Uno

750.000 Menschen auf der Flucht

10. Mai 2011, 18:12

Dramatischer Hilfsappell an EU und Nato - Erneut Luftangriffe auf Gaddafi-Hauptquartier

Genf/Tripolis - Seit Beginn der Kämpfe in Libyen haben nach Erkenntnissen der Uno bereits 746.000 Menschen das Land verlassen, etwa 5000 sitzen an den Grenzübergängen nach Ägypten, Tunesien und Niger fest, und 58.000 sind im Osten Libyens auf der Flucht. Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos forderte in einer Botschaft an den UN-Sicherheitsrat eine Feuerpause, um humanitäre Hilfe zu ermöglichen.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR richtete einen dramatischen Appell an EU und Nato. "Unsere klare Botschaft ist: Wartet nicht auf ein Notsignal, schaut, ob die Menschen Hilfe brauchen, und rettet sie" , sagte Hilfswerk-Sprecherin Melissa Fleming am Dienstag in Genf. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte eine "lastgerechte" Verteilung der Flüchtlinge in der EU.

Die Nato setzte ihre Luftangriffe fort. In der Nacht zum Dienstag feuerten Kampfjets mehrere Raketen auf Gebäude in Tripolis ab, zu denen laut Augenzeugen auch eine Unterkunft von Machthaber Gaddafi gehörte.

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Die Zahl der Toten im brutalen Machtkampf zwischen den Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi und den Rebellen geht in die Tausende. Doch noch weit höher ist jene der Menschen, die wegen der Kämpfe flüchten mussten: Die Uno sprach am Dienstag von einer Dreiviertelmillion Menschen.

Nach Erkenntnissen der Uno haben bisher 746.000 Libyer das Land verlassen. Etwa 5000 sitzen an Grenzübergängen nach Ägypten, Tunesien und Niger fest, weitere 58.000 sind Binnenflüchtlinge und halten sich im vergleichsweise sicheren Osten Libyens auf. Tausenden ist bereits in den vergangenen Wochen die Flucht ins Ausland geglückt.

Wie die Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos erklärte, lähmen nun Versorgungsengpässe das Land und bedrohen vor allem die Ärmsten und Schwächsten. Von den notwendigen rund 210 Millionen Euro Nothilfe hätten die Vereinten Nationen bisher bloß 144 Millionen erhalten. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat forderte daher die EU und die Nato zur Hilfe auf. "Unsere klare Botschaft ist: Wartet nicht auf ein Notsignal, fahrt sofort hin, schaut, ob die Menschen Hilfe brauchen und rettet sie" , forderte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming.

Bisher hatten vor allem jene rund 30.000 Tunesier Schlagzeilen gemacht, die seit Jahresbeginn auf der süditalienischen Insel Lampedusa gestrandet waren, doch ihre Zahl erscheint vergleichsweise klein. Dennoch sieht sich Italien als hauptsächlich Leidtragender der Massenflucht. Aus Tunesiens Nachbarland Libyen gelangten bisher rund 10.000 Flüchtlinge nach Italien, doch Innenminister Roberto Maroni rechnet in anderen Dimensionen: Italien habe mit 50.000 libyschen Flüchtlingen in den nächsten Tagen und Wochen zu rechnen, es könnten auch noch wesentlich mehr werden, nämlich Millionen: "Sollte der Krieg nicht bald aufhören, werden viele dieser Menschen Italien erreichen." Gefordert sei eine diplomatische Lösung. "Die Gefahr ist, dass Libyen zu einem neuen Afghanistan wird" , warnte Maroni.

Auch der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano - sonst ein Mann der Besonnenheit und Mäßigung - hat die EU wiederholt aufgerufen, Italien bei der Bewältigung des humanitären Notstands nicht allein zu lassen. Ganz Europa müsse Verantwortung übernehmen, die Migrationswelle könne nicht allein eine Angelegenheit der EU-Mittelmeerländer sein. Die EU müsse den nordafrikanischen Ländern eine neue Perspektive geben. "Angesichts von Krisen muss die EU schneller reagieren."

