Red Buddha sucht das Glück

10. Mai 2011, 17:13
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    Glückliche Buddhisten: Heinz Vettermann (li.) und Michael Eisenriegler (re.) von "Red Buddha".

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    Flyer und Sticker der roten Buddhisten

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    Buddhismus und aktuelle SPÖ-Spitze: Dr. Ding Ding, politischer Koordinator des Shaolin Tempels für Europa, Seine Heiligkeit Abt Shi Yong Xin, Bundeskanzler Werner Faymann im Vorjahr.

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    Buddhismus und ehemalige SPÖ-Spitze: Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Lebensgefährtin Eva Steiner mit dem Dalai Lama im Jahr 2007.

Eine buddhistische Arbeitsgruppe der SPÖ will der Partei "Good Vibrations" mit auf den Weg geben

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Gar nicht so einfach, oder? Das räumen auch die Meditations-Experten Michael Eisenriegler und Heinz Vettermann nach jahrelanger Erfahrung ein. Die beiden sind Vertreter von "Red Buddha", einer Arbeitsgruppe der Bildungsorganisation der Wiener SPÖ, die sich "mit dem Verhältnis von Politik und Religion aus buddhistischer und sozialdemokratischer Perspektive" beschäftigt.

Vettermann, im weltlichen Beruf Bildungssprecher der Wiener SPÖ, spricht langsam und mit sonorer Stimme über seine ersten Erfahrungen mit dem Buddhismus: "Ich wurde römisch-katholisch geboren und habe dann als Jugendlicher über Literatur den Buddhismus kennen gelernt." Seit 14 Jahren praktiziert der Politiker nun schon Zen, oft auch in katholischen Klöstern, die dieses Service anbieten.

Wahrheiten

Eisenriegler trägt sein Haar kurzgeschoren, das Wort "Hektik" dürfte er nicht kennen. Im Büro des Internet-Gurus im 2. Wiener Bezirk lachen mehrere Buddha-Statuen von einer Vitrine. Er und Vettermann kennen einander seit über 20 Jahren. "Wir sind im Laufe unseres Lebens draufgekommen, dass der Buddhismus für uns sehr viele Wahrheiten bereit hält. Dann haben wir uns überlegt, vielleicht gibt es andere, die das auch so sehen", erklärt Eisenriegler die Motivation hinter "Red Buddha".

Die Gruppe ist prinzipiell für jeden offen, auch für Nicht-Buddhisten. Rund 400 Interessierte beziehen den Newsletter. Man trifft sich alle drei Wochen, es gibt immer wieder Diskussions-Veranstaltungen zu Themen wie "Wiener Charta", "China im 21. Jahrhundert" oder "Migration". Dazu werden auch Buddhismus-Einführungskurse, Vorträge und Seminare oder der "Red Buddha Heurige" veranstaltet. Fixpunkt bei den Treffen: "Gemeinsame Meditation".

Good Vibrations

Wie wollen die roten Buddhisten auf die Sozialdemokratie einwirken? Grundsätzlich sei das Ziel nicht, auf tagespolitische Themen zu reagieren, geschweige denn Ratschläge abzugeben. Aber, wenn man im Erdgeschoß der SPÖ-Parteizentrale Löwelstraße gemeinsam meditiert und diskutiert, so sei das schon "ein interessanter Ort, weil da kannst du Good Vibrations nach oben schicken", so Vettermann augenzwinkernd. "Wir sagen der Sozialdemokratie: Es geht schon auch um Weisheit und Mitgefühl. Das heißt, es geht darum, was in mir abläuft. Wie kann man Gier, Egoismus und Hass schwächen oder überwinden. Das sind Prozesse, die wir versuchen in die Sozialdemokratie hineinzubringen." Nachzulesen seien soziale gesellschaftliche Ansätze des Buddhismus zum Beispiel in David Loys "Great Awakening" oder Melvin McLeods "Mindful Politics".

Glück

Auch Eisenriegler meint, dass sich der Verein nicht in das SPÖ-Geschäft einmischen wolle. Aber "Red Buddha" entwickle manchmal Thesenpapiere, die in die politische Diskussion eingebracht werden. So habe man bei einer parlamentarischen Enquete auf der Suche nach alternativen Modellen zum Bruttoinlandsprodukt jenes des Bruttonationalglücks vorgeschlagen. Nach dem Vorbild aus Buthan sollte eine Bruttonationalglücks-Kommission entscheiden, ob neue Gesetze die Bürger auch wirklich glücklich machen.

