Schengen

Keine Lösung für Migranten

9. Mai 2011, 18:12

Italien und Frankreich drängen auf eine Reform des Schengen-Abkommens – Sie wollen die seit 1995 offenen EU-Grenzen bei Bedarf schärfer kontrollieren – Die EU-Kommission ist gesprächsbereit, das EU-Parlament legt sich quer

Der Auslöser für die jüngste Diskussion über eine mögliche Wiedereinführung von Grenzkontrollen zwischen EU-Staaten hat nach Ansicht von Ulrike Lunacek ganz klar Namen und Adresse: Roberto Maroni, Italiens Innenminister.

"Sie dürfen nicht vergessen, dieser Mann ist von der Lega Nord. Der will keine menschenwürdige Asylpolitik, und auch keine europäischen Lösungen für Migrantenströme", empört sich die grüne EU-Abgeordnete. Genau das aber wäre dringend nötig, vor allem aktuell beim Umgang mit den tausenden Menschen, die aus Nordafrika nach Italien und Europa strömen.

Leute wie Maroni jedoch nähmen dies als Vorwand, setzten auf Renationalisierung, indem sie die Grundfreiheiten - wie die Reisefreiheit - als solches wieder infrage stellten, letztlich auch für EU-Bürger, "und das ist wirklich gefährlich", erklärt Lunacek.

Die Sache hat ein paar Haken

Ihr Befund trifft die Sache im Kern. Seit Wochen wird nun europaweit diskutiert und berichtet, dass es schon bald zu einer Änderung des Schengen-Vertrages kommen könnte, nachdem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sich darauf geeinigt und von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dafür auch schon eine Zusage bekommen hätten.

Tenor: Dafür würden einfach die Ausnahmebestimmungen im Abkommen erweitert, sodass ein EU-Land im Falle einer "schwerwiegenden Bedrohung der inneren Sicherheit" - etwa wenn tausende Tunesier mit italienischen Reisevisa nach Frankreich strömten - sofort seine Grenzen schließen kann.

Die Sache hat nur ein paar Haken: Sie wird so, wie es die Erfinder ausgedacht haben, wohl nicht funktionieren. Die zuständige Innenkommissarin Cecilia Malmström zeigt sich zwar verhandlungsbereit, will aber ein "Europa ohne Grenzen" erhalten.

Starker parlamentarischer Konsens für offene Grenzen

Tatsächlich hatte Malmström in einer Mitteilung vergangene Woche "nur sehr schwammig", wie ein Diplomat und Innenexperte findet, erklärt: Weitere Ausnahmebestimmungen für neue Grenzkontrollen könne es geben, aber nur wenn diese "auf europäischer Ebene" kontrolliert werden, wenn die Staaten sich also der Aufsicht der Kommission unterwerfen. Das bedeutete mehr Integration.

Vor allem aber sagt das Europäische Parlament in großer Mehrheit aus allen wichtigen Fraktionen strikt Nein zur Idee, die Grenzen wieder dichtzumachen, je nach nationalem Bedarf. Es gibt dazu einen starken Konsens, bestätigt der geschäftsführende Fraktionschef der Sozialdemokraten, Hannes Swoboda. Und seit Inkrafttreten des EU-Vertrages von Lissabon geht ohne Zustimmung der EU-Abgeordneten im Bereich der Inneren Sicherheit, unter die das ursprünglich zwischenstaatlich abgeschlossene Schengen-Abkommen fällt, nichts mehr.

Derzeit versucht der EU-Ministerrat zwar, einen Weg zur Änderung der Rechtsgrundlage in dieser Angelegenheit zu sondieren, um das EU-Parlament auszutricksen und ihm nur Konsultations-charakter zu gewähren. Aber Experten räumen diesem Versuch wenig Chance ein: Der Europäische Gerichtshof würde das vermutlich am Ende des Tages für vertragswidrig erklären.

