Proteste

Griechen streiken gegen Rosskur - Krawalle in Athen

11. Mai 2011, 16:33

Österreichs Tranche für Griechenland-Kredit im Juni fällig

Athen - Fähren standen still, Züge fuhren nicht, der Luftverkehr war zeitweise unterbrochen: Der zweite Generalstreik in diesem Jahr aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung hat das öffentliche Leben in Griechenland am Mittwoch erneut lahmgelegt. Nach Polizeiangaben gingen allein in Athen und in Thessaloniki etwa 20.000 Menschen auf die Straße, dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Die Demonstranten folgten einem Aufruf der Gewerkschaften, um gegen die geplanten Privatisierungen und Einschnitte im Staatshaushalt zu protestieren. "Wir haben bereits vor einem Jahr gesagt, dass die Maßnahmen der Regierung ungerecht sind und vorhergesagt, dass sie keinen Effekt haben werden", erklärte der Chef der Gewerkschaft GSEE, Yiannis Panagopoulos. GSEE-Generalsekretär Stathis Anestis, die Sparmaßnahmen würden ausschließlich die Arbeitnehmer treffen und nicht diejenigen, die von der Wirtschaftskrise profitiert hätten.

Am Rande der Ereignisse klang diese Agenturmeldung es wie ein verspäteter Aprilscherz: Griechenland hat laut der Athener Zeitung "Ta Nea" nach jahrelangen Debatten ein Projekt zum Bau eines Formel-1-Kurses in Farres, rund 20 km von der Hafenstadt Patras entfernt, bewilligt. Die Kosten dafür sollen rund 94 Millionen Euro betragen, die Bauzeit wurde mit drei Jahren angesetzt. "Von diesem Kurs wird vor allem der Westen Griechenlands profitieren", wurde Apostolos Katsifaras, der Präfekt der betreffenden Region, von "Ta Nea" zitiert.

Rettungspaket versus striktes Sparprogramm

Griechenland hatte vergangenes Jahr ein 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Anspruch genommen und sich einem strikten Sparprogramm verschrieben. Tausenden Griechen wurden Gehälter und Renten gekürzt, viele verloren ihre Arbeit. Um den riesigen Schuldenberg von rund 340 Milliarden Euro abzutragen, soll Athen nach bisherigen Vorgaben in drei Jahren 26 Milliarden Euro einsparen.

"Sie wollen unsere sozialen Rechte unterdrücken, für die wir jahrzehntelang gekämpft haben", sagte ein 46-jähriger Demonstrant, der in der IT-Branche tätig ist. Es gehe ausschließlich darum, "Banken und Banker" zu retten. "In meiner Firma gab es allein im Jänner hundert Entlassungen, unsere Gehälter wurden um 15 Prozent gekürzt, und es wird noch mehr kommen."

Durch den Generalstreik wurden sowohl die Fährverbindungen vom Festland auf die griechischen Inseln als auch der Zug- und öffentliche Nahverkehr eingestellt. Die griechischen Fluggesellschaften Olympic Air und Aegean strichen Dutzende In- und Auslandsverbindungen. Auch die öffentliche Verwaltung sowie Schulen und Krankenhäuser wurden bestreikt. Zeitungen, Radio und Fernsehen stellten ihre Arbeit für 24 Stunden ein.

Tränengas und Festnahmen

Als der Protestzug zum Parlament in Athen zog, begannen jugendliche Demonstranten mit Steinen zu werfen, Schaufensterscheiben zu zertrümmern und Mülltonnen anzuzünden. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Mindestens sieben Menschen wurden Berichten zufolge verletzt. Ein junger Mann ist durch einen Schlag auf den Kopf lebensgefährlich verletzt worden, gaben Ärzte des Krankenhauses der Athener Vorstadt Nikaia bekannt. Er wurde am Nachmittag operiert, wie es hieß. Die Polizei sprach von fünf Festnahmen.

