Das Ziel sei, "Forschungsbemühungen zu fokussieren"
Wien - Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) setzt ihre
seit einigen Jahren laufenden Reformbemühungen fort. In den vergangenen Monaten
wurden eine neue Satzung, eine neue Geschäftsordnung und ein Entwicklungsplan beschlossen -
mit weitreichenden Veränderungen: Das Präsidium wurde gestärkt. Es gibt erstmals
einen Finanzdirektor und die derzeit 63 Forschungseinheiten der Akademie sollen
auf 53 reduziert werden. Das gab das ÖAW-Präsidium am Montag bei einer
Pressekonferenz in Wien bekannt.
Generalversammlung und Präsidium
Ziel der Organisationsreform sei es, "die Leitung und Steuerung der Akademie
effizienter zu gestalten", sagte ÖAW-Präsident Helmut Denk. So ist die bisher
bestimmende Gesamtsitzung, quasi die ÖAW-Generalversammlung, nur noch für
grundsätzliche strategische Entscheidungen zuständig. Von einer Entmachtung will
Denk aber dennoch nicht sprechen, es gebe etwa eine Veto-Möglichkeit. Oberstes
Exekutivorgan ist das Präsidium, das sich aus Präsident, Vizepräsident und den
Präsidenten der beiden Akademie-Klassen (philosophisch-historische und
mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse) zusammensetzt. Überwacht wird das
Präsidium von einem Akademierat, dessen 14 Mitglieder von und aus der
Gesamtsitzung gewählt werden. Der Akademierat muss auch dem Abschluss der
Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium und der Einrichtung und
Auflösung von Forschungseinrichtungen zustimmen.
Zum Finanzdirektor der ÖAW wurde mit Anfang Mai der Deutsche, bisher im
Pharmabereich tätige Peter Lotz (49) bestellt, der für Budgeterstellung und
-vollzug, Controlling, etc. zuständig ist. Die Autonomie der Leiter der
Forschungsinstitute wurde verstärkt. Sie bekommen mehr wissenschaftliche
Freiheit aber auch mehr Verantwortung, so Denk.
Entwicklungsplan und Evaluierungen
Mit dem neuen Entwicklungsplan für 2012 bis 2014 sollen "unsere
Forschungsbemühungen fokussiert werden", sagte der ÖAW-Präsident. So soll die
Zahl der Forschungseinheiten von 63 auf 53 verringert werden. Die derzeit rund
30 Kommissionen der Akademie sollen entweder in Institute umgewandelt, gänzlich
oder teilweise in Institute integriert, aufgelöst oder überwiegend beratend
tätig werden. Mittelfristig plant die ÖAW, Forschungsaktivitäten ausschließlich
in Instituten sowie in Zentren oder Clustern zu betreiben. Basis für diese
Veränderungen sollen Evaluierungen aller ÖAW-Forschungseinrichtungen sein, die
Ende 2012 abgeschlossen sein sollen.
Der Entwicklungsplan ist gleichzeitig die Basis für die Verhandlungen der
Akademie mit dem Wissenschaftsministerium über die neue Leistungsvereinbarung,
die künftig ähnlich wie zwischen Unis und Ministerium abgeschlossen wird und
über die Budgetierung entscheiden soll. Die Gespräche darüber haben vergangene
Woche begonnen und sollen bis Herbst abgeschlossen sein.
Finanzsituation
Für Denk ist die
Finanzsituation der Akademie "kritisch": "Ohne Budgeterhöhung besteht die Gefahr,
dass der Entwicklungsplan Makulatur wird". Auch ÖAW-Vizepräsident Arnold Suppan betonte, dass das "sehr ambitionierte
Forschungsprogramm nicht ohne Erhöhung der finanziellen Mittel geht". 2010
standen der ÖAW 87,5 Mio. Euro zur Verfügung, 2011 sind es 91,3 Mio. Euro. Dazu
kommen jeweils noch Mittel der Forschungsstiftung sowie Zweit- und Drittmittel.
Als "schwierigste Sache" bewertete Suppan die fehlenden Baumittel, hier würden
etwa für den Neubau eines Instituts für Teilchenphysik oder die Fertigstellung
der Limnologie am Mondsee 20 Mio. Euro auf drei Jahre benötigt.
Angesichts der "völlig ausgetrockneten" Forschungseinrichtungen der ÖAW ist
laut Suppan eine Budgeterhöhung von fünf bis zehn Prozent notwendig. "Wenn das
nicht kommt, muss es ganz radikale Einsparungsmaßnahmen geben", so Suppan. (APA)