Analyse

Microsofts teure Skype-Wette: Meisterstrück oder Milliardengrab?

10. Mai 2011, 16:58

Microsoft schmiedet weiter einen Gegenpol zu Apple und Google

Microsoft ist auf einem Selbstfindungstrip. In der Software-Welt ist der Riese aus Redmond seit Jahrzehnten die Nummer eins. Doch in der Internet-Welt sucht der Hersteller des PC-Betriebssystems Windows und der Office-Büroprogramme noch seinen Weg. Nun zahlt Microsoft Milliarden für den Internettelefonie-Dienst Skype, in der Hoffnung, seine Zukunft in der Internet-Ära zu sichern.

Skype bringt dem Windows-Riesen jede Menge Nutzer und eine erprobte Technologie für Videogespräche auch auf dem Handy. Der Preis ist mit 8,5 Mrd. Dollar (5,92 Mrd. Euro) drastisch höher als alle Summen, die bei bisherigen Besitzerwechseln für Skype auf den Tisch gelegt wurden - und das obgleich Microsoft mit dem Windows Live Messenger ein Konkurrenzprodukt im eigenen Haus hat. Hat es Microsoft also wirklich so nötig?

Angst vor der Alterung

Der Konzern, der die IT-Branche in den vergangenen Jahrzehnten wie kein anderer beherrschte, befindet sich gerade in einer seltsamen Lage: Die Kassen füllen sich jedes Quartal mit neuen Milliarden; die Geldmaschine Windows ist nach wie vor die dominierende Plattform auf dem PC-Markt - und doch steht das Computer-Urgestein Microsoft unter massivem Druck der viel jugendlicher wirkenden Rivalen Apple und Google.

Viele von Microsofts Problemen fangen mit einem kleinen "i" an, wie iPhone, iPad und iMac. Apple hat es nicht nur geschafft, mit dem iPhone den Handy-Markt umzukrempeln, sondern rief mit dem Erfolg des Tablet-Computers iPad auch gleich noch die "Post-PC-Ära" aus. Will heißen: Der klassische PC verliert an Bedeutung, schlanke mobile Geräte ersetzen ihn an vielen Stellen. So gewagt die These auch erscheinen mag, aktuelle Marktzahlen zeigen bereits, dass das iPad und die Ausbreitung der Smartphones den PC-Absatz bremsen.

Bodenloses Fass

Diese Entwicklung trifft Microsoft in seinen Grundfesten: Windows und Office sind nach wie vor die Gewinnbringer. Aktuelle Zahlen zeigen es deutlich. Der operative Gewinn lag bei 5,7 Milliarden Dollar in dem Ende März abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal. Gut 2,7 Milliarden trug die Windows-Sparte bei, mehr als 3,1 Milliarden kamen von dem Business-Bereich mit seinen Office-Lizenzen. Dagegen brannte das Internet-Geschäft wieder ein Loch von mehr als 700 Millionen Dollar in die Kasse - während Suchmaschinenprimus Google gleichzeitig immer neue Rekordgewinne vermeldet.

Seit Jahren schon versucht Microsoft, Anschluss an Google zu finden, inzwischen im Tandem mit dem Internet-Pionier Yahoo. Vor einigen Jahren war der Unmut sogar schon so groß, dass Microsoft Yahoo für fast 50 Mrd. Dollar kaufen wollte. Zuletzt konnte Microsofts Suchmaschine Bing dem Rivalen Google zwar einige Prozentpunkte Marktanteil abringen. Doch für diesen kleinen Erfolg musste Microsoft teuer bezahlen, wie die Geschäftszahlen zeigen.

Schwieriges Comeback

Bei den Smartphones krebst das Betriebssystem Windows Phone bei niedrigen Marktanteilen herum. Eine Allianz mit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia soll die Wende bringen. Immerhin bescheinigen Experten der Microsoft-Plattform, sie funktioniere ordentlich. Aber ob das reicht, um gegen Kultgeräte wie das iPhone oder Googles Smartphone-Betriebssystem Android anzukommen, die bereits hunderte Millionen Fans weltweit gefunden haben? Microsoft ist spät dran.

Was genau hat Microsoft also davon, Skype für teures Geld zu kaufen? Die grundlegenden Funktionen beherrscht der Softwareriese selbst und verdient mit der Technik bisher höchstens in homöopathischen Dosen Geld. Zum einen bekommt Microsoft auf einen Schlag die gut 660 Millionen registrierten Nutzer, zum anderen die über Jahre eingefahrene und weit verbreitete Technik.

