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Wieder einmal nur 360 Minuten dauerte Österreichs Kurzgastspiel unter den 16 besten Nationen der Eishockeywelt. Auch die vierte Teilnahme des Team Austria an einer A-Weltmeisterschaft in Serie endete mit dem Abstieg, die in 17 der 18 Spielabschnitte aufs slowakische Eis gebrachten Leistungen dokumentierten, wie angemessen und gerechtfertigt diese Degradierung ist.
Der sofort auf einen Aufstieg folgende rot-weiß-rote Rückschritt in die Division 1 scheint mittlerweile schon im gleichen Maße obligatorisch zu sein, wie der damit verbundene Katzenjammer. Im Zwei-Jahres-Rhythmus sind im eishockeyaffinen Teil der Alpenrepublik die ersten beiden Wochen im Mai für Lippenbekenntnisse jeder Art reserviert. Exemplarisch einige Zitate von Verbandspräsident Dieter Kalt, gesammelt nach den drei letzten Abstiegen aus der Weltelite:
12.Mai 2005: "Es werden neue Wege beschritten, (...) wir werden ein intensives Nachwuchsprogramm fahren."
8.Mai 2007: "Es geht nur weiter, wenn wir die Jugend heranführen."
4.Mai 2009: "Manche ältere Spieler scheinen überfordert durch das Tempo und den Druck. (...) Ich werde dem Vorstand einen Vorschlag unterbreiten, um zu versuchen, die U20- und U18-Spieler heranzuführen"
Evaluierung durch externen Consulter
Geändert hat sich in den Jahren seit 2005, als bei der Heim-WM in Wien und Innsbruck ähnlich schwache und ernüchternde Auftritte wie in diesem Jahr in der Slowakei hingelegt wurden, freilich wenig. Überspitzt formuliert, varriierte lediglich der Zeitpunkt, zu dem der ÖEHV-Präsident vor die Medien trat und Reformen ankündigte, in Košice tat er das nämlich schon nach der Vorrunde.
Nun soll ein externes Consulting-Unternehmen die Strukturen des Verbandes evaluieren und optimieren. Erfüllt es diesen Auftrag gewissenhaft, wird es nicht nur bei Veränderungen in der organisatorischen Ausrichtung des ÖEHV bleiben. Denn die im Vorfeld der Weltmeisterschaft von Matthias Trattnig geäußerte und Thomas Vanek unterstrichene Kritik am Umfeld des Nationalteams ist - und dessen dürfte sich auch jeder Verbandsfunktionär bewusst sein - nur die Spitze einer Pyramide an Unzulänglichkeiten, die in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Neben der (externen) strukturellen Evaluierung täte dem ÖEHV zudem auch eine offene und vorbehaltslose (interne) Diskussion über seine personelle Zusammensetzung gut. Ziel sollte es dabei sein, im die zukünftige Richtung des Eishockeys in Österrreich vorgebenden Organ Funktionäre zum Einsatz zu bringen, die mit progressiven und internationalen Konzepten vertraut sind und deren sportliche Qualifikationen dem modernen Eishockey-Zeitalter entstammen.
Bergströms Vision
Im ÖEHV müssen klare Worte gefunden und teilweise harte aber nötige Konsequenzen gezogen werden. Denn die Verantwortung für die nun schon mehrere Jahre andauernde Krise des Team Austria liegt in erster Linie beim Verband selbst. Während sich die EBEL im internationalen Ligenvergleich etabliert und stabilisiert hat, befindet sich das Nationalteam deutlich am absteigenden Ast. Begründet liegt dies weniger in der gebetsmühlenartig wiederholten Mär der "Überflutung der Liga mit Import-Spielern", sondern eher in der bisher gezeigten Reformresistenz des ÖEHV. Vier Nationaltrainer haben sich bei den jüngsten vier A-WM-Teilnahmen an der "Mission Klassenerhalt" versucht, geschafft hat sie - zumindest sportlich - mit Lars Bergström nur einer. Ausgerechnet er war auch der einzige, bei dem eine mittelfristige Planung zu erkennen war: Seine zu Papier gebrachte "Vision 2014" skizzierte die schwerwiegendsten Problembereiche im österreichischen Eishockey und zeigte Wege auf, um sich in diesen zu verbessern. Das Strategiepapier liegt seit mehr als zwei Jahren im Verbandsbüro und harrt seiner Umsetzung.
Offene Fragen und ehrliche Antworten
Auch wenn Österreich bei der WM in der Slowakei ohne seine drei NHL-Legionäre, seinen besten Defender (Thomas Pöck) und seinen stärksten Torhüter (Bernd Brückler) auskommen musste, war man rein vom Spielermaterial her einem Drittel der anderen WM-Teilnehmer ebenbürtig. Dass der Klassenerhalt dennoch deutlich verpasst wurde, wirft die Fragen nach der Verantwortung auf. Im TV und in Printmedien standen die Spieler und der Trainerstab bereits im Zentrum der Kritik. Doch der Abstieg ist der vierte in Serie, es liegt also der Verdacht nahe, dass auch strukturelle Schwächen eine wesentliche Rolle spielen. Es wäre falsch, den Entwicklungsstand des österreichischen Eishockeys am Ausgang eines WM-Turniers abzulesen, die für alle Beteiligten unbefriedigende Situation stellt sich nun jedoch bereits seit einigen Jahren sehr ähnlich dar.
Losgelöst von Schuldzuweisungen und leidigen Legionärsdebatten muss sich der ÖEHV die Frage stellen, in welchen Bereichen er seine Tätigkeit verbessern kann und wie er ein Mehr an Innovation in seine Struktur bringen kann, um die Entwicklung des österreichischen Eishockeys substanziell und vor allem nachhaltig zu bereichern. Findet man darauf überzeugende Antworten, wird es auch wesentlich einfacher sein, die EBEL-Klubs davon zu überzeugen, "gemeinsam ein Stück des Weges zu gehen." (Hannes Biedermann; derStandard.at; 9.Mai 2011)
Hannes Biedermann bloggt zum nationalen und internationalen Eishockey. Der gelernte Politikwissenschafter hat sein Hobby mittlerweile zum Beruf gemacht und arbeitet als Scout und Berater für in- und ausländische Klubs.
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Innovation ist immer gut, weil die kostet per se noch nix und klingt trotzdem nach Zukunft. Aber da liegt der Hund begraben. Zukunft gibts nur, wenn -- werauchimmer -- Geld in die hand nimmt. Stichwort: Eiszeit. Mehr Eiszeit für die Sportler, oder Eiszeit für den Hockeysport. Richtigerweise hätte der Titel so heißen müssen, wie ich ihn zuerst gelesen habe: Ö Eishockey braucht Investitionen. Move your wallet, your innovations will follow.
Ein Mentaltrainer wäre ganz vorteilhaft. Das einzige gute Spiel war das einzige ohne irgendeine Erwartungshaltung, und die Testspiele waren auch nicht so schlecht. Die Mannschaft kann zwar halbwegs spielen, aber scheinbar kommt sie mit dem Druck nicht zurecht.
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