufgaben, für die man nicht geeignet ist) Auslöser für Burnout. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
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NANANANANANANANA BATMAN
10
23.6.2011, 17:39
autoritätsprobleme?

bei richtern??

Wittgenstein vs Popper
00
22.6.2011, 14:32
keine checks und balances

ein großes soziales problem innerhalb der richterschaft ist, dass man "auf gleicher ebene", anders als in den meisten anderen berufen keinerlei checks und balances hat (die instanz spielt auf einer anderen ebene). Über die jahre wissen die meisten gar nicht, wie die anderen kollegen agieren (kaum einer sitzt mal in einer fremden verhandlung). Eine persönliche weiterentwicklung bleibt da ohne jeden produktiven anstoß von außen; extreme selbstmotivation ist gefragt, aber oft schwer erreichbar; die jobsicherheit ist was persönliche weiterentwicklung anlangt eher kontraproduktiv: über jahre und jahrzehnte ist ein massives unwohlsein fast vorprogrammiert.

Liebe Frau Doktor
00
21.6.2011, 21:06
Ich fürchte,

die Richter sind nur eine willkürlich herausgenommene Berufgruppe. Es sind viel mehr von burn out betroffen, vor allem auch Lehrende. Aber auch Hausfrauen, Angestellte, Kinder, die am Schulstress scheitern usw.
Und es ist sehr ernst zu nehmen: von der Politik, von den Arbeitgebern, von Eltern und Partnern.
Denn es kann im Selbstmord enden.

marillensuppe
30
12.5.2011, 11:32

ist da nicht eher das gemeint?

http://de.wikipedia.org/wiki/Diag... se_Boreout

die tatsache, dass richter mit mehr abwechslung weniger krank werden, deutet eindeutig in diese richtung.

immer nur das gleiche ist eben urlangweilig....

++ THOR ++
00
12.5.2011, 15:11
brainout ?

marillensuppe
10
12.5.2011, 11:30
burnout?

BK W. Shoyssel
20
12.5.2011, 09:35
Warum

soll es Richtern besser gehen, als Pflichtschullehrern?

Die beiden haben teilweise die gleiche Klientel.

Pezibärli
33
12.5.2011, 13:39
Warum ist Burnout

eigentlich bei Lehrern und Richtern so verbreitet. Liegt es vielleicht daran das beide Gruppen in geschützten Bereichen arbeiten und ein Jahr Krankenstand eh wurscht ist. Geht ja eh niemanden ab. Machen sie das einmal in der Privatwirtschaft, wo sehr viele Menschen einem wesentlich höheren Leistungs und Einkommensdruck ausgeliefert sind, und sie können sich einen neuen Job suchen. Will aber damit nicht sagen das es Burnout nicht gibt, sondern nur das es halt in diesen Gruppen komischerweise sehr häufig vorkommt

Gerhardo1
24
12.5.2011, 08:18
verursacht Unterforderung auch Burnout?

also die Richter, die ich kenne, heben sich alle keinen Bruch...
Verglichen mit den Stress-Belastungen in anderen Berufen einfach lächerlich.

Richi.Wagner
11
12.5.2011, 09:09

meinen sie boring-out?

Bernhard Kubicek
21
11.5.2011, 22:16
kann mit

bitte jemand erklären wieso ein Richter eine Autoritätsperson sein sollte?

Schäferhund vom Pavillon E
02
12.5.2011, 08:36
Autoritätsperson nein - Respektsperson ist wahrscheinlich das richtige Wort.

Immer öfter kommt es zu der Situation, dass Entscheidungen von Richtern absolut nicht akzeptiert werden (bei aller Richtigkeit der Entscheidung und allem Bemühen des Richters), es folgen Beleidigungen, Strafanzeigen und Drohungen. Das sind Einzelfälle, illustrieren aber das Bild des Richters im Wandel.

An vielem dieser Problematik ist die Justiz selbst schuld, weil leider nicht wenige Richter einen "drüberfahr"-Stil an den Tag legen, bei dem nicht wenige Kompetente durchaus der Meinung sein könnten, es wird die in einigen Verfahrenssituationen defacto herrschende Allmacht des Richters ausgespielt.

