"Umerziehung" als Maßnahme gegen Geschlechtsverkehr

10. Mai 2011 18:17
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    Foto: internet baidu

    "Zu festgelegter Zeit, an einem festgelegten Ort vor festgelegtem Publikum": Künstler Cheng Li auf dem Dach der Kunsthalle in Peking in Aktion. 

Wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" und angeblicher Pornografie soll der chinesische Aktionskünstler Cheng Li ins Arbeitslager

Ein Happening zum Thema Sex, Kommerz und Politik, bei dem der Aktionskünstler Cheng Li auf dem Dach der Pekinger Modern-Art-Galerie mit seiner Partnerin einen Geschlechtsakt simulierte, hat für ihn ein böses Nachspiel gefunden. Die Polizei ließ den 51-Jährigen wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" und "öffentlicher Vorführung von Pornografie" nach Polizeirecht für ein Jahr in ein Arbeitslager einweisen.

Chinas Behörden können ohne Einschaltung von Richtern nach eigenem Gutdünken sogenannte Störenfriede bis zu drei Jahre in Umerziehungsanstalten wegsperren lassen. Die meisten Betroffenen der Administrativhaft sind Diebe, Kleinkriminelle oder Prostituierte, aber auch Bittsteller, Anhänger der Falun-Gong-Sekte, Gläubige von Untergrundkirchen oder Dissidenten. Chinesische Justizreformer fordern seit Jahren ein Ende dieser seit 1957 in China praktizierten polizeilichen Willkürhaft, die dem chinesischen Verfassungsrecht widerspricht. Sie ist auch ungelöster Streitpunkt in den Rechtsstaatdialogen Chinas mit Europa oder den USA.

Mehr als einen Monat, nachdem der Konzeptkünstler Ai Weiwei unter dubiosen Umständen polizeilich verschleppt wurde, ohne bisher seiner Familie mitzuteilen, wo er festgehalten und wegen welcher "Wirtschaftsverbrechen" gegen ihn ermittelt wird, statuieren Chinas Behörden ein weiteres Exempel. Es ist, so befürchten viele Blogger, so wie auch im Fall von Ai Weiwei zur Abschreckung gedacht und Zeichen für das harte Durchgreifen der Behörden.

Aktionskünstler Cheng Li hatte am Nachmittag des 20. März mit einer Partnerin - beide waren nackt - auf dem Dach der Songzhuang-Kunsthalle für Modern Art, Moca Beijing, einen Geschlechtsverkehr imitiert. Cheng Li wollte mit seinem Protestakt unter dem Titel "Die Prostitution der Kunst" ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung chinesischer Gegenwartskunst setzen, bei der sich alles nur noch ums Verkaufen dreht.

Zu seinem vorab angekündigten Happening waren 200 Besucher, darunter vorwiegend Künstler, Galeristen oder Kritiker eingeladen worden. Fotos und Beschreibungen gelangten ins Internet. Dort wurde die Aktion von Bloggern süffisant in "Gao Gan" umbenannt und damit politisiert. Das anzügliche Wortspiel bedeutet im Slangvokabular "es hoch oben machen". Gao Gan ist allerdings auch eine gebräuchliche Abkürzung für "hochrangige KP-Funktionäre."

Anders als im Fall Ai Weiwei, wo chinesische Medien so zensiert sind, dass sie nicht einmal fragen dürfen, wo der Künstler seit 35 Tagen abgeblieben ist, griffen gleich mehrere Tageszeitungen am Montag Cheng Lis Verurteilung kritisch auf. Die Beijing News oder Kantons Southern Metropolitan berichteten, dass der von der Familie eingeschaltete Anwalt Wang Zhenyu verwaltungssrechtlich gegen das harsche Urteil Protest einlegen wolle. Es sei unbegründet, weil der Künstler weder "auf einem öffentlichen Platz" auftrat noch zum "öffentlichen Ärgernis" wurde.

Bitte um Stellungnahmen

Er führte sein Happening "zu einer festgelegten Zeit, an einem festgelegten Ort vor einem festgelegten Publikum" auf. Der Anwalt will nun bekannte Künstler und Juristen um Stellungnahmen bitten, wo die Unterschiede zwischen Kunst und öffentlicher Unzucht liegen. Cheng Li lebt seit 1998 im Pekinger Künstlerdorf Song Zhuang. In der Szene sei er als Aktionskünstler anerkannt, schrieb die Webseite "Chinas Moderne Kunstdokumente".

Für Cheng Li verwandte sich in der Beijing News auch der renommierte Jurist He Bing von der Pekinger Zhengfa-Hochschule für Politik und Recht. Das Urteil sei unverhältnismäßig. Nach Polizeirecht werde unzüchtiges öffentliches Verhalten mit fünf bis zehn Tagen Ordnungshaft und in schweren Fällen mit zehn bis 15 Tagen bestraft. Der Rechtsexperte Wang Dawei von der Gongan-Polizeihochschule nannte den Vorfall hingegen schwerwiegend. Durch die Verbreitung der Fotos im Internet sei er zum öffentlichen Ärgernis geworden. Cheng Li hätte die "rote Linie" überschritten.

Polizeistrafen gegen Happeningkünstler wegen Störung der öffentlichen Ordnung oder Unzucht fielen bislang glimpflich aus. So wurde 1989 die Künstlerin Xiao Lu für einen spektakulären Pistolenschuss auf eines ihrer Objekte mit ihrem Partner zu jeweils fünf Tagen Haft verurteilt. Auf politisch motivierte Happenings reagiert Peking aber mit Härte. (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 11. 5. 2011)

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Fred Wirtschaftsflüchtling
11.05.2011 17:37
Für die Kunst nimmt man 1 Jahr Arbeitslager schon in Kauf!

