Gesundes Altern als Chance?

Höhere Bildung verschafft lange Gesundheit

10. Mai 2011, 12:47
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    foto: apa/daniel maurer

    In Österreich geben Frauen mit Matura oder Hochschulabschluss in fast jedem Alter nur halb so viele gesundheitlische Beschwerden an wie Frauen mit Pflichtschulabschluss.

Höhergebildete sind im Alter länger fit und beruflich aktiv - Verbleibende Lebenserwartung statt Alter als Maß

Wien - Bildung ist ein zentraler Schlüssel für die Bewältigung der Zukunft, auch wenn es ums Altern von Menschen und Gesellschaften geht. Diese Überzeugung vertrat der Demograph Wolfgang Lutz anlässlich des Symposiums "Gesundes Altern als Chance?", das er für die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Dienstag in Wien organisiert hat. Höher Gebildete blieben länger gesund, würden länger arbeiten und könnten durch höhere Produktivität die abnehmende Zahl an jungen Menschen kompensieren, so Lutz.

Lineares Ansteigen der Lebenserwartung

Bisher ist man in Prognosen davon ausgegangen, dass die Lebenserwartung nur noch wenig ansteigt. Doch die Realität hat die Annahmen vielfach überholt: "Im wesentlichen ist ein fast lineares weiteres Ansteigen zu beobachten, auch wenn in einigen Ländern eine Abflachung zu beobachten ist, die sehr stark mit dem Rauchverhalten zu tun hat", so Lutz, der Institute bzw. Programme an der ÖAW, am Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) und der Wirtschaftsuni Wien leitet. In der Bevölkerungswissenschaften gibt es in dieser Frage eine große Kontroverse: Die Optimisten meinen, dass Menschen auch 115 oder 120 Jahre alt werden können und es vielleicht gar kein Limit gibt, die Pessimisten glauben, dass Umweltverschmutzung, ungesunder Lebensstil, etc. zu einer Abflachung und vielleicht sogar Rückgang der Lebenserwartung führen werden.

James Vaupel, Direktor des Max-Planck Instituts für Demographische Forschung in Rostock, gehört zu den Optimisten und belegte bei dem Symposium seine Ansicht u.a. mit der Lebenserwartung in Österreich. Diese ist zwischen 1950 und 2008 bei Frauen von 67 auf 83 Jahre und bei Männern von 62 auf knapp 78 Jahre gestiegen. Oder anders ausgedrückt: eine 65-jährige Frau hatte 1950 im Schnitt noch knapp 14 Jahre Lebenserwartung vor sich, 2008 waren es schon 21 Jahre. 65-jährige Männer konnten sich 1950 noch auf zwölf Jahre freuen, 2008 bereits auf knapp 18 Jahre.

Verbleibende Lebenserwartung als Maß

Diese letztgenannten Werte sind Ausdruck eines neuen Trends, das Alter nicht mehr als die Zeit seit der Geburt zu messen - schließlich sind 70-Jährige heute so gesund wie 60-Jährige vor ein paar Jahrzehnten. So präsentierte Sergei Scherbov vom ÖAW-Institut für Demographie bei der Tagung die Idee, die verbleibende Lebenserwartung als Maß zu nehmen. Für Lutz ist das ein wichtiger Ansatz, weil sich dadurch das Verhalten der Menschen ändern würde. "Die Frage etwa, ob man noch eine private Pensionsversicherung abschließt, hängt davon ab, wie lange wir glauben noch zu leben", so Lutz, der dafür plädiert, "diese Idee unters Volk zu bringen".

Denn alte Klischees würden sich nur sehr langsam ändern, etwa die Einstellung zu einer Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters. Angesichts der gestiegenen Lebenserwartung würde das ja keine kürzere Pensionszeit bedeuten. Es gehe vielmehr darum, die gewonnenen Jahre nicht alle als Pensionsjahre zu nutzen, sondern zum Teil auch zum Arbeiten. "Wenn man so argumentiert, ist das der Bevölkerung schon einsichtig", ist Lutz überzeugt.

Bildung reduziert gesundheitliche Beschwerden

Wobei auch hier die Bildung eine zentrale Frage ist: In Ländern, wo die Gesamtbevölkerung höher gebildet sei, gebe es auch eine höhere Akzeptanz für längerfristige politische Maßnahmen, wie etwa eine Pensionsreform, so Lutz. Bildung ziehe sich aber wie ein roter Faden durch alle Bereiche. Sie sei nicht nur für das Wirtschaftswachstum entscheidend, was man schon länger wisse, sondern auch bei der Gesundheit. In Österreich etwa würden Frauen mit Pflichtschulabschluss in fast jedem Alter doppelt so viele gesundheitliche Beschwerden angeben als Frauen mit Matura oder Hochschulabschluss.

