Auftrag an die Regionalmanager ist oft nicht klar definiert

9. Mai 2011, 18:46
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Identitätsstiftung zwischen Gemeinde und Land

St. Pölten - Am schönsten sei seine Arbeit, wenn er einen klaren Auftrag habe, den er nur noch umsetzen müsse, sagt Karl Becker. Nicht dass die Umsetzung von vornherein problemfrei wäre, aber für den Mostviertler Regionalmanager Becker ist es oft am allerschwersten, seine Aufgabe klar definiert zu bekommen. Denn die in den Neunzigerjahren etablierten Regionalmanagements sollen von sich aus wirtschaftliche und kulturelle, touristische und verwaltungsökonomische Projekte anstoßen - ohne dabei mit den bestehenden Institutionen in Konflikt zu geraten.

Die Kärntner Regionalmanagerin Bettina Golob erinnert sich daran, wie sie vom damaligen Landesrat Georg Wurmitzer engagiert wurde: "Such dir zwei, drei Schwerpunkte, bei denen sich Gastronomie, Landwirtschaft und Tourismus integrieren lassen." Das ist leichter gesagt als getan - aber dann fiel der frischgebackenen Regionalmanagerin ein großer hölzerner Fisch auf, der in Feld am See für die Kärntner Fischzucht wirbt. Sie hat sich kundig gemacht über die Seeforelle, die bereits im 14. Jahrhundert vom Stift Millstatt an den kaiserlichen Hof geliefert wurde. Was einst dem Kaiser geschmeckt hat, müsste doch auch heutzutage dem König Gast in Kärnten munden, war der Grundgedanke, aus dem sie dann das Projekt "Kärntna Låxn" entwickelt hat - vier Jahre hat es bis zur Umsetzung gedauert, inzwischen ist es für die Region identitätsstiftend.

Identitätsstiftung zu bewirken ist der übergeordnete Auftrag an die Regionalmanagements: Sie sollen auf Zuruf der Länder oder eines Bürgermeisters maßgeschneiderte Lösungen für die besonderen Gegebenheiten der Regionen finden - "was das genau ist, das muss man herauskitzeln, dann muss man sich mit den Bürgermeistern abstimmen und sehen, ob sich das Ganze auch rechnet", sagt Becker und nennt als Beispiel die Einrichtung von Anrufsammeltaxis. Am Anfang stand die eher diffuse Beschwerde einzelner Gemeinden, nicht gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden zu sein. Gemeinden, Verkehrsunternehmen und das Land als Sponsor zusammenzubringen war dann Aufgabe des Regionalmanagements.

Die gelungenen Projekte werden selten mit dem Regionalmanagement in Verbindung gebracht: Der Erfolg hat auch in den Regionen viele Väter - und diese sitzen als Vertreter der Gemeinden in den Trägervereinen, die das jeweilige Regionalmanagement politisch steuern, wobei sich im Idealfall eine Zusammenarbeit der Gemeinden ergibt, die diesen Kosten spart. (cs, STANDARD-Printausgabe, 10.5.2011)

  • Sucht Ideen, die Kosten sparen: Becker.
    foto: rmnö/haider

    Sucht Ideen, die Kosten sparen: Becker.

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