Das schwarze Antlitz Perus

10. Mai 2011, 18:53
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Der peruanische Weltmusikstar Susana Baca gastierte in der Wiener Sargfabrik

"Ich fragte mich: Was will ein berühmter Mann wie er von mir? Üblicherweise suchen berühmte Menschen ja vor allem den Kontakt anderer Berühmtheiten!"

Dass eines Tages ein gewisser David Byrne, von dem Susana Baca gerade noch wusste, dass er irgendwann einer Popband namens Talking Heads vorgestanden hatte, bestrebt sein würde, zu ihr Kontakt zu knüpfen, das hätte sie sich zuvor nicht träumen lassen. Doch der schottischstämmige Sänger war eines Tages tatsächlich auf die peruanische Kollegin aufmerksam geworden und wollte sie für sein Luaka Bop-Label gewinnen. Mit Folgen: Das 1995 veröffentlichte Album The Soul of Black Peru, besonders der Hit Mario Lando, bedeuteten den Durchbruch für eine Sangeskarriere, die schon lange abseits internationaler Medienaufmerksamkeit eine konkrete Mission verfolgte.

Susana Baca, 1944 in der Fischerstadt Chorillos bei Lima geboren, war früh auf das zwischen den Kulturen der Indio-Nachfahren und der ehemaligen spanischen Kolonialherren marginalisierte afroperuanische Erbe aufmerksam geworden, die Musik der Nachfahren der ins einstige Inka-Reich verschleppten Sklaven, die heute rund fünf Prozent der Bevölkerung Perus stellen. Ähnlich einem Juan Carlos Cáceres, dem argentinischen Pianisten und Sänger, der nach den afrikanischen Wurzeln des Tango forscht, nahm sich Susana Baca dieser Tradition an.

1992 gründete sie mit ihrem Mann, dem bolivianischen Musikwissenschaftler Ricardo Pereira, in Chorillos das Instituto Negro Continuo, das die Erforschung und Förderung afroperuanischer Kultur zum Ziel hat. Vor allem aber der nicht-musealen Vermittlung traditioneller Lieder und Rhythmen gilt Bacas Ohrenmerk. Diese ergänzt die 67-Jährige um eigene Vertonungen von Texten César Vallejos und Pablo Nerudas. In der Wahl ihrer Sidemen beweist sie große Offenheit, wie die World-Music-Community im Zuge ihres Albums Espiritu Vivo (2002) bemerkte, für das sie Gitarrist Marc Ribot und Keyboarder John Medeski mit an Bord holte. Das aktuelle, nun live in Wien präsentierte Album Afrodiaspora erweitert das Blickfeld und zeigt Verbindungen zu afrikanischen Traditionen zwischen Kuba und Argentinien auf. (felb/DER STANDARD, Printausgabe, 11. 5. 2011)


12. 5. Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, (01) 988 98-111, 20.00

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    foto: sargfabrik
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