"Dem Herrn Fischl eins auszuwischen, ist immer wieder eine Freude"

11. Mai 2011, 10:28
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Ab Donnerstag wird in Österreichs Basketball-Bundesliga zwischen Gmunden und Oberwart finalisiert. Harald Stelzer, Manager der Ober­österreicher, im derStandard.at-Interview über Nachwuchs-Probleme im heimischen Basketball und Finanzkapriolen

Wien – Am Donnerstag hebt das Finale der österreichischen Basketball-Bundesliga an, die seit Jahren dominierenden Swans aus Gmunden treffen auf die Gunners aus Oberwart. Einen nicht unerheblichen Anteil am Organisieren des sportlichen Erfolges der Oberösterreicher hat deren sportlicher Leiter Harald Stelzer. Er ist quasi das Rückgrat des Teams, der fünfte Meistertitel wäre seine Belohnung für viele Jahre Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit. Im Interview spricht er über pittoreske Szenen am Traunsee, Probleme im Basketball-Nachwuchs und finanzielle Vabanque-Spiele.

derStandard.at: Vier Meistertitel seit 2005, dazu zwei Cupsiege und vier Triumphe im Supercup – Gmunden ist seit Jahren das dominante Team im österreichischen Basketball. Wird es nicht langsam langweilig?

Harald Stelzer: Nein. Weil Titel nie langweilig werden. Alles andere halte ich für ein Gerücht.

derStandard.at: Im Halbfinale wurde Erzrivale Fürstenfeld gerade noch gebogen. Ein Favorit tritt anders auf, oder?

Stelzer: Fürstenfeld hat im Laufe der Meisterschaft den Kader massiv nachgerüstet, sie waren der Favorit. Die Steirer hatten mit Sicherheit mehr Offensivpotenzial als wir, dieses Potenzial hat aber im fünften Spiel für 51 Punkte gereicht. Was willst du mehr? Wir haben die Aufgabe mit Bravour bewältigt. Und dem Herrn Fischl eins auszuwischen, das ist immer wieder eine Freude. (Harald Fischl, Ex-GAK-Präsident und BZÖ-Politiker, mittlerweile Präsident des BSC Fürstenfeld sowie Eigentümer der Wienerwald-Restaurantkette, Anm.)

derStandard.at: Kann man in Gmunden gute Spieler mit Erfolgen ködern oder reicht nicht auch einfach die traumhaftschöne Kulisse des Traunsees als Argument?

Stelzer: Die Kulisse reicht sicher nicht. Die Lebensqualität hier ist sehr gut, als gebürtiger Gmundner weiß ich das mit zunehmendem Lebensalter immer mehr zu schätzen. Wir sind eine Touristikregion im Dornröschenschlaf, leben vom Tagestourismus. Die Perspektiven junger Leute sind eher nicht am Traunsee angesiedelt.

derStandard.at: Sie sind der Hansdampf in allen Gassen im Gmundner Basketball, kümmern sich auch um die Finanzen des Vereins. Könnte Basketball in Gmunden ohne Sie existieren?

Stelzer: Wir haben 114 ehrenamtliche Mitarbeiter in unserem Verein. Ich bin der sportliche Leiter, das Sprachrohr für die Presse und genauso gut oder schlecht wie jeder von meinen Mitarbeitern. Bei mir kommt halt als Leithammel nach 25 Jahren schon ein gewisse Routine dazu. Für die Organisation unseres ersten Ligafinales habe ich eine Woche gebraucht, das fünfte Duell mit Endspielcharakter gegen Fürstenfeld haben wir für 2000 Leute in zwei Tagen auf die Beine gestellt. Wir sind mittlerweile eine ganz gute Produktionsfirma.

derStandard.at: 2002 war die Produktionsfirma Gmunden fast bankrott. Nach den Erfolgen in den letzten Jahren müsste der Verein eigentlich im Geld schwimmen.

Stelzer: Natürlich schwimmen wir nicht im Geld. Es ist jedes Jahr ein finanzielles Vabanque-Spiel. 2002 war die Möbel-Firma Steiner unser Hauptsponsor, die den drittgrößten Konkurs Österreichs in der Nachkriegszeit verursachte. (Die biedere Familie Steiner aus dem Salzkammergut: vier Milliarden Schilling Schulden, dubiose Finanztransaktionen, mysteriöse Großbrände, der Juniorchef in U-Haft und seine Eltern nach Haftbefehlen auf der Flucht , Anm.) Gottseidank hat uns das damals erst im Frühjahr getroffen. Wenn das zum Saisonstart im Herbst passiert wäre, hätte es uns sicher nicht mehr gegeben. Unsere Kleinsponsoren haben uns die Treue gehalten. Unser Sponsorvolumen ist jetzt aber in der Region sicher ausgereizt. Wir sind im Ranking hinter Fußball und Eishockey klar die Nummer drei in Oberösterreich.

derStandard.at: Müssten die Erfolge nicht mehr Förderungen vom Land nach sich ziehen?