Rutsche in feindliche Gefilde

Mit Skype auf Windows-Smartphones hätten Microsoft und Nokia ein fertiges Gegenangebot zu Apples Facetime-Videotelefonie. Und noch mehr: Mit Skype würde Microsoft tief ins Territorium der Rivalen Apple und Google vorstoßen - denn Skype läuft schon heute millionenfach auf iPhone und Android-Handys.

Überdies könnte Skype in Verbindung mit Microsofts Spielkonsole Xbox den Sprung ins Wohnzimmer schaffen. Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigte bereits an, Skype solle mit den eigenen Produkten vernetzt werden bis hin zum weit verbreiteten E-Mail-Programm Outlook. Auch Microsofts Partner Facebook dürfte an der Technik interessiert sein: Denn das weltgrößte Online-Netzwerk will Kommunikationszentrale für seine mehr als 600 Millionen Nutzer werden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
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Nitram1988
00
11.5.2011, 22:41
Wenn Skype in alle Microsoft produkte integriert wird, und auf allen Platformen weiterhin läuft, wird Skype überleben.

Ansonsten werden die Kunden abwandern.

märchenonkel
20
11.5.2011, 10:15
Mit ein bischen Glück entsorgt sich M$ von selbst.

Barney_Stinson
00
11.5.2011, 09:26
keine innovation

es ist doch so: MS steht gut da mit den Produkten, die sie seit Jahren herstellen, sprich Office und Windows. Aber wenn man erwartet daß MS etwas innovatives macht, etwas neues, dann kann man auch erwarten daß ein Hamster ein Flugzeug fliegt ;-))

man könnte meinen MS lebt nach dem Motto: halte dich an das was du hast und meide alles neue! sie hätten ein super Tablett gehabt mit doppel-display - das haben sie fallen gelassen und jetzt macht das sony! genauso hätten sie viel früher in den Smartphone markt einsteigen müssen, jetzt haben sie gegen android und apple keine chance mehr!

Nitram1988
00
11.5.2011, 22:34
Toshiba Libretto und Acer Iconia Dual Screen

Laufen beide auf Win7

Tiger10
00
11.5.2011, 08:12
Artikel identisch

Der Artikel ist einem kurzen Drüberschauen nach gleich diesem hier: http://www.heise.de/newsticke... 41108.html

Jaden Leningrad
00
11.5.2011, 08:36
asdfgh

steht am schluss nicht umsonst der hinweis APA dabei ;)

presumption of innocence
00
11.5.2011, 02:33
Bei 8,5 Milliarden werden die schon einen Plan haben

wie der Betrag Gewinn abwirft, vor allem wenn Facebook dabei ist.

Hubert Hawkins
00
11.5.2011, 09:48
8,5 Milliarden

Bei 5,7 Milliarden Quartals(!)-Gewinn sind 8,5 Milliarden ein etwas tieferer Griff in die Portokasse.

Hobin Rood
01
11.5.2011, 07:30

Sie werden wohl einen Plan haben. Aber ob der gut ist...

presumption of innocence
01
11.5.2011, 09:00

ja, Pläne habe solche Eigenschaften, dass sie verwirklicht werden oder in die Hose gehen.

cupertino
02
11.5.2011, 02:22
unternehmen mit null innovation

was ms angreift geht erfahrungsgemaess den bach runter (ausgenommen etablierte windows produkte aus den gruenderjahren). ein jedes normales unternehmen waer da schon bankrott.

nur die traegheit der leut' (und fette oeffentliche vertraege), immer wieder windows maschinen und ueberteuerte software zu kaufen, halten die noch im geschaeft.

zeit, dass die entscheidungstraeger aufwachen und sich um produktivere alternativen bemuehen.

sdi
12
11.5.2011, 07:20
produktivere Alternativen?

Und was soll das bitte sein?

Mit Win7 und Office kann man sehr gut produktiv arbeiten.

cupertino
01
11.5.2011, 09:40
das streitet keiner ab

billigere alternativen koennen das auch. setzt gewisse flexibilitaet voraus (nicht nur bei usern, es faengt leider mit admins an, die ausser den obligated ms wifi kurs nichts anderes verstehen)

Prof. Vogel
23
11.5.2011, 01:40
Jugendliche Unternehmen wie Apple

.. ich kriegs nicht mehr xD

Apple ist schon seit 1978 extrem jugendlich.

Charles Milton Ling
00
11.5.2011, 00:34
Meisterstrück

Es wird langsam lächerlich.

Meklon von Andromeda
 
00
11.5.2011, 08:48

Ob das wohl in der Printausgabe auch so drin steht? ;)

franz fröhlich
01
11.5.2011, 00:12
Der Preis ist für Microsoft egal.