Ob die derzeitigen Gesetze die Österreicher glücklich machen? "Nicht nur, glaube ich. Was sicher stimmt ist, dass die Leute viel mehr an materiellen Dingen haben als früher, aber unglücklicher sind. Das widerspricht der Verheißung: Streng dich an, dann bist du glücklicher. An sich ist der Besitz also noch nichts", meint Politiker Vettermann.

Kirche vs. Staat

"Die Mitglieder der Arbeitsgruppe stehen zu den Idealen der Aufklärung und der strikten Trennung von Kirche und Staat und lehnen jede Vereinnahmung von Religion als politischem Machtinstrument ab", steht auf der Homepage.

Vettermann sieht keinen Widerspruch zwischen Religion und Politik: "Du wirst immer von Ideen inspiriert. Wenn du ein Ideengebäude hast, dann ist es ja nicht schlecht, wenn man dieses in die gesellschaftliche Diskussion mit einbringt." Eisenriegler ergänzt, dass der "katholische Ansatz" für einen Buddhisten völlig undenkbar sei, weil man nicht versuche, per Gesetzesinitiativen "Nichtgläubigen die eigenen Glaubenssätze aufzudrücken".

Kein Lächeln für Strache

Eine Spur weniger gelassen werden Eisenriegler und Vettermann, wenn man mit ihnen über FPÖ-Chef Strache spricht. Man würde sicher nicht eine Buddha-Statue an die Öffentlichkeit zerren, wie Strache es mit dem Kreuz getan hat. Außerdem sei das Klischee vom ewig lächelnden Mönch, der kein böses Wort über die Lippen bringe, ein falsch verstandenes Bild von Buddhismus. Eisenriegler: "Als Buddhist kann ich durchaus sagen, dass die Art und Weise wie die FPÖ versucht Volksgruppen gegeneinander aufzuhetzen, schädlich ist."

Kanzler-Karma

Faymanns Karma wollen die beiden Sozialdemokraten nicht schlecht reden. Den Vergleich zwischen den miesen Vertrauensumfrage-Werten des Bundeskanzlers und den tollen Werten des Dalai Lama weisen sie als "unfair" zurück. Vettermann: "Der Dalai Lama steht schließlich nicht in Regierungsverantwortung und kann deshalb auch nichts falsch machen."

Eisenriegler lässt sich nur zu einer grundsätzlichen Aussage hinreißen: "Wir können von buddhistischer Seite nur allen empfehlen, mehr in sich selber hineinzuhören und weniger auf die Umfragen zu schielen. Das würde sicher dazu beitragen, die Qualität der Politik zu verbessern. Ich glaube, dass eine Politik, in der die Leute mehr auf ihr Herz hören, eine bessere wäre." (Rainer Schüller, derStandard.at, 11. Mai 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 98
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Bettler
00
Red Buddha ist religiös

Dass der Buddha-Weg eine Religion sei, ist und bleibt eine Unterstellung.

Sozialdemokraten stünde ein säkularer Buddhismus weit besser zu Gesicht als monastische Traditionen.

per verser
00
13.5.2011, 09:44

vettermann ist machtgeil und berechnend. wie jeder politiker, der sich über einen gewissen punkt hinaus in der politik behaupten kann. wir haben es hier mit einer weiteren variation von "opium für das volk" zu tun.

double standard
00
13.5.2011, 08:08

zur koala (=kolchose allahs) hat der mut gefehlt

Hustler
00
12.5.2011, 12:05
Da Mikee im Standardfoto, schauschau :)

Sensei Onaga
00
12.5.2011, 08:17

Männer die auf Ziegen starren.

Dignus
00
12.5.2011, 08:42

Dummerweise sind wir die Ziegen ...

Hugo Zender
25
11.5.2011, 23:59
gute idee

religion und politik mal anders kombiniert als das ewig gestrige rechts und katholisch. Feine Idee!

Der Kluge
52
11.5.2011, 23:22

Die echten Sozialdemokraten haben noch gegen die Religion gekämpft

systemfehler1
00
13.5.2011, 07:35
Hallo Klugschaißer,

Buddhismus gilt eher als Lehre, denn als Religion, auch wenn es als 5.größte Weltreligion bezeichnet wird.

real_schlimm_edi
 
00
12.5.2011, 17:22
naja

die Buddhisten sind mit Sicherheit die letzten die "bekämpft" werden sollten .
Gegen die Nahost-Religionen sollten sich die Genossen zweifellos wieder mehr ins Zeug legen .

Josef Dvorak
01
12.5.2011, 15:12
... es gab aber auch die "Religiösen Sozialisten"!