Gewaltausbrüche wie vor einem Jahr blieben aber aus. Die Behörden hatten ein Großaufgebot von Polizisten in das Stadtzentrum geschickt, um Ausschreitungen autonomer Gruppen zu verhindern. Am 5. Mai 2010 waren am Rande einer Demonstration drei Bankangestellte getötet worden, nachdem ein Sprengsatz in ihr Büro geschleudert wurde. Der Generalstreik ist bereits der neunte seit dem Beginn der griechischen Finanzkrise.

IWF und EU prüfen Haushaltslage

Seit Dienstag halten sich Finanzexperten von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen auf, um die Haushaltslage Griechenlands zu prüfen.  Da aber eine Rückkehr zur eigenständigen Finanzierung an den Kapitalmärkten derzeit unmöglich scheint, soll Athen nach Medienberichten ein weiteres Hilfspaket im Umfang von bis zu 60 Milliarden Euro erhalten. Damit soll ein drohender Staatsbankrott abgewendet werden. Folgen wären noch härtere Auflagen als bisher.

Frankreich schließt Umschuldung aus

Für Frankreich sind neue Hilfszusagen für das hochverschuldete Griechenland noch keine beschlossene Sache. "Bisher ist keinerlei Entscheidung gefallen. Die Regierung (in Athen) muss zuerst ihre eigenen Ressourcen mobilisieren", sagte Finanzministerin Christine Lagarde in einem Interview der Tageszeitung "Le Figaro". Vor allem müsse das Privatisierungsprogramm schnell umgesetzt werden.

Die Möglichkeit einer Umschuldung der griechischen Verbindlichkeiten sieht Lagarde weiter nicht. "Wir schließen das absolut aus - in welcher Form auch immer". Außer Frage stehe auch ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone. "Es liegt mir sehr daran, die Investoren zu beruhigen", sagte Lagarde. Sollten weitere Hilfen für Griechenland notwendig sein, sei die EU gerüstet.

Österreichische Tranche im Juni fällig

Die Republik Österreich wird Ende Juni die nächste Tranche ihrer Griechenland-Kredite überweisen - aus heutiger Sicht wird diese 153 Mio. Euro betragen, wie aus dem Finanzministerium zu hören ist. Wien hat bis dato 1,2 Mrd. Euro überwiesen, der gesamte Österreich-Anteil beläuft sich auf 2,3 Mrd. Euro - bisher. Sollte die EU - wie seit Dienstag spekuliert wird - auf das 110-Milliarden-Paket noch einmal 50 bis 60 Mrd. Euro drauflegen müssen, würde dies für Österreich eine "weitere Milliarde" bedeuten, schätzt der Wiener Wirtschaftsprofessor Fritz Breuss im "Kurier".

Finanzministertreffen nächste Woche

Beim Treffen der Finanzminister der Euro-Zone am kommenden Montag (16. 5.) soll die Lage in den Euro-Krisenstaaten umfassend diskutiert werden. Gegen eine Umschuldung Griechenlands sprechen nach Einschätzung Lagardes vor allem die Nebenwirkungen einer solchen Maßnahme. "Die Restrukturierung von Schulden eines Staates würde eine so negative Nachricht an die Märkte senden, dass die gesamte Eurozone darunter leiden würde", sagte die Ministerin. Für alle Eurostaaten würden die Refinanzierungskosten steigen. Zudem müsste die Europäische Zentralbank (EZB) hohe Verluste auf ihre griechischen Anleihen verkraften.

Kapitalmarkt rechnet schon mit Schuldenschnitt

Noch schließen EU-Kommission, EZB und Politiker von EU-Mitgliedsstaaten eine Umschuldung mittels Schuldenschnitt oder großen Fristerstreckungen kategorisch aus. Banken und Kapitalmarkt rechnen aber mit einem solchen Szenario, zeigen die Zinsen auf Griechenland-Bonds: Für die zweijährigen Anleihen wird nach wie vor eine Verzinsung mehr als 25 Prozent verlangt - doppelt so viel wie für irische Anleihen. (APA/red)

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Posting 1 bis 25 von 898
webinformationat
01
29.5.2011, 19:28
Griechenland soll endlich aus dem Euro

Es könnte dann zurück zur Drachme und abwerten. Die Schulden müssten teilweise erlassen werden und mittelfristig ist Griechenland wieder o.k.

