Was Strache nicht tun muss

Die Lustlosigkeit der Regierung ist die beste Werbung für den FPÖ-Chef

Eigentlich bräuchte Heinz-Christian Strache gar nichts tun. Nur warten. Die Regierung arbeitet ihm in die Arme. In den Umfragen etablieren sich die Freiheitlichen auf dem zweiten Platz, in manchen Ausschlägen der veröffentlichten Meinung liegen sie sogar an erster Stelle.

Die Begeisterungslosigkeit, mit der Werner Faymann sein Amt als Bundeskanzler darstellt, macht es einem Populisten wie Strache leicht. Auch die Themen liegen dem FPÖ-Chef. Die Öffnung des Arbeitsmarkts etwa. Da malt Strache das Gespenst der Massenzuwanderung an die Wand, in deren Windschatten auch die "Ostbanden" ins Land einfallen würden. Die Regierung hält es nicht für notwendig, dem argumentativ etwas entgegenzusetzen: Offenbar ist sie zu wenig mutig oder zu wenig engagiert, um immer wieder die inhaltliche Auseinandersetzung mit der FPÖ und ihren Angstparolen zu führen.

Und Strache erntet die Früchte dieser Saat. 2013, nach der nächsten Wahl, wird er ein Faktor sein, vor dem man sich ernsthaft wird fürchten müssen. Er braucht nur nichts falsch machen - in aller Öffentlichkeit bei seinen rechtsextremen Gesinnungsfreunden anstreifen, als Beispiel. Das tut er zurzeit nicht, so klug ist er. Den Rest erledigen andere brav für ihn.

Der Ministerrat am Dienstag war ein gutes Beispiel dafür. Es war der hundertste der Regierung unter Kanzler Faymann. Glanz und Glorie dieser Koalition bildeten sich trefflich in den dargebotenen Brötchen ab, in die rot-weiß-rote Fähnchen gesteckt waren: Feierstunde!

Inhalt und Beschlüsse gab es zum Hunderter keine, ein metaphorischer Akt, von der Inszenierung her nicht durchdacht. Werner Faymann und der neue Kompagnon an seiner rechten Seite, Michael Spindelegger, lobten sich selbst ausführlich und ohne falsche Scham. Die auf der Stelle hereinbrechende Frage der Glaubwürdigkeit lächelten sie tapfer weg.

An die Berichterstatter wurden Listen ausgegeben, in denen numerisch die Leistung bilanziert wurde: 216 Regierungsvorlagen bisher, 647 Berichte und 1730 Ministerratsvorträge. Das ist zumindest ein Beleg dafür, dass sich die Regierung selbst eifrig verwaltet. Und weil nicht gewichtet, sondern gelistet wurde und das ordentlich nach dem Alphabet, reiht sich in der rot-schwarzen Leistungsschau der "Einsatz für die Religionsfreiheit" an die "elektronische Fußfessel". Auch an Marketing und Verkauf könnte diese Regierung noch Feinschliff anlegen. Dazu passt gut, dass zumindest die rote Pressearbeit von völligem Unverständnis für jeden Anflug medialer Kritik getragen wird.

Aus Faymann spricht die Entrüstung über den Liebesentzug der Öffentlichkeit: Es sei doch nicht alles so schlecht, wie es wahrgenommen würde. Der Kanzler führt als Beleg die ruhige Hand an, mit der das Land in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelenkt worden sei. Freilich ist nicht alles schlecht, und vieles ist gut: Die Wirtschaftskrise wurde besser gemeistert als anderswo, das muss man der Regierung zugestehen. Aber nur wer die Anspruchslosigkeit zur Maxime erhebt, wird über die ruhige Hand in Jubel ausbrechen.

Letztendlich trägt auch diese Lustlosigkeit, mit der im Kanzleramt der politische Strich geführt wird, maßgeblich dazu bei, dass einer wie Strache, der Stumpfsinn und Stupidität als Programm ausgibt, von immer mehr Menschen als spannend und interessant empfunden wird. (Michael Völker, STANDARD-Printausgabe, 11.5.2011)

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wer fürchtet sich vorm blaunen mann?

mir graust höchstens davor.

"Die Wirtschaftskrise wurde besser gemeistert als anderswo, das muss man der Regierung zugestehen".

So ein ausgemachter Nonsens!!!

Wie wurde sie denn gemeistert? Verdienst der Arschbreitsitzer im Parlament? Der staatsnahen Manager? Der Banker? Der Lobbyisten?

Die Wirtschaftstreibendenpartei ÖVP ließ den Steuerzahler zusätzlich noch ordentlich für missverwaltete Banken und ihre gierigen "Manager" zahlen. Der Mittelstand bricht weg, die ÖVP hat Figuren wie Grasser und Strasser in ihren Reihen und lässt die Unternehmen munter die Arbeitnehmer ausbeuten und ausnehmen wie Weihnachtsgänse.

Zur SPÖ und ihrem Grinse-Nichtkanzler fällt mir gleich gar nichts mehr ein.

