Schuldenabbau

"Wir denken nicht im Traum an Privatisierung"

9. Mai 2011, 17:28
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    foto: apa/barbara gindl

    Auch Seilbahnen gehören zu den Beteiligungen der Länder.

Finanzministerin Maria Fekter hätte gerne, dass Bund und Länder zum Schuldenabbau Beteiligungen verkaufen. Sie stößt damit auf Ablehnung

Der Wunsch von Finanzministerin Maria Fekter (VP) nach weiteren Privatisierungen zur Budgetsanierung bleibt in der SPÖ ungehört. Finanzstaatssekretär Andreas Schieder lehnt weitere Verkäufe von Staatsbeteiligungen ab. Wenig Freude hat man auch in den Ländern, wo Fekter noch "großes Potenzial" für Privatisierungen sieht. Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) sieht keinen Grund, einen Teil der Wien Energie abzugeben.

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Wien - So schnell wird es wohl nichts mit der neuen Privatisierungswelle, die sich Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) wünscht. Wie sie am Wochenende im Standard-Interview ankündigte, will sie mit der SPÖauf Bundesebene über den Verkauf weiterer Staatsbeteiligungen verhandeln, um so schneller das Budgetdefizit abbauen zu können. Auch in den Ländern ortet die neue Finanzministerin "großes Potenzial" - etwa bei den Energieversorgern.

Die SPÖließ Fekter am Montag aber abblitzen. "Ich sehe keine Spielräume und keine Notwendigkeit für Privatisierungen" , sagte Finanzstaatssekretär Andreas Schieder zum Standard. Privatisierungen seien zur strukturellen Konsolidierung auch nicht geeignet. Ein gutgehendes Unternehmen werfe langfristig mehr ab als der Verkauf kurzfristig an Zinsersparnissen bringen: "Wir zahlen rund vier Prozent Zinsen. Der Return on Equity lag 2010 bei der Telekom aber bei zwölf Prozent."

Aber auch in den eigenen Reihen der Landesparteien darf Fekter nicht auf viel Unterstützung hoffen. "Wir denken nicht im Traum daran, die Vorarlberger Illwerke zu verkaufen" , heißt es im Büro von Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber (VP). Vorarlberg hält 95 Prozent an den Illwerken.Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (das Land hält 52 Prozent an der Energie Oberösterreich) sieht ebenfalls keine Notwendigkeit für weitere Verkäufe.

Im Büro von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll heißt es zwar, man prüfe ständig, ob Privatisierungen Sinn machen, auf den Landesenergieversorger EVN will man aber nicht näher eingehen. Allerdings hat sich Pröll zuletzt für eine Privatisierung des Flughafens Wien ausgesprochen, an dem man gemeinsam mit der Stadt Wien beteiligt ist. Pröll will die Anteile aber nur abgeben, wenn Wien mitzieht. Wien hält davon aber nichts, wie Finanzstadträtin Renate Brauner sagt. Für sie sind die Beteiligungen der Stadt "die Motoren für die Wiener Wirtschaft" , vor allem in der Krise habe sich das gezeigt.

Eine Studie von Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, bezifferte zuletzt allein das Privatisierungspotenzial in den Ländern mit mehr als 14 Milliarden Euro. Gerechnet wurde dabei, dass sämtliche Beteiligungen an Energieversorgern und Flughäfen auf 25 Prozent runter gefahren werden.

Beteiligung ohne Strategie

Von den unzähligen kleineren Beteiligungen war dabei noch gar nicht die Rede. Wobei hier auch kaum jemand den Überblick hat. In der Steiermark untersuchte zuletzt der Rechnungshof die 230 direkten und indirekten Beteiligungen des Landes - angefangen von der Energie Steiermark bis hin zur Hypo Steiermark, Berg- und Seilbahnen, Thermalbädern, Skiliften und der SK Sturm Wirtschaftsbetriebs GmbH. Eine Strategie konnte der Rechnungshof "nicht erkennen" . Wobei die SPÖ in der Steiermark 2007 durchaus bereit gewesen wäre, den Anteil an der Energie Steiermark von 75 auf 51 Prozent zu reduzieren. Damals war allerdings die ÖVP gegen einen Verkauf an die Électricité de France.

In den Augen von Wifo-Chef Karl Aiginger ist die Zurückhaltung der Länder in puncto Privatisierung unverständlich. "Den Kinderbetreuungsverpflichtungen aus Geldmangel nicht nachzukommen, aber gleichzeitig bis zu 100 Prozent an den Energieversorgern zu pochen, ist pervers." Eine Reduktion des Anteils auf 75 oder 50 Prozent brächte nicht nur wichtige Erlöse, sondern erfahrungsgemäß auch einen Effizienzgewinn. (go, as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.5.2011)

Kommentar posten
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ResiStant
00
15.5.2011, 14:12
Jede weitere Privatisierung ist völliger Unsinn

Speziell von Unternehmen, die Gewinne abwerfen.