Stelzer: Da schaut es in Oberösterreich düster aus. Für einen Cup-Sieg haben wir 7000 Euro bekommen. Das steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. In Niederösterreich bekommt man für einen Nachwuchstitel mehr Geld. Bei uns hört man nicht einmal ein Dankeschön.

derStandard.at: Wie sieht es mit einer Meisterprämie für den Bundesligatitel aus?

Stelzer: Eine Summe ist nicht festgeschrieben, aber wir bekommen eine Unterstützung für den Nachwuchs. Letztes Jahr waren das 10.000 Euro. Aber ich sage ihnen: es war schon schlimmer.

derStandard.at: "Altstar" Deteri Mayes sagt über das Finale: "Das ist quasi unser zweites Zuhause." Wäre das Team ohne den Showman und Routinier, der im August 37 Jahre alt wird, vorstellbar für die nächste Saison?

Stelzer: Das ist sicher vorstellbar, denn irgendwann muss auch Mayes in Pension gehen. Wobei er noch immer sehr wertvoll für die Mannschaft ist, selbst wenn er von der Bank kommt. Wie es weitergeht, wird man nach dem Finale besprechen.

derStandard.at: Gmunden lebt seit mehr als zehn Jahren von einem starken Nachwuchs-Jahrgang (1980 bis 1982). Was passiert wenn Spieler wie Hütter, Mayer oder Schöninger aufhören? Fällt die Mannschaft auseinander?

Stelzer: Wir haben jetzt eine sehr starke U14-Mannschaft, die ähnlich dominant ist wie seinerzeit die Anfang-80er Generation, die sämtliche Staatsmeistertitel im Nachwuchs gewonnen hat. Auf die neue Generation müssen wir warten, mit Enis Murati und Jozo Rados haben wir aber jetzt schon sehr gute junge Spieler in die Bundesliga-Mannschaft eingebaut. Florian Schöninger oder Matthias Mayer gehen auf die 30 zu, können also noch ein paar Jahre spielen.

derStandard.at: Fakt ist, aus dem eigenen Nachwuchs steigt kaum jemand auf in die Bundesligamannschaft. Haben die vergangenen Meisterjahre Negativentwicklungen kaschiert?

Stelzer: Bei den momentanen Konstellationen im österreichischen Basketball ist es sehr schwierig, aus dem Nachwuchs direkt Nachschub für die Bundesliga zu liefern. Der Sprung vom Jugendbasketball in eine Profiliga ist ein sehr großer. Es fehlt der Mittelbau. Die B-Liga ist momentan eine bessere Landesliga und weit weg von jeder Professionalität. Reich wird man mit Basketball auch nicht. Es ist die alte Leier: Einem Kicker, der gerade laufen kann, wird das Geld nachgeworfen. Basketball ist außerdem ein Sport der Akademiker. Wir haben im Nahbereich von Gmunden nur die Universitäten in Salzburg und Linz, wo man populäre Fächer wie Medizin oder Architektur nicht studieren kann. Deswegen verlassen uns immer wieder Spieler, die sich durch eine Ausbildung ein zweites Standbein aufbauen wollen. Wir nehmen das natürlich niemandem übel. (Florian Vetter, derStandard.at)

Zur Person:

Harald Stelzer ist sportlicher Leiter der Gmunden Swans und seit 25 Jahren im Verein tätig. Hauptberuflich ist er am AMS Gmunden tätig.

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ÖBL

  • Gmundens Basketball-Urgestein und sportlicher Leiter Harald Stelzer kämpft für Titel, aber auch für mehr Anerkennung.
    foto: klemens fellner

    Gmundens Basketball-Urgestein und sportlicher Leiter Harald Stelzer kämpft für Titel, aber auch für mehr Anerkennung.

  • Enis Murati ist ein fleischgewordener Baustein der Zukunft für Gmundens Profibasketball.
    foto: klemens fellner

    Enis Murati ist ein fleischgewordener Baustein der Zukunft für Gmundens Profibasketball.

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