Und das Einbuchten ohne Gerichtsverfarhen würde auch unsere Gerichte entlasten. Warum nicht?

Para Dox
11.05.2011 20:40

Es ist wohl sinnlos einem Pisa-Versager das Wesen einer Demokratie und der Menschenrechte zu erklären.

Briefmarkenkleber
11.05.2011 19:22

Wir müssen nur wollen!

Cle Mens
14.05.2011 15:19
Aber e

pwg
11.05.2011 17:07
Zum einen...

ist es immer eine Frage des Kontextes, ob eine Aktion um der Aktion willen gerechtfertigt ist. Und während es in einem einigermaßen freien Land wie dem unseren sinnlos und schwachsinnig sein mag, so eine Aktion durchzuführen, ist es in einem Land, wie China vielleicht ein Ausdrucksmittel von Protest gegen wen oder was auch immer.

Allein das eine Jahr Arbeitslager legitimiert die Aktion als solche.

Ansonsten ist es ein Zeugnis großer Feigheit und panischer Angst, so auf derartige Provokationen zu reagieren.

Wie schon einmal angemerkt, solche Systeme sollten keine Berechtigung haben. Schon gar keine Berechtigung, über Menschen und Moral zu urteilen.

Briefmarkenkleber
11.05.2011 19:21

dä?

purecynicism
11.05.2011 17:04

auf an dachl pudan is also kunst?

yarry
11.05.2011 17:03
ehm..

ich nenne es mal vorsichtshalber "moderne Kunst".

Personifizierte Unscheinbarkeit
11.05.2011 16:57
why don't we do it on the roof ?

Pullutbay
11.05.2011 16:35
und seine Partnerin?

Warum muss eigendlich seine Frau, die Aktionskuenstlering, nicht auch ins Kittchen? Von der ist ueberhaupt keine Rede.

Observateur
11.05.2011 16:14
naja, ein jahr ist vielleicht etwas übertrieben, aber die 15 Tage, die für öffentliches unühtiges Verhalten vorgesehen sind, sind durchaus angemessen.

Wie sagte schon Freud: der Verlust des Schamgefühls ist das erste Symptom des Schwachsinns.

Roter Meerrettich
11.05.2011 16:08
und ...

... die Schuhe haben sie nicht ausziehen können?
Vermutlich festgeklebt.

Roter Meerrettich
11.05.2011 16:06
Wahrlich...

... ein großer Künstler.

corvus parvus
11.05.2011 16:01
kunst oder nicht -

sex in schuhen und socken ist echt abtörnend.

Briefmarkenkleber
11.05.2011 16:01

"Wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" und angeblicher Pornografie soll der chinesische Aktionskünstler Cheng Li ins Arbeitslager"

Also ich weiß nicht. Ich würde die Pornografie viel eher als erwiesen ansehehn, die Störung liegt hingegen im Auge des Betrachters...

Briefmarkenkleber
11.05.2011 15:59

Richtiger Spaß, falsches Land.

Edi Rudlinger
11.05.2011 15:54
uhhh, der steckt tief in der sche.sse jetzt

und am dach auch

Jojo07
11.05.2011 15:41
Dass Cheng Li mit dieser lächerlichen Aktion zu Arbeitslager verurteilt wird, ist vollkommen inakzeptabel!

Dass aber dieser Schwachs*nn sich als Kunst bezeichnen darf, zeigt, in welch desaströsem Zustand das Kunstschaffen, das Kunstverständnis sich befindet! Billigste Provokation, billigste Pornographie genügt - wenn, ja wenn man ein pseudointellektuelles Mascherl, irgendeine Ideologie, irgendeine dämliche Floskel drumherum schnürt!

Nein, ich bin für alles andere als das "gesunde Volksempfinden" - aber Aktionen wie diese zur Kunst erklären? Trauer muss die Kunst tragen!

Und nochmals: Trotzdem ist das kein Grund, dass sich der Staat da einmischt!

danielle durands schatten
11.05.2011 16:31
stimmt

genau wegen solch hohler provokation-um-der-provokation-willen-aktionen, die einem als kunst aufgetischt werden, ist es kein wunder wenn die moderne aktionskunst von vielen nicht mehr ernstgenommen wird.

solche billigen und populistischen aktionen führen doch gerade dazu, daß viele (und oft gar nicht dumme) zeitgenossen abwinken, wenn sie "moderne kunst" oder "regietheater" schon hören.

Jim_from_Accounting
11.05.2011 15:32

Aus Solidarität werde auch ich heute mit meiner Partnerin einen Geschlechtsakt simulieren.

Fillet of Soul
11.05.2011 17:38

ihre partnerin meint übrigens, dass sie viel zu oft nur simulieren

Noch mehr Freude am Basteln!
11.05.2011 15:24

Es wurde nur der Künstler eingesperrt? Seine Partnerin ist keine Künstlerin? Sie wurde nicht eingesperrt? Sind die Zuseher nicht Mittäter? Wie imitiert man einen Geschlechtsverkehr? Sehr imitiert sieht das aber für mich nicht aus. Ist jeder Mensch, der öffentlich kopuliert, ein Künstler? Was würde in Österreich geschehen? Was ist daran eigentlich so gefährlich für den Staat?

Cle Mens
14.05.2011 14:42
Im Fragealter?

danny wild
11.05.2011 15:23

Was sagt dazu der chinesische Sexminister Futseng?

Dr.Zdenko Verdenik
11.05.2011 21:33

Das war einmal,
der aktuelle heisst "Schwingdeinding"!

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