Wenn Geld in der Kasse fehlt, würde ich mal sagen, dass man es sich dort holt, wo am meisten davon vorhanden ist, und nicht dort, wo man eh schon ums Überleben kämpft. Her mit einer ordentlichen Kapital- und Unternehmensbesteuerung! Und nicht die nächste neoliberale Steuersenkung, die nichts weiter bringt als Geld von unten nach oben zu verschieben.

Finn McCool
03
10.5.2011, 13:44
Für eine neue Privatisierungswelle ist es noch zu früh

Die Gerichte, Finanzämter und Ermittlungsbehörden sind ja noch gar nicht mit der Aufarbeitung der letzten (Schüssel-Grasserschen) Privatisierungswelle fertig. Nicht dass wieder alles verjährt, noch bevor es untersucht werden kann.

Franz Ehrenhöfer
30
10.5.2011, 13:29
Der Staat hat stets nur Schulden aufgebaut und jetzt nach der Krise fehlt das Geld doppelt.

Der Staat hat ja auch gut von der Konjunktur gelebt, nur: Die Konjunktur ist passé. Verabsäumt wurde zu sparen (wie das etwa Keynes für Zeiten der Konjunktur dringend fordert).
Jetzt ist kein Geld da. Die Zinsen fressen das Budget auf.
Die Wirtschaft schrumpft, der öffentliche Sektor muss daher auch reduziert werden (gehaltsbezogen, personenbezogen, stundenbezogen).
Dagegen wird nun demonstriert und gestreikt (Studenten, Lehrer, Postler, Richter...)
Wer fürs Sanieren der Budgetlöcher war (ÖBB, Post usw.) oder gar fürs Sparen war, der wurde mundtot gemacht mit "Kaputtsparen", "Weg in die soziale Kälte", "Sparen am Rücken der Ärmsten",..

Christoph Karl Steininger
14
10.5.2011, 13:15
Die Effizienzsteigerung kommt üblicherweise so zustande:

Die nunmehr privatisierten Energieversorger erhöhen die Preise.
So geschehen in Deutschland!

darkblue2
14
10.5.2011, 12:18

das argument, dass mit privatisierungen schulden und letztlich steuern gesenkt werden finde ich immer putzig.

wo sind den die steuersenkungen nach der letzten privatisierungswelle geblieben und wo sind die schulden gesunken? diese argumente hört man seit 30 jahren und nie sind die schulden oder die steuern reduziert worden.

und jetzt nicht auf die roten rausreden. seit 2000 ist der finanzminister immer aus der övp gekommen. nach 11 jahren finanzministeriumsherrschaft durch die schwarzen kann es nicht mehr an den roten liegen.
ich bin für privatisierung, aber für die bevölkerung sollte dabei schon auch was rausspringen. und das nicht nur hypothetisch und irgendwann mal. sondern möglichst jetzt und real.

Hinguckerl
01
10.5.2011, 12:51

ich bin gegen privatisierungen von staatsbesitz. vor allem wenn dann der bevölkerung ein nachteil erwächst, was bisher so gut wie immer der fall war. staatlich geförderte selbstbedienung am öffentlichen gut nenn ich das. wer sind die nutznießer? in-und ausländische spekulanten, das österreichische und internationale großkapital. wer sind die verlierer? wir alle! eine regierung, die nur auf wahrung ihrer pfründe fixiert ist, stört letzteres wenig.

kyselak3
 
10
10.5.2011, 12:30
das geheul möchte ich lieber nicht gehört haben,

hätte man die privatisierungslöse nicht gleich postwendend darkblue2 und konsorten in den rachen geworfen.

und:
die schwarzen sind innen mindestens genauso rot wie die roten. am rötesten sind übrigens die blauen (in der opposition tut man sich damit am allerleichtesten.)

darkblue2
00
10.5.2011, 19:48

ich muss Sie entäuschen, ich habe noch nie blau gewählt und werde es auch nie tun.
und wenn es so wäre wie sie schreiben, was hat die schwarzen eigentlich daran gehindert den blauen den mammon in den allerwerteste zu schieben?

Frank Nitti
01
10.5.2011, 12:12

Das ist der Widerstand, auch oder gerade in den eigenen Reihen wohl tatsächlich zu stark. Mit welchen tollen Posten soll man dann denn besondere Günstlinge und treue Parteigänger belohnen (oder auch entsorgen), wenn man keine Tiwag, EVN, Wienenergie usw. mehr dafür hat.

Franz Ehrenhöfer
51
10.5.2011, 11:50
Das einzige was den Roten dazu einfällt sind wieder einmal neue Steuern.

