AKH: Stadt will nicht für Bund einspringen

10. Mai 2011, 13:00
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In der Debatte um angekündigte Kürzungen der Nachtdienste im AKH hofft Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP), dass sich Med-Uni-Rektor Schütz "auf die Füße stellt" – Die Stadt könne nämlich nicht einspringen

Wien - Wer soll im Wiener AKH zahlen, wenn der Bund das Budget der Med-Uni einfriert? In der Debatte um die finanziell angespannte Situation und mögliche Einsparungen bei den Nachtdiensten der Ärzte sagte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP)am Montag zum Standard, sie gehe davon aus, dass sich Med-Uni-Rektor Wolfgang Schütz "auf die Füße stellt" und doch noch mehr Budget im Wissenschaftsministerium ausverhandelt.

Wie berichtet, hat Schütz in der Vorwoche in einem Brief an die Klinikleiter des AKH angekündigt, dass die derzeit 172 Nacht-Diensträder wegen der angespannten finanziellen Situation "deutlich reduziert" werden müssten, wovon alle Kliniken "weitgehend gleichermaßen betroffen sein werden".

Das sei insbesondere in der Notfallaufnahme, der Chirurgie und Anästhesie, in der Kinderklinik, aber auch in der Unfallchirurgie "schlichtweg unmöglich", ließ Ärztevertreter Thomas Szekeres ausrichten. In diesen Abteilungen herrschten jetzt bereits prekäre Zustände." Ursprünglich gab es im AKH 230 Diensträder, in den vergangenen Jahren wurden die Nachtdienste auf 172 gesenkt.

"Auge um Auge, Zahn um Zahn"

Schütz möchte deshalb die Stadt Wien in die Pflicht nehmen. Um den Klinik-Betrieb weiterhin wie bisher aufrecht erhalten zu können, "werden aber strukturelle Maßnahmen von seiten des Krankenanstaltenträgers vonnöten sein, damit auch mit einem etwas reduzierten Personalstand im AKH das Auslangen gefunden werden kann ...", so der Med-Uni--Rektor in seinem Schreiben.

Seitens des Stadt verweist man auf bestehende Abkommen, wonach die Kompetenzen klar geregelt seien: die Med-Uni, also der Bund, stellt die Ärzte. Das Pflegepersonal, den laufenden Betrieb und die Infrastruktur finanziert die Stadt Wien. "Was ich nicht möchte", sagt Sonja Wehsely, "ist ein Auge um Auge, Zahn um Zahn - wenn sich die Med-Uni zurückzieht und die Stadt dann im Gegenzug auch nicht mehr die Wissenschaft kofinanziert. Das wäre für Wien ganz schlecht." Aber, so Wehsely: "Ich habe die Diskussion nicht begonnen."

Mehr Dienstposten

Wien hat im Vorjahr 484 Millionen Euro für das Allgemeine Krankenhaus aufgewendet. Das AKH hat pro 100 Betten 75 Dienstposten, in den Gemeindespitälern sind es 50. Die stationären Aufnahmen sind in den Wiener Städtischen Krankenanstalten zwischen 1997 und 2010 von 214.190 auf 216.671 Euro angestiegen, im AKH in der selben Zeitspanne von 66.944 auf 67.945 Euro. Das entspricht sowohl im AKH als auch in den KAV-Spitälern einer durchschnittlichen Steigerung von 0,1 Prozent.

Für Reinhard Krepler, den ärztliche Leiter des AKH, ist eine Reduktion der Dienste "völlig ausgeschlossen" - ohne schwerwiegende Einschränkungen für die Patienten. Schütz habe sich intensiv um eine Aufstockung des Budgets bemüht, sagt Krepler, der "davon ausgeht, dass es noch finanzielle Nachbesserungen seitens des Ministeriums geben wird". Fest steht für ihn allerdings auch, "dass die Stadt die vertraglich festgelegten Leistungen keinesfalls kompensieren kann" .

Eine Besonderheit des Wiener AKH: Die 1500 Ärzte finanziert zur Gänze der Bund. In den Uni-Kliniken in Graz und Innsbruck sind rund die Hälfte der Mediziner beim Land angestellt. Eine Variante, die für Med-Uni-Rektor Schütz nicht unbedingt eine Lösung darstellt: Wenn es für Ärzte in einem Krankenhaus unterschiedliche Arbeitgeber, Gehaltsschemata und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen gebe, würde sich das nicht immer günstig auf das Betriebsklima auswirken. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2011)

  • Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus könnten die Notfallambulanzen bald 
nicht mehr mit Fachärzten besetzt sein.
    foto: heribert corn

    Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus könnten die Notfallambulanzen bald nicht mehr mit Fachärzten besetzt sein.

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