Diese Befunde bedeuten für Lutz "Grund zu Optimismus". Denn das lasse erwarten, "dass die zukünftigen Alten besser gebildet sein werden als die heutigen Alten, und damit auch länger fit sein und freiwillig länger arbeiten werden". Denn schon jetzt zeige sich, dass die Erwerbsbeteiligung für Höhergebildete im Alter wesentlich höher sei. (APA)

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10 Postings
Chorherr
00
12.5.2011, 07:00

Fazit

durch eine bessere Bildung, ärgert man sich nicht so sehr. Man geht kontrollierter vor.

und BewusstSein ist ebenso Pflicht.

Knieriem
00
11.5.2011, 22:52
Höhere Bildung verschafft lange Gesundheit?

Na, das ist ja keine Überraschung. Normalerweise werden Gebildete sich gesünder ernähren. Das, weil sie intelligenter sind, aber auch wohlhabender. Ernährung ist wahrscheinlich das Allerwichtigste. Sie werden wahrscheinlich auch abseits der Ernährung, ob ihrer Bildung, abgesehen vielleicht von beruflichen Stress, der auch killt, gesünder leben. Sie wissen was schädlich ist. Sie haben meist trotz Stress auch bessere Möglichkeiten zur Entspannung bzw. sich Auszeiten zu nehmen. Sie kennen sich im Sport, so sie einen betreiben, besser aus. Und ein letzer, aber nicht der unwichtigste Grund, sie haben meist ein höheres Einkommen, und können sich Gesundheit, auch in Form besserer gesundheitlicher Betreuung "kaufen".

Simon Says
00
11.5.2011, 14:31
Ah, ich versteh

deswegen gibts in Japan soviel 100 Jährige.

Fritz Meyer
07
11.5.2011, 09:11
Typischer Underpants Gnomes-Artikel.

Wir erinnern uns an das Geschäftsmodell der Underpants Gnomes aus South Park:

1. Collect underpants
2. ??????
3. PROFIT!

Entsprechend die Aussage des Artikels:

1. Höhere Bildung
2. ??????
3. Lange Gesundheit

Punkt 2. liesse sich übrigens problemlos durch "bessere Berufe mit geringerer Gesundheitsbelastung und besserer Behandlung, bessere Bezahlung, entsprechend bessere Ernährung und bessere medizinische Vorsorge" auffüllen.

Donarmando
00
11.5.2011, 10:50
Danke stimmt ! Brauch ich es nicht mehr schreiben.

Wolfgrrr
00
11.5.2011, 09:34
Punkt 1

Die derzeitige Hypothese geht davon aus dass Höhergebildete: Mehr auf Ihre Gesundheit achten, mehr zu Vorsorge-Untersuchungen gehen und weniger körperlich angstrengenden Tätigkeiten nachgehen. Das bedingt ingesamt weniger Sekundärerkrankungen und führt dadurch nicht nur zu einer höheren Lebenserwartung sondern auch zu mehr Lebensqualität im Alter.
(Ich glaube mal das impliziert der Artikel)
Mal davon abgesehen dass z.B. Zahnärzte und Anästhesisten die höchsten Selbstmordraten haben. Naja irgendwo gibts doch eine ausgleichende Gerechtigkeit, oder nicht?

Aung San Suu Tschi
 
02
10.5.2011, 21:58
Das wurde schon Mitte der 90ger am Institut für Demografie der ÖAW von Gabriele Doblhammer nachgewiesen

Europäerin
23
10.5.2011, 20:46
Höher Gebildete leben länger

... das ist ein alter Hut. Vielleicht nur bis jetzt noch nicht nach Österreich vorgedrungen. Warum sie länger leben - das lässt sich nicht genau ausmachen:
Sie leben gesünder, treiben mehr Sport, trinken höherwertigen Alkohol (Rotwein statt Schnaps), haben weniger gesundheitsbeeinträchtigende Berufe, haben weniger existentielle Sorgen.
Zumindest gegen die letzten beiden kann man was tun: Mehr Einkommen für die unteren Lohngruppen!

Knieriem
00
11.5.2011, 23:01

Aber mit mehr Geld werden Ungebildete wahrscheinlich trotzdem mehr Schnaps und nicht mehr Bordeaux kaufen. Ergo: Nicht mehr Geld, sondern mehr Bildung. In dieser Hinsicht war die SPÖ der Zwischenkriegszeit in ihrem Bildungsanspruch auch in den Sektionen vorbildlich. Heute lehrt m.E. die Erfahrung, daß mehr Geld in der Hand der Ungebildeten für die Gesundheit nichts bringt, weil es im Prekariat, abgesehen von den Grundbedürfnissen, nur für Zigaretten, Alkohol und Billignahrung verwendet wird (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

metalwoman
08
10.5.2011, 17:08

Höhergebildete arbeiten ja auch deshalb länger, weil sie während andere eine Lehre machen und schon Geld verdienen, noch die Schul- oder Hörsaalbank drücken.
Im Übrigen haben wir eine Wartegesellschaft:
Schüler und Studenten warten auf den Berufseinstieg-denn dann wird alles schön und gut sein;
Berufstätige warten auf die Pension-denn dann wird alles besser werden.
Kaum jemand genießt den gegenwärtigen Zustand, zulasten der eigenen Zufriedenheit.

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