Ohne alte Steuern zu senken (ESt, LSt).
Dabei ist Österreich ohnehin praktisch Weltmeister beim Abzocken der Bürger! Unsere Sozialquote enorm. Detto die Abgabenquote:

Abgabenquote in Österreich: ca. 45 % des BIP
Abgabenquote im EU-Schnitt: ca. 38% des BIP
Abgabenquote im OECD-Schnitt: ca. 35% des BIP

Votrovo
 
11
10.5.2011, 12:23

so einfach kann man es nicht sehn! klar, wir haben eine hohe abgabenquote, allerdings auch sehr hohe transferleistungen - wenn man diese gegenrechnet ergibt sich eine durchschnittliche "reine" abgabenquote irgendwo im bereich 20 - 25 prozent! natürlich ist die verteilung darin nicht ideal! aber wir bekommen für unser steuergeld (wenn man es zb mit den USA oder andere "niedrigsteuerländer" vergleicht) noch relativ viel!

esoxLucius
04
10.5.2011, 12:17
Schon vergessen, welchen Parteien wir die letzte...

...kräftige Erhöhung bei den Lohnsteuern verdanken? Richtig, das war Schwarz/Blau.

Pezibärli
14
10.5.2011, 11:57
Das einzige was den Schwarzen dazu einfällt ist ein weiterer Verkauf des Familiensilber

und das wahrscheinlich zu Preisen die einem nur ein müdes Lächeln auf die Lippen zaubert, und an Leute des eigenen Klientels, und Provisionen für die eigene Partei. Hochegger, Maischberger und der Mainsdorf Pulli und Co. warten schon und reiben sich die Hände. Was dann mit diesen Unternehmen passiert sieht man ja gerade an der Austria Tabak. Ausserdem gehören meiner Meinung nach Energie und Wasserversorger nicht in private Hand.

Franz Ehrenhöfer
131
10.5.2011, 12:04

Der bewiesene Erfolg von Privatisierungen ist so überwältigend, dass jene zwei, drei Prozent, wo - wie überall - auch etwas schiefgeht, überhaupt keine Beweiskraft haben.
Es gibt es keinen Grund, warum die Vorteile der Privatisierung nicht auch bei Schwimmbädern, Müllentsorgung, Abwasseraufbereitung, Stromversorgung & Co funktionieren sollte. Würde das dümmliche Argument stimmen, dass dann die Grundversorgung gefährdet wäre, dann müsste man von Brot bis Milch alles verstaatlichen. Denn die sind noch wichtiger als der Müll.

Opfer einer Privatisierung sind nur Betriebsräte und Parteien, die viel an Macht verlieren, die sich nicht mehr bereichern können. Und die Politiker, die nicht mehr so tun können, als ob sie es wären, die den Bürgern

antis
 
00
10.5.2011, 14:12

ich will ein Besipiel für eine erfolgreiche Privatisiereung, die der betroffenen Bevölkerung keine Verschlechterung gebracht hat, EIN Beispiel

oblomow II
00
10.5.2011, 13:55
sie dürften ...

... bei der letzten tranche gut mitgeschnitten haben ...

Anyuser
 
00
10.5.2011, 13:55

Die letzte Privatiserung die gerade erst prominent in den Schlagzeilen war, war die Austria Tabak - wenn sie also das Schließen aller österreichischen Standorte als überwältigenden Erfolg der Privatisierung ansehen, ja dann kann ich ihnen uneingeschränkt recht geben...

gregormendel
00
10.5.2011, 13:30

die englischen bahnen, die londoner wasserwerke sprechen bände dafür ... jaja

qball
14
10.5.2011, 12:55
den selben wortlaut ...

haben sie schon um 07:31 gepostet.

lediglich der letzte absatz ist in besagtem post nicht enthalten. für textkonserven gibt's ein rotes.

darkblue2
01
10.5.2011, 12:30

brot und milch sind defacto verstaatlicht. die zahlung von subventionen und die kontingentierung von absatzmengen dient ja genau dem zweck die produktion im staatlichen und eu sinn zu lenken. eine gänzliche freie entscheidung über den einsatz von produktionsmittel haben Sie in der landwirtschaft aus dieser sicht nicht mehr.

der letzte leser
03
10.5.2011, 12:28

Und wo sind die Quellen für die behaupteten herausragenden Erfolge von Privatisierungen der Grundversorgung?

Ich könnte mir jetzt auch die Mühe machen, Quellen für das überwältigende Misslingen annähernd aller Privatisierungen in diesem Bereich zu bringen, Ich lasse ihnen aber den Vortritt.

sed s/./_242_/g
00
10.5.2011, 11:44

Da macht sich jemand schon wieder unbeliebt...

academius
132
10.5.2011, 11:39

Das ist wieder typisch für diese Sozialisten. Den Kuchen verteilen, bevor es ihn überhaupt gibt. Und leisten muss es sowieso wer anderer.
Es ist gut, dass die ÖVP als verantwortungsvolle Partei in der Regierung sitzt und nicht daran denkt wie man Geld ausgeben kann, sondern wie man es erwirtschaftet.

URKNALL
04
10.5.2011, 13:18
finden sie bitte wieder in die realität zurück

kyselak3
 
07
10.5.2011, 11:50
ich fürchte,

sie überschätzen das verantwortungsbewußtsein der ÖVP maßlos. die verteidigen ihre spielwiesen genauso mit zähnen und klauen wie die roten (siehe auch die überschrift zu obigem artikel).

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