US-Serien: Leben nach Onkel Charlie

9. Mai 2011, 18:32
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In New York testen die großen Fernsehstationen ihre Pilotfilme am Werbepublikum - Immer öfter suchen Hollywoods Regiegrößen ihr Glück im Seriellen

New York/ Wien - Jedes Jahr im Mai testen die großen US-Networks, ABC, CBS, NBC und Fox, am Werbepublikum Pilotfilme. Bei den Network Upfronts in New York sichten die Kunden ab nächster Woche und bekunden ihr Interesse: So vorhanden, wird aus den Probeläufen eine Serie. Bekunden die Werber hingegen Skepsis, besteht wenig Chance auf ein Leben nach dem Pilotfilm.

Frühjahr 2011 - das ist für die US-Fernsehbranche die Post-Charlie-Sheen-Ära: CBS sucht nach Ersatz für den skandalträchtigen Hauptdarsteller von "Two and a Half Men".

Intensiver Switch

Das Charlie-Sheen-Trauma bewirkt, dass Sender und Produzenten immer stärker auf prominente Namen setzen, von denen sie sich Verlässlichkeit und Professionalität erhoffen. Während Hollywoods Regiegrößen früher im Fernsehen höchstens für Gastengagements zu haben waren, findet inzwischen ein intensiver Switch zwischen Kino und TV statt. Bestes Beispiel in der jüngsten Vergangenheit: Kinolegende Martin Scorsese, der mit der Prohibitionsserie "Boardwalk Empire" ein bild-, dialog- und stimmungsstarkes Stück Serienware hinlegte, das alle Vorzüge des Fortsetzungscharakters im Televisionären zu nutzen weiß. Weitere Anwärter:

Robert DeNiro vertraute James Mangold ("Walk the Line") einen Serienpiloten an, das Polizeidrama "Rookies". Mit an Bord ist "The Wire"-Autor Richard Price. Jungcops sorgen in lebensgefährlichen Gegenden für Ordnung.

Gespaltene Persönlichkeiten faszinieren David Slade ("The Twilight Saga: Eclipse"): Ein Mann, der nach einem Unfall zwei davon hat, zeigt REM.

Noch ohne Titel ist der Pilotfilm von Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer"): Für CBS entsteht ein Medizinmysterydrama. Antoine Fuqua ("Training Day") setzt Ethan Hawke in "Exit Strategy" für CIA-Fälle in Echtzeit ein. Shawn Levy ("Nachts im Museum") entwickelt "Comedy" für Fox.

Mit "Heroes"-Erfinder Tim Kring kehrt voraussichtlich Kiefer Sutherland zurück auf die TV-Schirme. "Touch" ist der Titel des Pilots. Kring gilt als einer der kreativsten Köpfe Hollywoods und nützte früh die inzwischen längst übliche Verknüpfung zwischen digitalen Angeboten und TV mit Mehrwert im Web. In "Touch" spielt Sutherland den Vater eines autistischen Sohnes, der über übernatürliche Fähigkeiten verfügt.

Phillip Noyce ("Catch a Fire") setzt in "Revenge" eine Frau in Szene, die sich an ihrer Familie rächt. ABC pilotiert Tim Allen ("Hör mal, wer da hämmert") als Macho in bedrohlich weiblichem Umfeld.

"Alcatraz" von "Lost"-Erfinder J. J. Abrams ("Star Trek") verspricht Geheimnisse: Häftlinge tauchen plötzlich auf, nachdem sie jahrelang verschwunden waren. Im Boot: Jorge Garcia ("Lost"). Mark Romanek ("Never Let Me Go") dreht für Fox Locke & Key über mysteriöse Erlebnisse einer Witwe mit drei Kindern. Steven Spielberg produziert, wie auch bei "Smash". Im Musical über Marilyn Monroe spielt unter anderem Anjelica Huston. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2011)

  • Pfeifen aus dem letzten Loch: Charlie Sheen (re.) und Jon Cryer. "Two 
and a Half Men" soll weitergehen, noch wurde kein Ersatz gefunden.
    foto: orf

    Pfeifen aus dem letzten Loch: Charlie Sheen (re.) und Jon Cryer. "Two and a Half Men" soll weitergehen, noch wurde kein Ersatz gefunden.

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