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vergrößern 614x512Gehörte einst der Wiener Fabrikantin Jenny Steiner: "Häuser am Meer" von Egon Schiele.
Wien - Der Wiener Anwalt Martin Maxl ist verdutzt. Denn am 22. Juni versteigert Sotheby's London ein zentrales Gemälde aus dem Leopold Museum: Egon Schieles Häuser mit bunter Wäsche. Wenigstens 25 Millionen Euro soll es erzielen, man rechnet sogar mit einem Rekordpreis. Das vergleichbare Bild Häuser am Meer hingegen will die Stiftung Leopold nicht hergeben. Es gehörte bis 1938 der Unternehmerin Jenny Steiner.
Die Mäzenin, die in die USA floh, hatte drei Töchter. Es gibt mithin drei Erben - beziehungsweise eine Erbin, die in Wien lebende Enkelin nach Jenny Steiner, und zwei Erbengruppen, die von Maxl vertreten werden. Schon vor mehr als elf Jahren forderten die Erben das Bild zurück - erfolglos. Bekanntlich ist die Privatstiftung Leopold nicht zur Restitution verpflichtet. Doch im Juli 2010 gelangte die Michalek-Kommission zur Empfehlung, dass Häuser am Meer zurückzugeben sei, wenn das Museum Leopold eine Institution des Bundes wäre.
Im Gegensatz zur Enkelin, die angesichts ihres hohen Alters einer Abfindung wohlwollend gegenübersteht, hatten die Erbengruppen auf Naturalrestitution bestanden. Um einen Kompromiss erzielen zu können, rückten sie von ihrer Forderung ab: Sie akzeptierten den Vorschlag von Diethard Leopold, das Gemälde zu auktionieren - und den Erlös in einem bestimmten Verhältnis aufzuteilen. Doch der Vorschlag war nicht mit dem Vorstand der Stiftung, dessen Mitglied Leopold ist, akkordiert. Und der Vorstand ist gegen einen Verkauf. Er ließ sogar ein Gutachten anfertigen: Häuser am Meer sei ein unverzichtbarer Bestandteil der Sammlung und könne daher nicht veräußert werden. Vom Stifter Rudolf Leopold beauftragt, die Sammlung zu erhalten, sei es dem Vorstand daher nur möglich, Geld anzubieten.
Maxl lehnte ab: "Nur eine Auktion schafft Transparenz. Und der Erlös soll in einem Verhältnis geteilt werden, das der Sache gerecht wird. Also: Der überwiegende Teil gebührt den Erben."
Die Stiftung braucht aber langsam ein Ergebnis: Sie schrieb die beiden Erbengruppen Ende März direkt an. Man sei - nach elf Jahren - an "schnellen und fairen Lösungen" interessiert und unterbreite einen Vorschlag, der an "die absoluten Grenzen der finanziellen Möglichkeiten" gehe: Die Erben sollen 60 Prozent des geschätzten Preises von 25 Millionen Dollar erhalten. Dieses Angebot sei bis 18. April gültig.
Martin Maxl, von den Erbengruppen über das "Ultimatum" informiert, ist erbost: "Die Vorgangsweise, sich direkt an die Klienten zu wenden, ist ein unfreundlicher Akt. Und beides geht zudem nicht: Das Bild behalten zu wollen - und gleichzeitig mit finanziellen Nöten zu argumentieren."
Die Erbengruppen reagierten daher nicht. Aus Diethard Leopolds Ankündigung, dass "bald nach Ostern die Lösung präsentiert" werde, wird daher nichts. Und die Erben warten gespannt, welchen Preis Häuser mit bunter Wäsche erzielen wird: Er wird ein wichtiger Parameter werden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 10.5.2011)
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