Verarsche³

"Eigentlich bräuchte Heinz-Christian Strache gar nichts tun. Nur warten. Die Regierung arbeitet ihm in die Arme".

Diese Erkenntnis der Standard-Kommentarschreibers ist - mit Verlaub gesagt - etliche Monate bzw. Jahre alt. Dumm nur, daß die in den "Großparteien" mit all ihren Beratern, Spin-Doktoren und weiß der Teufel was, zu deppert sind, um sich das einzugestehen.

Stattdessen werden Studenten Anfang 20 und ohne Berufserfahrung zu Staatssekretären à 15.000 Monatssalär ausgeschnapst.

Kommt da noch wer mit, will diese Figuren noch jemand wählen?

Dieses ständige "fürchtet euch ja vor Strache" hat aber im Umkehrschluss das zu Folge:

"Wählt immer SPÖ & ÖVP".......und das, ist für mich die wahrlich fürchterlichste Vorstellung überhaupt (GroKo bis ans Ende aller Tage, ein Schreckensszenario, das seinesgleichen sucht).

Waehlen Sie Gruen.

die SPÖVP hat die hoffnung aufgegeben, wieder den kanzler stellen zu können und wetteifert um die gnade straches, mitregieren zu dürfen. das hat die gemeinsame falle "164 ortstafeln für die kärntner slowenen" mit aller deutlichkeit klargemacht. SPÖVP sind bereit, jeden verfassungsbruch der FPÖ mizumachen, wenn sie dafür teile ihrer ihrer privilegien behalten dürfen.

höchste gefahr für österreichs neutralität. höchste gefahr, dass österreich ein NATO-land wird und mit in den raubkrieg zwischen mittelmeer und indien zieht.

massives sponsoring und lobbying der finanzindustrie führt zur hegemonie der rechtsextremen in den USA, EU und israel und zur anpassung liberalerer kräfte.

gewaltloser widerstand -

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN.

Ich glaub die Leute sind einfach zu deppad ;) von wegen Protestwählen & Politikverdrossenheit.. Strache sagt das was die Leute hören wollen und das nichtmal sonderlich schlecht eingefädelt.

Da malt Strache das Gespenst der Massenzuwanderung an die Wand, in deren Windschatten auch die "Ostbanden" ins Land einfallen würden. Die Regierung hält es nicht für notwendig, dem argumentativ etwas entgegenzusetzen:

wenn jemand behauptet, bei ihm ginge die sonne im westen auf: was wollen sie denn da argumentativ entgegensetzen? man dreht sich um und lässt den narren stehen, oder?

der rest des artikels ist leider ein armutszeugnis für große teile der ö-bevölkerung:
sie laufen jemandem nach, der nichts macht...
sie würden ja die leistungen der regierung honorieren, wenn diese, einem prater-ausrufer gleich, eine mega-selbstlob-kampagne starten würde...

die ö-bürger haben die wahl: entweder sie erweisen sich als mündige bürger, die nicht ihre zeit und ihr geld mit solchen spinnereien verschwenden. oder sie erweisen sich als potentielle entmündigungsfälle, die eines (nicht fernen) tages von sachwalter strache ein taschengeld + ausgangssperre erhalten.

Welche Art von Lust, bitte, wird uns Strache bringen?

Wo sind die Worm-Nachfolger geblieben?

Anscheinend ist Herr Brandstätter einer der letzten aufrichtigen Journalisten, der sich noch nicht von Faymann kaufen ließ! Bravo!

http://kurier.at/interakti... 099880.php

Wo sind die guten journalistischen Zeiten geblieben? Als ich studierte, 1984-1989, pilgerte ich jeden Sonntag abend zum Schwedenplatz und kaufte das Profil. Die Exemplare gingen weg, wie warme Semmeln.
Und heute? Weit und breit keine Worm-Nachfolger zu sehen.
Eines muß man Faymann lassen, er versteht es, die Ö Medienwelt mit Inseraten, Beilagen, Presseförderungen etc. geschickt zu vereinnahmen und "abhängig" zu machen. Das ist sein Verständnis von Politik? Und weil er dafür natürlich immer mehr Geld braucht, kommt er wieder mit neuen Steuern

....einer der Stumpfsinn und Stupidität als Programm ausgibt.

Lieber Herr Völker, auch Sie unterscheiden sich nicht wesentlich von der Regierung! Indem Sie Strache Sumpfsinn und Stupidität vorwerfen, helfen Sie letztlich nur ihm. Dieser Entwicklung muss man sich inhaltlich (!!) mit Wehemenz entgegensetzen! Dies gilt nicht nur für die Regierung, sondern auch für so manche Journalisten, die von Tag zu Tag wie ein Fähnlein in Wind stehen.

Stumpfsinn und Stupidität

viel unterschied zum regierungsprogramm besteht ja diesbezüglich leider nicht mehr.

zitat (über strache):

"... vor dem man sich ernsthaft wird fürchten müssen. ..."
.
also bitte, wer fürchtet sich vor strache?
.
angst war und ist niemals eine politische kategorie
.