In den Augen des UNHCR dürfte Europa bisher nur Bescheidenes geleistet haben: Die EU nahm demnach bisher weniger als zwei Prozent der libyschen Flüchtlinge auf. Seit Beginn des Konflikts im Februar seien in Italien und auf Malta insgesamt 12.360 Menschen angekommen - viele von ihnen Opfer von Menschenschmugglern, sagte Fleming.

UNHCR-Kritik an Nato

Der Appell des UNHCR richtete sich nicht nur an die EU, sondern auch an die Nato: Am vergangenen Freitag sei ein Boot mit 600 Menschen vor Tripolis gekentert. Die Nato hätte dabei durchaus helfen können, habe es aber nicht getan. Seit Ende März seien rund 800 Menschen auf der Flucht aus Libyen ertrunken, so das UNHCR.

Wie die britische Zeitung The Guardian berichtete, seien kürzlich 61 Flüchtlinge ums Leben gekommen, obwohl die Nato sie mit Schiffen und Flugzeugen hätte retten können. Eine Sprecherin des Bündnisses wies diese Angaben zurück.

Der libysche Machthaber bleibt unterdessen weiter im Visier der Nato. Bei Luftangriffen auf Ziele in der Hauptstadt Tripolis feuerten Kampfflugzeuge in der Nacht zum Dienstag mehrere Raketen auf Gebäude ab, zu denen nach Berichten von Augenzeugen auch eine Unterkunft Gaddafis gehört haben soll.

Gleichzeitig mehrten sich Indizien dafür, dass der Kreis der Getreuen Gaddafis schrumpft. So soll vor einigen Schulen die Fahne der Aufständischen gehisst worden sein. Die Opposition berichtete auch von vereinzelten Demonstrationen in den Stadtteilen Souk al-Juma und Tajura.

Der Aufstand gegen Gaddafi hat der oppositionellen Zeitung Brnieq zufolge nun auch mehrere Vororte der Hauptstadt erfasst. Zahlreiche Bewohner hätten sich den Rebellen angeschlossen und bereiteten einen Protestmarsch auf Tripolis vor. Mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte hätten sich dem Aufstand angeschlossen und versorgten Gaddafis Gegner nun mit Waffen. Der Bericht konnte von unabhängiger Seite bisher aber nicht bestätigt werden.

Gaddafi selbst ist seit Tagen nicht mehr öffentlich aufgetreten. (gian, Reuters, dpa, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2011)

Kommentar posten
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manfred maier
01
12.5.2011, 13:05
bildunterschrift: "Wie diese Menschen in Tunesien sind hunderttausende Libyer seit Wochen auf der Flucht vor der Gewalt des Gaddafi-Regimes"....eine spur plumper habt ihr die propaganda nicht auf lager?

...und die hat wohl nicht APA geliefert und sie belegt die völlig hemmungslose propaganda für die zerstörung libyens und übernahme durch die putschisten.
die bewaffneten handlanger der USNato hätten sicherlich mit konsequenzen rechnen müssen, wären ihnen ihre herren nicht mit bombenterror zu hilfe geeilt.
in libyen fanden über eine million menschen - vorwiegend aus afrikanischen ländern - arbeit und eine lebensgrundlage für sich und ihre familien.
diese afrikaner werden von dne puschisten generell unter söldnerverdacht gestellt und - im günstigsten fall - vertrieben.
die anzahl der flüchtlinge sowie der grossteil der opfer geht auf das konto der putschisten und den bankrotten marodeuren des faschistischen raubtierkapitalismus.

yes2bertl
03
11.5.2011, 14:11
Die Länder der EU sind aus menschlicher Sicht schlicht verroht.

Und der NEUsprech "humanitär" eine Wahrnehmungsblendung, Bomben für den Frieden!

Ok, was braucht es noch, UNHCR, UNO alle sagen beendet die Kämpfe.

