Juli Zeh will sich deutscher Volkszählung verweigern

9. Mai 2011, 14:33
78 Postings

Schriftstellerin sieht Frage nach Migrationshintergrund kritisch - Volkszählung beginnt Montag

Berlin - Die Schriftstellerin Juli Zeh will sich der am Montag in Deutschland beginnenden Volkszählung verweigern. „Ich weiß, dass ich gesetzlich verpflichtet wäre zu antworten“, sagte Zeh der „tageszeitung“ (Montagsausgabe) in einem Streitgespräch mit dem Vorsitzenden der Zensuskommission Gert G. Wagner. „Ich werde mich trotzdem verweigern, sollte ich unter den Auserwählten sein.“ Sie würde dafür auch ein Bußgeld in Kauf nehmen und dagegen klagen, sagte die Juristin.

„Genauso wenig wie ich will, dass der Nachbar in meinen Schubladen wühlt, will ich mir Fragen stellen lassen müssen, die meinen persönlichen Lebensbereich betreffen“, sagte Zeh der „tageszeitung". Kritisch sieht sie die Frage nach dem Migrationshintergrund. Diese verschärfe den „angeblichen Kampf der Kulturen". Wagner konterte, damit werde die „Diskussion über das Leben von Einwanderern auf eine rationale Grundlage gestellt". Sorgen vor einem Missbrauch der Daten seien „irrational". „Es geht um Statistik und nicht um Spitzelei“, sagte er.

Nach 24 Jahren startet am Montag erstmals wieder eine Volkszählung in Deutschland. Auskunft geben müssen Immobilienbesitzer, Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften und zehn Prozent der Einwohner, die zufällig ausgewählt werden. Im Rahmen des Zensus 2011 werden stichprobenartig fast acht Millionen Menschen nach Bildung, Erwerbstätigkeit oder Migrationshintergrund befragt. Ein Großteil der Daten stammt aber aus Verwaltungsregistern. In erster Linie geht es darum, die exakten Einwohnerzahlen für Deutschland, die Bundesländer und die Kommunen festzustellen. Die letzte Volkszählung in der damaligen Bundesrepublik war im Jahr 1987. In der DDR wurde das letzte Mal 1981 gezählt.  (APA/dpa)

  • Juli Zeh, Autorin und Juristin.
    foto: khm

    Juli Zeh, Autorin und Juristin.

Share if you care.