Temporäre Grenzkontrollen ohnehin möglich

Ehe im derzeit offenen Schengenraum von derzeit 25 Ländern wieder verschärfte Grenzkontrollen eingeführt werden, müssen die beteiligten EU-Institutionen noch einen weiten Weg zurücklegen. Die Innenminister der Union wollen am Donnerstag dieser Woche jedenfalls eine erste "Aussprache" zur Mitteilung von Malmström abhalten.

Beschlüsse werde es dabei keine geben, sagt ein mit der Sache befasster Diplomat voraus, bestenfalls Ankündigungen. Experten in Brüssel wundern sich ohnehin, warum die Ankündigung neuer Möglichkeiten von Grenzkontrollen so viel Staub aufwirbelt: "Diese Option gibt es schon ganz klar in Artikel 25 des Schengen-Vertrages. Bei einer schwerwiegenden Bedrohung kann jeder Staat sofort Kontrollen einführen. Er muss die anderen nur informieren. Diese Option wurde aber seit 1995 noch nie angewendet." Die in der Öffentlichkeit oft genannten temporären Grenzkontrollen, etwa bei Fußballmeisterschaften, sei auch schon geregelt. Man frage sich eigentlich, welche zusätzliche Maßnahmen man brauchen solle.

Das einzig wirklich Neue wäre es, wenn man im Schengen-Abkommen eine zusätzliche europäische, also übernationale Ebene einführt, die über Grenzkontrollen entscheiden soll, erklärt der Experte. Das liefe dann aber auf eine Europäisierung der inneren Sicherheit, auch der Asyl- und Migrationsproblematik hinaus, jenseits der Nationalstaaten. "Die Debatte um die Grenzkontrollen ist in Wahrheit eine Stellvertreterdebatte zum Thema Migration".

Aufnehmen und Übernehmen

Womit man unweigerlich wieder beim Namen Maroni landet. In der Tat war es der italienische Innenminister, der mit dem Ankommen der ersten Flüchtlinge aus Nordafrika in Lampedusa im Kreis seiner Ministerkollegen in Brüssel laut Alarm schlug. Zehntausende, ja eine Million Nordafrikaner seien zu erwarten, sagte er beim Rat Anfang des Jahres. Von den EU-Partnern forderte er einerseits Geld für die Versorgung der Flüchtlinge. Andererseits drängte er darauf, dass die EU-Partner freiwillig gewisse Kontingente von Flüchtlingen aufnehmen sollten.

Dazu waren die aber nicht bereit. Deutschland "übernahm" 100 Flüchtlinge aus Malta, Italien aber sei groß genug, um allein mit der Lage fertig zu werden, erklärte der neue deutsche Innenminister Friedrich damals. Wenig später wurde bekannt, dass Italien die Tunesier mit Visa ausgestattet und nach Frankreich reisen lässt. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2011)

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1 2
EUphoriker
01
10.5.2011, 07:31
eine alternative wäre doch ein vertragsverletzungsverfahren

gegen italien.

mayflower2
11
10.5.2011, 07:29

Ein großes Argument damals für die EU zu stimmen war für viele die versprochene Reisefreiheit.
Die soll nun wieder aufgeweicht werden. Nein Danke.
Für die Franzosen und Italiener geht es vor allen,den Zuzug aus Südosteuropa zu verhindern.
Es ist noch nicht lange her,da hat Frankreich Sinti und Roma nach Rumänien abgeschoben.
Eine Grenzkontrolle käme da gerade recht.
Auch Italien hat große Schwierigkeiten mit den Zuzug aus Rumänien.
Die schauen eben nur auf sich,der Rest ist ihnen egal.
So war es immer und wird auch immer sein.

rroobbeerrtt
86
öffnet die tore für diese migranten

aufgeteilt auf alle EU-länder können wir das verkraften - face it!

georg salomon
 
13
10.5.2011, 06:40

Die Frage ist nicht ob wir können, sondern ob wir wollen. Ich z.B. definitiv nicht.

x51
20
10.5.2011, 20:48
was du willst interessiert keinen a%&§$

Promille Prolet
00
11.5.2011, 12:26
naja

eine stimme ist eine stimme. alle sind gleich.

oder sind sie etwa kein demokrat?