Die Justiz braucht aber auch mehr Leute, damit jedem die Zeit zukommt, die ihm für seine Rechtssache gebührt. Zurzeit leider oft unmöglich.

David Mungo
02
12.5.2011, 06:50

Kommt drauf an, ob man überhaupt der Meinung ist, dass es "Autoritätspersonen" gibt. Wenn ja, erübrigt sich die Frage irgendwie. Wenn nein, dann auch.

peter schmidt
 
07
11.5.2011, 14:55
wenn sich ein Richter über Respektlosigkeit ärgert und daher dem Burnoout nahe ist

müsste eigentlich ungefähr jeder Bauarbeiter, Taxler oder auch Anwalt Burnout haben.

Natürlich genießt ein Richter weniger Respekt als früher. Aber immerhin ist ein Richter immer noch mehr Respektsperson als jede andere Berufsgruppe (weil wer kann einem sonst Geldleistungen auferlegen, einsperren, anschreien ohne das was passiert etc.).

Das sind schon harte Sprüche. Eigentlich eine Zumutung.

relatio subsistens
33
11.5.2011, 14:22

Und vier Fünftel leidet unter Boreout. In der Lehrerschaft gibt es ähnliche Zustände ...

peter schmidt
 
14
11.5.2011, 16:26
und ähnliche mentalitäten

Barbarin
65
11.5.2011, 13:50
Wird wohl daher kommen, dass die Autorität nur...

...mit dem Amt zusammenhängt, aber nicht mit der besonderen Fähigkeit für diese Tätigkeit, worauf sich Autoriät, bevor das Wort zweck entfremdet wurde, bezog.

99 % dieser Berufsgrupper sind im psychologischen Sinn als Bürokraten einzustufen und daher, da obrigkeits-hörig (Ministerium, nix mit unabhängig), Depressions und Burn-out gefährdet, viel schlimmer ist aber der Schaden, den diese meist emotional unterentwickelten Persönlichkeiten, an anderen anrichten (weil die eigenen Vorurteile, kranken Verhaltensmuster nicht geckeckt!)

Richter wird heute, wer brav Wissen konsumiert (nicht unbedingt verstanden) hat und nach Polit und Propaganda-vorgaben richtet!

e.kronberg
10
11.5.2011, 16:57
Hahahah,

köstlich...
von wo kommt dieses sagenhafte Wissen, aus dem Kaffeesud oder ist es Omas Implikation?

vintage
07
11.5.2011, 13:46

als unabhängiger verdeckt teilweisungsgebunden agieren zu müssen kann in Sinnkrise und Burnout führen. da bleiben nur die harten über, die bewusst nehmen und die zu beurteilenden wunschgemäss behandeln.

rowdy
17
11.5.2011, 13:43
Hohe Arbeitsbelastung, Respektlosigkeit und der Verlust von Autorität ist für Richter problematisch

HAHAHA, die sollen einmal in die IT wechseln, dann wissen sie was Respektlosigkeit heisst. :)

erich1963
00
11.5.2011, 13:25
Woher kam wohl der Auftrag zur Feststellung:

"Ziel von Maßnahmen gegen Burnout sollte nach Meinung Hofmanns nämlich "nicht unbedingt sein, weniger zu arbeiten", sondern die Arbeit besser zu bewältigen"???

Das klingt wie immer nach "selber schuld, schau, dass du belastbarer wirst".

AlliGator
33
11.5.2011, 13:20

Infolge Unabhängigkeit niemandem Rechenschaft über Leistung schuldig sein, und dann bloß nie später als 14h30 heimgehen, damit die Mama nicht böse wird.

Das macht sicher viel Streß.

stefan esema
00
13.5.2011, 13:55

Im Bereich der Justizverwaltung gibt es die vielbeschworene Unabhängigkeit nicht. Ein Hinweis zur Versachlichung der Diskussion.

al pinski
 
11
11.5.2011, 13:19

autoritäre engstirnige Richter enden im Burnout?
Passt doch! Die wollen wir doch eh nicht erleben wie sie sich im Gerichtssaal großkotzig inszenieren!

Toni Blaher
 
01
11.5.2011, 22:00

Das ist wohl so etwas wie Gerechtigkeit.

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