Sonst drohen noch mehr Ausverkauf und noch mehr Schulden.

Dasselbe gilt für alle PIIGS und auch Österreich. Zurück zu den Nationalstaaten und eigenen Währungen. Die EU = Europäischer Untergang.

fc_uk
20
12.5.2011, 17:14
yeah gr€€c€ !!!!!

+-+
05
12.5.2011, 14:30
Die Griechen streiken...

weil ihnen das Geld für eine Formel-1 Strecke fehlt!
(Eh nur 100 Millionen Euro)

Finn McCool
33
12.5.2011, 11:12

Griechenland ist das Opfer jahrzehntelanger konservativer Misswirtschaft. Zeit für einen sozialdemokratischen Kurswechsel. Das sollte hoffentlich nun der letzte griechische Wähler begriffen haben, dass Schwarze nicht wirtschaften können.

parmigiano
05
12.5.2011, 12:48

und immer kommen diese dummen argumente ala nur die konservativen bzw nur die sozialisten sind schuld. in GR ist das akute problem nicht das resultat einer einzigen partei/regierung sondern das resultat jahrzehntelanger misswirtschaft und missorganisation. keiner war viel besser als der andere und de facto wurde GR jahrzehntelang von einer handvoll politischen familien regiert.

academius
102
12.5.2011, 02:38

Griechenland ist das Opfer jahrzehntelanger sozialistischer Misswirtschaft. Zeit für einen bürgerlichen Kurswechsel. Das sollte hoffentlich nun der letzte griechische Wähler begriffen haben, dass Sozialisten nicht wirtschaften können.

Finn McCool
01
12.5.2011, 13:43

und immer kommen diese dummen argumente ala nur die konservativen bzw nur die sozialisten sind schuld. in GR ist das akute problem nicht das resultat einer einzigen partei/regierung sondern das resultat jahrzehntelanger misswirtschaft und missorganisation. keiner war viel besser als der andere und de facto wurde GR jahrzehntelang von einer handvoll politischen familien regiert.

Finn McCool
01
12.5.2011, 13:43

und immer kommen diese dummen argumente ala nur die konservativen bzw nur die sozialisten sind schuld. in GR ist das akute problem nicht das resultat einer einzigen partei/regierung sondern das resultat jahrzehntelanger misswirtschaft und missorganisation. keiner war viel besser als der andere und de facto wurde GR jahrzehntelang von einer handvoll politischen familien regiert.

nasserfetzn
03
12.5.2011, 09:47

diagnose: ideologieverblendung

mephisto666
02
12.5.2011, 07:33

Ihnen wird die ewig gleiche leier auch nicht zu langweilig.

fjodorkonti
01
12.5.2011, 01:35
bilder und ein video von der demo in athen

http://t.co/03n7NtB

dasandere
01
12.5.2011, 01:12
Treppenwitz der Geschichte

Wo westliche Zivilisation und abendländische Demokratie einst aus den Fluten stiegen, versinkt diese eben nun langsam im Feuer...

Zardoscht
00
30.5.2011, 14:04

Und aus den Trümmern der alten Welt wird eine neue Welt emporstegen, schöner als es die alte jemals war ... :-)

lessismore
00
12.5.2011, 07:05

Früchte des Zorns.

mephisto666
13
12.5.2011, 00:48

dass unsere regierungsparteien sehr still diesbezüglich sind überrascht mich in keinster weise (das tolle "geschäft" ist halt doch nicht so gut gelaufen...)
ich frag mich nur wo bleiben die grünen? wo ist der protest? wollen die wirklich die leute die von DIESER art EU die nase voll haben kampflos blauorange überlassen?
in der EU wie sie derzeit ist, herrscht lediglich solidarität zwischen banken und den hansln die nach jedem treffen händeschüttelnd in die kamera grinsen, weil welch tollen rettungsplan sie nicht nun schon wieder erfunden hätten (halbarkeit ~3mon.).
wo bleibt der grüne (nicht nur in .at) ruf nach solidarität in der bevölkerung?

