41-facher Durchschnittslohn für ATX-Vorstände

9. Mai 2011, 14:48
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AK-Analyse: Top-Gehälter und Dividenden liegen schon wieder auf Vorkrisenniveau

Wien - In den Vorstandsetagen der österreichischen Top-Konzerne ist laut Arbeiterkammer (AK) Grund zum Jubeln angesagt: Eine AK-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Spitzenmanager der ATX-Unternehmen 2010 im Schnitt 1,15 Millionen Euro verdienten - so viel wie vor der Krise und um ein Fünftel mehr als 2009.

Das 41-Fache eines Beschäftigten

Ein Top-Vorstand erhielt damit das 41-fache eines durchschnittlich Beschäftigten an Gage. Vor zehn Jahren war es noch "nur" das 20-Fache.

Während die Zahlungen von Boni an die Manager um fünf Prozent gestiegen sind, wurden die Grundgehälter in der Vorstandsetage um beinahe 20 % erhöht und darüber hinaus enorme Abfindungen bezahlt. Am meisten verdienen die Vorstandsmitglieder der OMV (durchschnittlich 2,2 Millionen Euro pro Kopf), gefolgt von Semperit (2,1 Millionen, vor allem durch hohe Abfertigungen und Abfindungen), Andritz (1,9 Millionen), Raiffeisen Bank International (1,5 Millionen) und Erste Group (1,4 Millionen).

Auch die Aktionäre würden enorm von der günstigen Wirtschaftslage profitieren: Für das laufende Jahr werden die Eigentümer der ATX-Unternehmen mit 2,1 Milliarden Euro Dividende belohnt, "damit liegt das Volumen wieder am Niveau von vor der Krise. Gleichzeitig geht der Personalabbau weiter", kritisiert AK-Präsident Herbert Tumpel. "Aus dem Aufschwung für Manager und Aktionäre muss ein Aufschwung für alle werden", fordert er. "Es kann nicht sein, dass nur einige wenige von der Konjunkturerholung profitieren, während die Beschäftigten mit Sparmaßnahmen und Personalabbau unter Druck gesetzt werden."

TA vor OMV und Erste

Den Dividendenreigen führen die Telekom Austria (332 Millionen Euro), die OMV (299 Millionen) sowie die Erste Group an (265 Millionen). Umgekehrt geht in den ATX-Konzernen der Personalabbau weiter: 2009 verloren 20.000 Beschäftigte ihren Job, 2010 bauten die Firmen 4.000 Beschäftigte ab. "Personalabbau auf der einen Seite, Top-Gagen und Spitzendividenden auf der anderen Seite: So darf das nicht weitergehen. Alleine bei einer Reduktion des Ausschüttungsvolumens um ein Viertel könnten rund 13.000 Arbeitsplätze finanziert werden", so Tumpel.

Aus seiner Sicht sollten deshalb "gerade die Leitunternehmen ihre Gewinnsteigerungen investieren, Arbeitsplätze sichern und ausbauen, statt einzig mit hohen Dividendenzahlungen um die Gunst der Aktionäre zu buhlen". Längst überfällig sei auch eine staatliche Bremse für die Managergagen: "Unternehmen sollen nicht mehr als 500.000 Euro Vorstandsgage pro Kopf von der Steuer absetzen können." Überdies fordert Tumpel einmal mehr gesetzlich verbindliche Regeln für Vorstandsgehälter: Boni sollen nicht an die Steigerung des Aktienkurses geknüpft werden, sondern sich an nachhaltigen Kriterien wie etwa Qualifizierungsmaßnahmen oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze orientieren. (red)

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