Die verdienen das in 6 Monaten, solange sie das Quasimonopol beim OS und Office haben.
Darum waren sie bis jetzt am am Ende immer zumindestens gut dabei, wenn nicht führend (siehe XBox), da ihr finanzieller Atem endlos lang ist.
Und wenn sie es nicht selber schaffen, kaufen sie einfach zu.

O5
16
10.5.2011, 22:07

Microsoft wurde schon so oft für tot erklärt. Schaut mal in Büros, Privathaushalte: dort findet man fast immer Microsoft-Produkte, Apple und Linux sind nach wie vor Randphänomene. Und ich kenne keine einzige Person die aufgrund von Smartphone oder Tablet keinen PC mehr benutzt. Die meisten User wünschen sich ja bei jeder einzelnen SMS einen PC aufgrund des viel höheren Bedienkomforts.

Das was am Skype-Kauf wirklich interessant ist (und im Artikel nur in einem Satz erwähnt wird) ist dass viele Benutzer von Nicht-Microsoft-Smartphones Skype benutzen um kostenlose oder sehr billige Ferngespräche zu führen. Und jetzt gehört dieser Dienst einem Smartphone-Konkurrenten. DAS nenn ich mal interessante Konstellation!

entenfutallesgut
10
10.5.2011, 22:05
Ja, aber dann eben doch nein

Ja,
weil Skype einen praktischen Nutzen leistet und nicht nur einen "sozialen"
Praktischer Nutzen ist von stabilerem Wert, der Wert sozialen Nutzens ist Schwankungen und Moden unterworfen
vielleicht gelten Facebooknutzer in 5 jahren bereits als volle Dillos

Nein,
weil Skype nichts unnachahmliches bietet, sondern leicht kopierbares
Wenn Facebook eine Talk-Funktion einbaut dann kann Skype weitgehend einpacken

Es ist weniger die Skype-Technologie, die 8 Mrd. wert ist, sondern der Kundenstamm

kruazimuageli
00
10.5.2011, 21:25
Meisterstrück

100%ig

chaim54
00
10.5.2011, 20:06
Meisterstrück?

wie immer - man schreibt ein buch über shakespeare, und im titel steht dann shrakespeare....

Stadtmeisterschaftsfünfter 1992
00
10.5.2011, 19:43

Naja, ein Meisterstück ist es nicht, einfach doppelt so viel Geld in die Hand zu nehmen wie die Rivalen. Es ergeben sich allerdings sicher ein paar gute Ideen aus dem Kauf, sie vermutlich auch sehr gut umgesetzt werden. Ob die SO viel Kohle wert waren? Traue ich mich nicht zu sagen. Sicher eine gewagte Wette von MS. Könnte mir vorstellen, dass da im Zusammenspiel mit Nokia irgend was kommt. Irgend was, das googleartig ist.

Mac1984
54
10.5.2011, 19:26

völlig sinnloser Versuch von Microsoft. Um Jahre zu spät. Da nützen auch Milliarden nichts, um glaubwürdige und erfolgreiche Produkte in den Markt zu bringen. Alles ausser Windows und Office hat versagt und jeder Versuch Anschluß zu finden misslang. Wann kapieren die das eigentlich?

christian decker
01
11.5.2011, 08:59
Ah so...

Stellvertretend für viele ähnliche Postings, die ich hier immer wieder lese, darf ich Ihnen antworten und ein wenig widersprechen:
Es ist nicht nur das Clientbetriebssystem und Office, das erfolgreich ist - auch im Server-Betriebssystem sind wir deutlich die Nummer Eins, im Messaging-Umfeld (Exchange-Server) ebenso, im Datenbankumfeld detto, Produkte wie SharePoint und Lync sind auch nicht gerade unerfolgreich - im Homeumfeld darf ich die XBox und Kinect erwähnen (immerhin in die Guinness World Records als das "fastest selling device" mit mehr als 10 Mio Stück seit November)... Unerfolgreich würd ich das nicht wirklich nennen...

ChilliPalmer
24
10.5.2011, 22:51
Jetzt müssen Sie mir noch erklären, was "alles außer Windows und Office" ist…

Soweit ich weiß sind sie im Businessbereich ungeschlagen (Office, Azure, Lynx und jetzt dann Skype), Server sind sie auch nicht so schlecht dran. Hab gehört die Xbox360 ist die bestverkaufendste Konsole der letzten Jahre, Kinect ging auch ins Guinessbuch ein, dank bahnbrechenden Absatzzahlen. Live Messenger (und dann noch Skype) haben vermutlich mehr User als Leute Linux verwenden, und Bing holt langsam aber stetig auf…
Was bleibt über? Smartphones und Tablets.
Smartphones bin ich auf Herbst gespannt, wenn Windows Phone mit nativem Skype kommt. Mal sehen wer dann die Hosen anhat…

Ihre Argumente waren welche?

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