Stoppt den Krieg.

jolo -
21
11.5.2011, 11:52

ORFon berichtet ... "seit der Bombardierung seiner Residenz Ende April, bei der mehrere Familienmitglieder getötet wurden, wurde er nicht mehr gesehen. Italienische Medien spekulieren bereits über den Tod des libyschen Revolutionsführers"

Schiller Seff
24
11.5.2011, 11:23
Ein Chefanalyst redet Klartext

Es geht ums Öl!

http://www.gevestor.de/details/k... 01540.html

Weh mir
00
11.5.2011, 12:53
es geht ums Öl

und die USANATOGBFRITREB + COMP gehen wenn erforderlich über Millionen Leichen und/oder Vetriebene und ein zerstörtes Land

dank der UNO

opryde
05
11.5.2011, 12:48
wenig überraschend.

als die us army mit hussein "fertig" war, kamen als erstes auch gleich die ölunternehmen samt entourage hinterher, um ihre claims abzustecken.

wer ernsthaft glaubt, der nato geht es hier um den sturz eines diktators, der glaubt wohl auch noch, dass monarchie eine adäquate staatsform ist.

Killer Bunny
31
11.5.2011, 13:24

Und die Russen und Chinesen haben die größten Claims bekommen. Die USA ist ganz leer ausgegangen. Aber Sie haben sicher Recht.

Nutze den Tag
39
11.5.2011, 10:04
Hätten wir in Osteuropa komunistische Diktaturen ebenso bekämpft,

wir hätten mindestens schon den 3. Weltkrieg hinter uns. Was soll dieser Zirkus? Eine Demokratie herbeizubomben ist nachhaltig unmöglich, weil der Start misslingen muss.
Wovon sollen diese Menschen heute und morgen leben? Von diffuse Zukunftsversprechen "alles wird super"?

DieBo
02
11.5.2011, 12:08
das werden unsere neuen schuldner. die werden uns unsere Autos abkaufen müssen ob sie wollen oder nicht..

opryde
13
11.5.2011, 10:17

libyen hat derzeit diese optionen:

- gaddafi bleibt, alles beim alten.
- ein nachfolgeregime wie in ägpyten kommt und nichts passiert.
- besatzungsszenario ala irak und afgahnistan.
- die "opposition", angeführt von gaddafis ehem. justizminister kommt an die macht.

na da sehe ich schwarz.

Meklon von Andromeda
 
13
11.5.2011, 10:37

Gaddafi ist auch nicht mehr der jüngste. Seine Kinder sind bei weitem nicht charismatisch und geschickt genug, um ihm erfolgreich nachfolgen zu können. Die Söhne sind viel eher an einem Leben als Playboy interessiert, als in der Rolle eines ausgefuchsten Machthabers.

D.h. dieses "Problem" würde sich von selbst erledigen. Es wird Jahrzehnte brauchen, bis sich Libyen vom aktuellen Schock und Trauma erholen wird.

EU, USA, NATO und auch UNO haben beim Finden einer fruchtbringenden Lösung erbärmlich versagt. Mit Kriegen erzeugt man ausschließlich Hass, der sich tief in das Bewusstsein der Betroffenen einbrennt.

Jetzt über die Auswirkungen des eigenen Handelns zu jammern zeigt die Inkompetenz der federführenden Akteure.

Weh mir
22
11.5.2011, 10:50
die einzig fruchtbringende

Lösung hat GAd, der sein Land in 40 JAhren enorm nach vorne gebracht hat, angeboten, wurde von der kriegsgeilen NATO und den REB abgelehnt

Meklon von Andromeda
 
02
11.5.2011, 11:34

Ob es die einzige fruchtbare Lösung war - darüber lässt sich streiten. Allerdings wesentlich besser als das, was jetzt passiert.

Weh mir
00
11.5.2011, 12:56
eine fruchtbringende Lösung okay, wenn

sie wollen, aber fact ist und bleibt, das die Gegenseite das ablehnt und der UN-presidentenkasperl von GAd öffentlich einen Waffenstillstand verlangt, hat wohl ganz vergessen, dass es eben diese UNO war, die diese katastrophale Situation ermöglicht hat - - von daher ist wohl nichts zu erwarten

opryde
02
11.5.2011, 12:46

ich bin auch bei gott kein fan vom gaddafi (in VICE habe ich vor ein paar monaten, lange vor diesem krieg, eine satire über ihn geschrieben), aber hier wiederholt sich der afgahnistan- und irak-konflikt, diesmal halt die nato offiziell: die us-konzerngeführte demokratie wird mit bomben gebracht, menschenrechte werden ausgesetzt, zivilisten zu tausenden umgebracht und wenn alles vorbei ist, werden ein paarh ände geschüttelt, ein paar häuser aufgebaut und jeder wundert sich, warum die nachfolgeregierung kaum rückhalt in der bevölkerung hat.