Ja, nur ... gerade wenn ein eher bildungsferner, unintelligenter, dafür sehr stark autoritär und nicht stringent rechtsstaatlich denkender Politiker Entscheidungen trifft, sind diese definitiv politisch. Vor einem gescheiterten Zahntechniker mit Hang zu Prolodiscos braucht sich keiner fürchten; aber vor seinen Fans teilweise durchaus schon eher.

ich will diese politiker nicht in schutz nehmen, im gegenteil

aber ich fürchte, dass die realität so aussieht: sobald man in der politik hinter die kulissen der sachzwänge blickt und erkennt, dass unser gesamtes system zum scheitern verurteilt ist, und alles, was man jetzt noch tun kann, zeit gewinnen (oder besser erkaufen, siehe griechenland) ist, befällt einen die große lähmung und aussitzstarre. denn die einzige chance wäre: der totale neuanfang nach dem großen, bösen big bang, der keinen stein auf dem anderen läßt. aber für solche szenarien ist die menschliche psyche nicht geschaffen, also wird sehenden auges und mit sonntagsreden auf den lippen gegen die wand gefahren - in jedem bereich.

und diese erkenntnis wird auch kanzler strache 2013 wie ein blitz treffen.

Selffulfilling prophysie

Schreibts ihn nur hierbei - aber wunderts euch dann nachher nicht.

wenns nur Lustlosigkeit wäre...

SPÖVP ist sehr wohl aktiv, wenn es darum geht, sich und die seinen zu versorgen, und Steuergeld zu verprassen.

ja, das ist es wohl eher. das tun die blauen zwar auch, haben aber doch oppositions-bonus...
die beanstandung von fehlender begeisterung finde ich gelinde gesprochen goofy-doof, sollen alle noch mehr auf waschmittelwerbung und verkaufs-verblödungs-schlager eingeschossen werden und noch mehr darauf getrimmt werden, eine begeisterte verpackung zu kaufen und noch weniger auf den inhalt zu schauen?

V.a. der EU...

...wird HC viel zu verdanken haben... ist somit weniger ein "Verdienst" der ö PolitikerInnen... die sind dort sowieso nur ein Gärgas im Wald...

Ob Rot-Schwarz, Rot-Blau, Schwarz-Blau oder was auch immer ist imho scheixxegal, in jeder Koalition wird jedes Clour seine Interessen vertreten um keine Stimmen zu verlieren.
Ob Österreich Strache als RegierungsProtestPartei braucht bezweifle ich, denn uns geht es nicht schlecht und auf Ausländer schimpfen und ausgrenzen kann jeder.
Sonst hat diese Partei inhaltlich nichts zu bieten.

ausgangslage: völlig unbeliebte, unfähige, zombieartige regierung.
die große frage ist nicht, warum die fpö gewinnt, sondern warum die andere oppositionspartei nicht genauso gewinnt oder noch mehr, weil dort ja immerhin inhalte und denken auszumachen sind. eine mögliche antwort ist, dass die leute eben dumm sind. eine andere: es ist nicht so, dass strache nur schweigen braucht und gegen das regierungsgeplapper nur gewinnen kann. denn die geballte medienmacht (das gesamte boulevard inkl. gratiszeitung) schreibt jeden tag für ihn, dröhnt uns die ohren zu darüber wie arm wir sind und wie wir uns nicht leid tun müssen, weil uns die oben (regierung, eu usw.) auf den kopf schei*en und die unten (die arbeitslosen, die ausländer usw.) ausrauben.

Herr Völker, Angst ist ein schlechter Ratgeber!

Herr Völker, haben sie Angst vor einem alternden Discotänzer, oder was? Ich habe keine Angst, im Gegenteil für mich ist dieser lächerliche Typ ein, von Kickl, Graf und Konsorten aufgeblasener Luftballon, der hoffentlich bald platzt. Was mir Sorgen macht, ist die beispiellose Packelei eines Faymann mit Strache, natürlich hinter den Kulissen, versteht sich. Faymann braucht die Stimmen der Blauen für die Wrabetz Wahl, im Gegenzug behandelt der ORF, Krone und heute Strache schon verdächtig gut. Der Einzige der sich im ORF Strache stellte, wurde in die Türkei strafversetzt. Wahrscheinlich war das der Deal. Und nicht zu vergessen die milliardenteure Packelei der beiden Blindgänger, die sie als Wahlgeschenke verteilten. Angst ist ein schlechter R

Es beginnt so gut.....

...ab dem ORF wirds dann sinnlos.Und als Schlagobers kommt dann noch die Packelei.
Fazit: Strache-- Werbung durch die Hintertüre.

Strache bestimmt ja jetzt schon,...

...was Wirtschaftsminister und Sozialminister zu tun haben.

Seit seiner 'Italienischen Reise' (trotz Trauertag) ist er auch endgültig zum wahren und realen Außenminister aufgestiegen.

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