Johannes Benn
13
10.5.2011, 02:59
.

nein in afrika leben heute doppelt soviele menschen wie in europa, tendenz extrem stark steigend. diese menschenmassen kann europa nicht verkraften

Das Kapital ist die wahre Macht
16
Wollen Sie die Bevölkerungszahl von Europa verdoppeln?

Das meine ich ernst!

van.der.stiege
14
stimmt.

und wenn wir mit denen fertig sind sollten wir alle aus libyen aufnehmen.... oder nein, vielleicht zuerst somalia? ach, kann mich nicht entscheiden was wichtiger ist.... aber egal, wenigstens ist der wille da sie alle zu "retten" und ich konnte mich fuer die 10 sec die ich brauchte um dieses post zu verfassen gut fuehlen.

Florian Unterlass
 
31
Wer weiß, vielleicht sind ja Schlüsselarbeitskräfte dabei...

aber nein, wir brauchen ja keine Zuwanderung in Europa, und schon gar keine Afrikaner. Es ist wirklich eine Schande, dass man sich in Europa nur darüber Gedanken macht, wie man Immigranten draußen hält, anstelle sich darüber Gedanken zu machen, wie man die Menschen dorthin bringt, wo man sie wirklich braucht, und wie man aus denjenigen, die die Kraft aufbringen, um aus ihrer Heimat fortzugehen, zum Nutzen aller erfolgreich aufnimmt. Aber wir brauchen ja keine Immigranten.

Promille Prolet
00
11.5.2011, 12:27

dorthin bringen, wo man sie wirklich braucht...

und wo wäre das wohl?

R.M. S.
12
10.5.2011, 10:10

"Aber wir brauchen ja keine Immigranten."

Wir 'brauchen' tatsächlich keine Migranten die nicht über das verlangte Fachwissen verfügen. Ob man es gut heist oder nicht, fakt ist das es in der EU immer weniger Arbeit für nicht-Fachkräfte gibt.

in love with kate perry
15
10.5.2011, 04:51

ich habe keine lust in einer immer islamischer werdenden gesellschaft zu leben. und damit ist für mich auch schon das ende meiner dialogbereitschaft erreicht. das ist nicht verhandelbar. und wenn es nötig sein sollte, werde ich ohne die geringsten skrupel jene parteien wählen die mein anliegen unterstützen. das ist genauso 'unausweichlich' wie die flüchtlingsströme.

was ich nicht verstehe ist, wieso euch nicht bewusst zu sein scheint, welches enorme konfliktpotential die masseneinwanderung aus der islamischen welt birgt ?? wenn man eure risikoscheu aus der antiatomdebatte vergleicht, dann kann ich nur daraus schliessen, dass ihr euch der gefahr nicht bewusst seid. mensch, denkt doch mal nach !!

Andreas Sch.
50
10.5.2011, 12:53
Ja warum kommen sie denn?

Wenn sich die nicht-islamisitischen länder nicht dauernd einmischen würden, dann würden sie auch nicht in diesen mengen kommen.

chelene chirsch
13
10.5.2011, 13:44
weil sie hier nicht hungern müssen

und dafür auch nicht zu arbeiten brauchen.

da kratzt man schon mal als familie die kohle zusammen, um den sohnemann nach europa zu schicken - der sorgt sich dann schon und holt den rest der familie nach.

dass hierzulande dann mit unseren rechtsmitteln und der gebetsmühlenartig wiederholten "toleranz" unsere ordnung unterminiert wird, ist kultur- und inhaltslosen ewiggestrigen (ob jetzt links oder rechts) ganz recht. auch marx wollte die gesellschaft zerstören, um den "neuen menschen" zu stilisieren...

doch wir driften ab: kleinkriminelle und anwärter für versorgungsposten können sich die grünen ruhig selbst zahlen bzw. erhalten...

in love with kate perry
12
10.5.2011, 12:59

sie kommen weil wir sie nicht konsequent genug abschieben. je länger wir damit warten umso grösser wird das unverständnis seinwenn wir es dann doch tun bzw. umso gefährlicher wird der unmut der autochtonen europäischen bevölkerung in bezug auf ihr wahlverhalten.

was ich damit meine ist, dass wir um jeden preis so schnell wie möglich eine situatino erzeugen müssen, in der moslems europa verlassen und keine neueinwanderer kommen. alles andere endet in einer tragödie.

felixat
01
10.5.2011, 09:26
und bei den afrikanischen christen wuerdest net motzen?

