Arbeitnehmerchefin mit "Herz am rechten Fleck"

10. Mai 2011, 15:25
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Mikl-Leitner folgt Spindelegger beim ÖAAB nach und bleibt dem aktuellen Leistungsbegriff treu

Wien - Die ÖVP hat einen neuen Kampfbegriff und so vergeht auch keine Vorstellung eines neuen ÖVP-Führungsmitglieds ohne dem wiederentdeckten Lieblingswort "Leistung" Tribut zu zollen.

Kaum am Wort verkündete die frisch gewählte Obfrau des Arbeiter- und Angestelltenbundes Johanna Mikl-Leitner in ihrer Antrittsrede, sie sei für die da, die "Leistung erbringen". Und damit für diejenige, die "ihr Leben aktiv leben wollen". Sie selbst sei jedenfalls "voller Kraft und Energie" ihren neuen Job auszuüben, versprach die Innenministerin.

"Elan und Zielstrebigkeit" attestierte ihr zuvor ihr Vorgänger als ÖAAB-Chef, der aktuelle ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger. Der hatte in seiner ersten Rede als frisch gewählter Obmann den neuen ideologischen Kurs vorgegeben und bekundet, künftig "für die Fleißigen und Tüchtigen, die Leistungsträger" da zu sein. Er freue sich, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Arbeitnehmerbundes seit 1945 eine Frau an der Spitze stehe.

Der ÖAAB ist nach der Wahl Mikl-Leitners keine reine Männer-Domäne mehr, allerdings liegt er weiterhin in niederösterreichischer Hand. Denn wie ihr Vorgänger Spindelegger und diverse andere AAB-Obmänner wie Robert Lichal, Josef Höchtl und Alois Mock kommt Mikl-Leitner aus dem Hoheitsgebiet Erwin Prölls.

"Ob Zufall oder nicht, gute Köpfe kommen halt von irgendwo her", begründete Spindelegger die niederösterreichische Schlagseite in der ÖVP. Das habe mit der Dominanz eines Bundeslandes nichts zu tun, entscheidend bei der Besetzung sei die Qualität. Die sei bei Mikl-Leitner vorhanden. Er freue sich "außerordentlich, dass sie meine Nachfolgerin wird", sagte er. Nach dem am Dienstag einstimmig erfolgten Vorschlag im Bundesparteivorstand soll Mikl-Leitner Anfang Oktober am ÖAAB-Bundestag "formell und hochoffiziell" gewählt werden.

Ihrer Wahl waren einige Diskussionen vorangegangen: Den Kürzeren zog der frühere Staatssekretär Reinhold Lopatka, er unterlag mit vier gegen sechs Stimmen. Im ersten Durchgang hatte die in der Steiermark geborene Justizministerin Beatrix Karl gute Karten. Geworden ist es schließlich Mikl-Leitner: "Ich freue mich über das einstimmige Ergebnis und weiß das Vertrauen zu schätzen."

Enge Länderkooperationen

Sie werde künftig eng mit den Landesorganisationen zusammenarbeiten: "Die Stärke des ÖAAB liegt in den Ländern", sagte sie. Manche würden in der Aufsplittung der Volkspartei eine Hemmschwelle sehen, sie hingegen orte "mehr Stärke als Schwäche, mehr Vorteil als Nachteil".

Folgerichtig war Mikl-Leitner in ihrer politischen Vergangenheit weniger als Arbeitnehmer-Vertreterin aufgefallen denn als Niederösterreicherin. Landeshauptmann Erwin Pröll bedauerte zwar öffentlich, eine seiner engsten Vertrauten der Bundespartei opfern zu müssen. Tatsächlich dürfte er froh sein, mit Mikl-Leitner einen sehr guten Draht nach Wien zu haben.

Es wird nun ihre Aufgabe sein, den Arbeitnehmerbund der Volkspartei zusammenzuhalten und ihm parteiintern das erwünschte Gewicht zu verleihen. Unterstützung erhielt sie schon von Lukas Mandl, Generalsekretär des ÖAAB. Dieser "kann sich glücklich schätzen, Mikl-Leitner an der Spitze zu wissen. Sie hat das Herz am rechten Fleck." (Saskia Jungnikl, STANDARD-Printausgabe, 11.5.2011)

  • Innenministerin Johanna Mikl-Leitner gewinnt weiter an Macht in der 
ÖVP.
    foto: standard/cremer

    Innenministerin Johanna Mikl-Leitner gewinnt weiter an Macht in der ÖVP.

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    Spindelegger ist "außerordentlich erfreut" über die Wahl Mikl-Leitners - Landeshauptmann Pröll dürfte das ähnlich sehen.

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