Selbständiger
42
12.5.2011, 06:19
wo bleiben die grünen?

Natürlich schweigsam in Deckung oder in Griechenland auf Urlaub.

Es entspricht ja ihrer miesen Gesinnung, ständig Leuten immer mehr und noch mehr Geld wegzunehmen die mühsam dafür gearbeitet haben und es Unfähigen, Verschwendern und Faulen zukommen zu lassen.

Armin Bierbauer
17
12.5.2011, 01:51

Die EU war nie als was anderes gedacht. Und noch nie eine "gute Idee" wie man so oft hört. Demokratie ist denen eben viel zu instabil und zu schwunghaft, drum durften wir VanRumpoy und die Ashton auch nicht wählen. Machtkosolidierung für Ultra-Eliten und Hochfinanz. Ein Instrument von Globalisten und Marktradikalen. Das Blahblah mit dem sie dem Bürger verkauft wurde kann keiner der irgendwie schon mal einen Berufspolitiker gesehen bzw. gehört hat jemals ernst genommen haben.

dako4711
17
12.5.2011, 00:38
niemand hat was gegen zinsen und banken

wenn mir allerdings eine bank einen kredit gibt und im zuge dessen geld einfach aus dem nichts "erfindet", ich aber sehr real zinsen zurückzahlen muss, dann wirds kritisch..
und wenn das um hunderterpotenzen multipliziert auf int. finanzmärkten stattfindet, dann wird's unfinanzierbar, da sind wir jetzt gerade..
wenn in der finanzindustrie hundet mal mehr geld im umlauf ist als die gesamte weltwirtschaftsleistung ausmacht, isses weder marktfeindlich noch kommunistisch da nen kleinen fehler im system zu vermuten..

x
150
12.5.2011, 01:07

eine bank erfindet geld aus dem nichts ?

das klingt ein wenig nach geldschöpfung wie sie in manchen youtube-videos (völlig falsch) erklärt wird.

in der realität kann eine bank kein geld "erfinden" sondern nur das verleihen was sie an einlagen hat.

Armin Bierbauer
04
12.5.2011, 09:44

Natürlich kann eine Bank Geld verleihen welches sie nicht hat, was denken Sie denn? Wieso sollte denn sonst bitte eine Erhöhung der Eigenkapitalquote der Banken ein Thema in Verbindung mit der Finanzkrise sein? Darüber hinaus gibt noch eine Reihe anderer Finanzprodukte die Geld schaffen dass es eigentlich nicht gibt und nur auf einem Schuldversprechen beruht.
Sie halten's wohl christlich - "glauben, nichts wissen"...

x
31
12.5.2011, 10:22

sie werfen hier alle möglichen begriffe durcheinander.
zb eigenkapitalquote: mit leverage zu investieren hat sicher nichts mit 'geld erfinden' zu tun.

aber wenn sie an den unsinn glauben wollen der teilweise im web unter dem titel 'wir erklären wie geld funktioniert' verbreitet wird, dann tuns sie von mir aus.

anton b
08
12.5.2011, 02:12

Was Sie sagen, stimmt nicht. Die Banken verleihen ihre Einlagen nicht. Recherchieren Sie doch noch einmal zum Thema Kreditgeldsystem.

xxx...yyy...
120
12.5.2011, 02:33
sie zeichnen ein sehr

naives und ideologiebelastestes bild der banken. aber gut: im web findet man ja haufenweise irreführendes...

dako4711
03
12.5.2011, 01:47
doch, doch

is natürlich vereinfacht, aber wie auch anders bei 750 zeichen, alleine über die verschiedenen begriffe von "geld" könnten sie 10 postings schreiben, aber im endeffekt läufts auf das hinaus, banken erfinden ein geldwertes zahlungsmittel..

und warum verschwindet hier jedes 2te posting das als antwort gedacht ist? machts wirklich mühsam..

dasandere
09
12.5.2011, 01:31
erst nachlesen:

Fiatgeld, dann Teilreservesystem.

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Posting 1 bis 25 von 898

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