Des glaub I erst wenn ichs seh... Grenzen auf zu nigeria?

Promille Prolet
01
11.5.2011, 13:29
doch, würde ich

den fehler machen viele, dass sie hautfarbe, religion, kultur und ideologie beliebig vermischen und nimmer wissen was sie reden.

ich bin gegen alles, was meine freiheit und meine sicherheit beschränkt. die hautfarbe eines menschen ist mir total wurscht, aber kultur und sozialisierung machen den riesenunterschied. viele wettern sinnlos und verallgemeindernd gegen den islam, und vergessen dabei, dass es nicht der islam an sich ist, der die sache gefährlich macht. es ist die grundhaltung eines menschen, dinge wie religion (gleich welche), ehre, moral etc. als höhere güter anzusehen und dinge wie die persönliche freiheit anderer als geringere güter anzusehen.

in love with kate perry
12
10.5.2011, 09:48

richtig. nachdem die christen in den meisten islamischen ländern verfolgt werden sei es vom staat oder von den muslimischen bewohnern, halte ich es für das richtige, die christen in europa aufzunehmen und im gegenzug muslimische straftäter verstärkt in ihre heimat bzw. die heimat ihrer eltern/grosseltern abzuschieben. so baut man konflikte in der islamischen welt ab und hier wird die islamisierung gestoppt. wer als moslem trotzdem einwandern will, kann er ja vorher zum christentum übertreten.

chelene chirsch
12
10.5.2011, 13:46

die frage wäre ja auch, ob christen e.g. in somalia dieselben möglichkeiten offenstehen wie bspw. muslimischen grossfamilien.

ich behaupte angesichts der anderen situationen (ob ägypten oder türkei), dass dem schlicht nicht so ist. somit ist auch der flüchtlingsstrom (dankenswerterweise verzichtet die presse immer mehr auf das wort "asyl") mit wenigen christen charakteristisch.

Ernst Kratochwil
15
Nutzen aller erfolgreich aufnimmt. Aber wir brauchen ja keine Immigranten....

Stimmt. Man sollte vorerst versuchen die vielen Millionen an Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Vor allem die Millionen von Zuwanderern die weder in der Gesellschaft noch am Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben.

Wozu sollen neue Massen von Zuwanderern aufgenommen werden, wenn wir die vorherigen (und deren Kinder) nicht integrieren können?

world-citizen
11
10.5.2011, 10:47
Sie sind einer von denen............

........... dieer ihren eigenen Migrationshintergrund nicht nur vergessen haben, sondern ihn auch noch beharrlich leugnen.

Ernst Kratochwil
01
10.5.2011, 16:09
Da Österreich nicht die Wiege der Menschheit sein wird,

haben Sie natürlich irgendwie recht.

Nur hat das trotzdem nix mit dem Thema zu tun.

LGL
04
öffne wenigstens Deine Wohnung für EINEN Migranten,

wenn das alle tun die Deiner Meinung sind dürfte das Problem wohl ein für alle Male gelöst sein.

LGL
05
Die innereuropäische Reisefreiheit kann nur funktionieren wenn es Aussengrenzen gibt,

die niemand überschreiten kann, den Europa nicht frei reisen lassen möchte. Alles andere ist populistische Augenauswischerei.

Der Preis der ReisefreiheIt sind ganz einfach SICHERE AUSSENGRENZEN. Wir zahlen ja schon längst für FRONTEX, wir können also mit Recht erwarten, dass die das tun wofür wir zahlen. Und wenn es nicht reicht müssen wir eben mehr dafür zahlen, aber das muss auch gut begründet sein.

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