Starcraft als Profisport

10. Mai 2011, 10:17
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In Südkorea werden die besten Spieler werden nicht nur gefeiert wie Fußballstars, sondern auch so bezahlt

Die weltweit erste E-Sport-Arena ist kein normales Stadion. Schon der Standort ist alles andere als gewöhnlich: Die Spielstätte steht auf dem Dach eines riesigen Einkaufszentrums mitten in Seoul. Die euphorischen Schreie der Fans sind bereits am Eingang unüberhörbar, innen klingen sie wie betrunkene Fußballfans beim Lokalderby. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen einem Fußballplatz und seinem elektronischen Äquivalent in Seoul. Heute richtet sich die Aufmerksamkeit des meist noch schulpflichtigen Publikums auf einen riesigen Bildschirm, während die Spieler mit Maus und Tastatur um den Sieg kämpfen.

Meistverkauftes Echtzeit-Strategiespiel

Starcraft heißt das Spiel, das so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Seit seinem Erscheinen 1998 ist es mit über zehn Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Echtzeit-Strategiespiel der Welt. Eigentlich ist es mehr als ungewöhnlich, dass ein 13 Jahre altes Spiel mit veralteter Grafik überhaupt noch gespielt wird; es sei denn aus Nostalgie. Was Starcraft jedoch für den E-Sport prädestiniert, ist die nahezu perfekte Balance des Spiels. Nicht externe Faktoren entscheiden über Sieg und Niederlage, sondern ausschließlich die Skills der Spieler, also ihr Können. Das sollte es auch - schließlich geht das Preisgeld bei Starcraft-Tournieren in die zehntausende Euro.

Weltweit einmalige Industrie

In Korea hat sich um die Starcraft-Szene eine weltweit einmalige Industrie gebildet. Zwei TV-Sender haben sich auf E-Sport spezialisiert und übertragen rund um die Uhr ein Starcraft-Match nach dem anderen. Das Strategiespiel hat vollkommen neue Berufszweige hervorgebracht: Nicht nur die Spieler können mit Starcraft ihren Lebensunterhalt verdienen, sondern auch deren Trainer, Spielekommentatoren, Turnierorganisatoren und E-Sport-Journalisten.

Jünger als andere Sportler

Im Stadion sind die Jubelschreie inzwischen angespannter Stille gewichen, denn gleich geht es ans Eingemachte. Gebannt beobachten über 500 Zuschauer, wie die Spieler in ihren Computerboxen Platz nehmen. Beide sehen aus wie Oberstufenschüler: Kein Wunder, sind sie doch gerade erst volljährig. E-Gamer haben, selbst verglichen mit anderen Leistungssportarten, eine extrem kurze Halbwertszeit: Denn bei Starcraft entscheiden vor allem Reflexe und Geschwindigkeit über den Erfolg. Ab Mitte zwanzig gehören die Spieler bereits zum alten Eisen. Wer zum Profi-Spieler aufsteigen möchte, muss schon von klein auf hart trainieren. Die Topspieler erbringen ein vertraglich abgesichertes Tagespensum von mindestens zehn Stunden Starcraftspiel pro Tag, sieben Tage die Woche.

In der E-Sport-Arena sind die Spiele mittlerweile entschieden. Allmählich verlässt das Publikum die Halle und kehrt nach dem knapp zweistündigen Spektakel wieder in die Realität zurück. Schließlich müssen die meisten am nächsten Morgen wieder die Schulbank drücken. (Fabian Kretschmer aus Seoul/ DER STANDARD Printausgabe, 10. Mai 2011)

  • Display als Spielfeld: Auf dem Dach eines riesigen Einkaufszentrums in Seoul fesselt die Starcraft- Arena ihr Publikum wie sonst Fußball seine Fans.
    foto: malte e. kollenberg

    Display als Spielfeld: Auf dem Dach eines riesigen Einkaufszentrums in Seoul fesselt die Starcraft- Arena ihr Publikum wie sonst Fußball seine Fans.

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