Atheismus ist schön und gut, wenn er aufklärend wirkt, und nicht (wie immer wieder die Religionen) gewalttätig ist. Meditationsmethoden (auch manche
buddhistische wie z.B. satipatthana) können nützlich
sein (kontraindiziert etwa bei Vorliegen bestimmter
Erkrankungen).

pierrejosephproudhon
00
12.5.2011, 09:45

diese Diskussion haben wir unten glaub ich relativ erschöpfend breitgetreten, mit durchaus Ergebnissen.
Es gibt sogar "Dhamma-sozialismus" vom thailändischen Mönch Buddhasa Bikkhu, der in Thailand zu Lebzeiten bei Teilen des budd.Klerus (den es in aller tradierter Rückwärtsgewandtheit auch dort wie überall gibt) etwa als Kommunist verschrien war.
also bitte nicht immer gegen jede empirie unwahre dinge behaupten und vereinfachen....danke.

littlebuddha
00
11.5.2011, 20:14

so ein einfallsloser name ... ;-)

Satisfied Keef
84
11.5.2011, 18:33
Red Buddha...

...ist genauso gehaltvoll wie eine Dose Red Bull. Rülps.

Herr J.K.
24
11.5.2011, 18:29
"empfehlen, mehr in sich selber hineinzuhören"

Das würd´ der Faymann eh gern, aber da ist nichts.

Gar nichts.

Besprechungstourist
01
11.5.2011, 17:43
bei bedarf

Könnt ich meinen Buddha-Bauch für Werbefolder oder so zur Verfügung stellen. Auch Wa(h)l-Plakate könnte man mit mir füllen!

pierrejosephproudhon
01
11.5.2011, 17:45

haha - blade buddhas gibts aber leider nur im chinesischen kulturkreis, was ich im übrigen hinsichtlich der vermeidung von gier auch noch nie verstanden hab.
da sieht man wieder wie kultur-determiniert das meiste ist, in SO-Asien habens dafür ganz lange Ohrlapperln - egal.

Josef Dvorak
00
12.5.2011, 16:42
Die langen Ohrlapperln weisen auf den Reichtum hin,

den Prinz Siddharta Gautama aufgegeben hat, um ein Asket zu werden. Denn sie sind gedehnt von
dem schweren Schmuck, der an ihnen hing.
Ikonographisch interessant ist auch, daß Buddhas immer auf ihrer rechten Körperseite liegen.
Was manchmal damit erklärt wird, daß das Herz bei
der Meditation nicht belastet werden soll.

mr. z
01
11.5.2011, 18:36
Hat irgendwie damit zu tun,

dass Buddha jahrelang Askese betrieben hat, ehe er draufgekommen ist, dass das auch nur ein Extrem nix bringt und daher der Weg der Mitte zu gehen ist, der anscheinand auch ein schönes Bäuchlein beeinhalten kann ;-)
Realistisch betrachtet, sollte es damals wirklich so abgelaufen sein: Wenn jemand sich 10 Jahre nur von Samen ernährt und dann wieder anfängt normal zu essen, kanns doch wirklich recht leicht sein, dass er auf einmal rapide zulegt, oder?

Josef Dvorak
00
16.5.2011, 10:56
Wer sich satt essen konnte, durfte sich glücklich schätzen!

pierrejosephproudhon
00
11.5.2011, 18:48

naja, ich finds immer spannend die unterschiedlichen buddha bildnisse in verschiedenen ländern zu beobachten, und wirklich dick ist er nur in china.
unterscheiden tun sich aber auch nachbarländer wie thailand und burma, wirkliche experten können dir sogar landstrich und epoche sagen, immer ein anderer stil.

grauslich
01
11.5.2011, 17:42

Ob wohl eine Annäherung an die www.atheistische-religionsgesellschaft.at - Invisible Nothing - das evtl. noch toppen könnte?

Josef Dvorak
00
16.5.2011, 07:20
Früher noch als "Freidenker" aufgetreten,

wollen sich österreichische Atheisten heute als "religiös" bekennen? Wie paradox das doch ist!

cantanto
41
11.5.2011, 17:20
Klassische Salonsozialisten...

Josef Dvorak
01
12.5.2011, 15:38
Im Zuge der 1968er-Bewegung

besuchten linke Sozialdemokraten (bis Trotzkisten)
gerne das vor Generationen von Deutschen in Sri Lanka gegründete "Inselkloster", wo sie eigene Hütten bewohnen und Atemtechniken lernen konnten.
Dieses Kloster gehört dem "Theravada" (das ist die
Hinayana-Richtung des Buddhismus) an, der sich von
religiösem Brimborium möglichst frei hält, und gerne als atheistisch interpretiert wird.

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