Weh mir
00
11.5.2011, 13:00
wichtig sit nciht, ob

eine NAchfolgeregeirung einen Rückhalt in der ruineirten Bevölkerung aht, wichtig ist, dass sie ein willfähriges Werkzeug der amerikanischen Ölzwangsdemokratisierer ist, das LAnd muss seinen perversen E-verbrauch absichern, sosnt müssten die US-bürger, (die nicht zu den 50.000.000 armen Hungernden gehören - die haben das ohnehin schon) im Winter frieren und im Sommer schwitzen, da lieber andere Länder grundlos überfallen, Unheil, Zerstörung und Vernichtung bringen

Weh mir
10
11.5.2011, 10:50
die einzig fruchtbringende

Lösung hat GAd, der sein Land in 40 JAhren enorm nach vorne gebracht hat, angeboten, wurde von der kriegsgeilen NATO und den REB abgelehnt

Weh mir
12
11.5.2011, 10:24
sie vergessen

Die Regierung hat vor Wochen angeboten:

Waffenstillstand mit Überwachung
Friedensverhandlungen
international überwachte Wahlen
Erdölverträge

DIE NATO und die REB haben geantwortet nein, denn was wir wollen ist:
Krieg Krieg Krieg Kireg Krieg und nochmals Krieg --
Tod und Verderben, vertreibung, Genozid

und die NATO aht noch eines draufgestzt, indem sie den ort, von wo GAD diese Rede hielt gleich in gurnd und Boden gebombt haben - offenbar halten sie GAd fpür ein AKmpfflugzeug

wenn in eienr solchen Kriegsmashcine derartig gemeingefährlcihe Kriegstreiebr sitzen, gehört diese aufgelöst und die Vernatwwortlichen nach den HAa, incl. Mr HAgue.

Jo H
13
11.5.2011, 09:52

wenn sich wenigstens die europäer aus diesen kriegen draushalten würden.

für die ami sind diese flüchtlinge ja kein problem. die schwächen nur die eu damit.

Zuckerlilly Zuckerlilly
12
11.5.2011, 10:25
Inszeniert wurde dieser Wahnsinn von Sarkozy, der Cameron ins Boot holte.

Obama folgte nur widerwillig.

Jo H
00
11.5.2011, 12:52

da sieht man das der sarkozy auf berluskoni niveau ist.

und die engländer sollten zur usa gehören.

DieBo
35
11.5.2011, 09:42
Die Uno ist es doch die an dieser Misere Schuld ist. Sie hat sich wieder mal zum Handlanger der Nato gemacht.

yes2bertl
16
11.5.2011, 09:37
Die Kälte der Vorgangsweise, alle Bemühungen die Kämpfe zu stoppen einfach zu ignorieren, macht sprachlos.

Und immer noch applaudieren so Viele dieser Vorgangsweise.
Wie viele Leute müssen noch sterben bis wir aufwachen, wie viele Leute müssen noch flüchten.

Wird der Westen erst aufwachen wenn die Leute vor der eigenen Haustür stehen?

Stoppt den Krieg.

DieBo
13
11.5.2011, 09:54
Es ist vielleicht leider ganz andersrum, ich befürchte eher die Menschen haben Blut geleckt. Das Schauspiel kann gar nicht mehr groß genug sein. Die Events in der Sportwelt und im Showbiz werden ja auch immer gewaltiger.

Schlagobers
15
11.5.2011, 09:52
Stimmt. Dazu kommt die Kaltschäuzigkeit,

mit der man das Land zerstört und verseucht.
http://www.doppelklicker.de/Uran-Bomb... 863.0.html

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