Mit dem Gokart durch die Shoppingmall

9. Mai 2011, 12:18
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Beim Einkaufszentrum von morgen sind nicht nur Branchenmix und Lage, sondern auch das richtige Angebot an Abenteuer und Erholung wichtig

Bei Wohnhäusern und Büros ist Nachhaltigkeit längst schon Thema. Im Wohnbereich sorgen strenge Förderrichtlinien dafür, im Office-Bereich gibt es immer mehr anerkannte Zertifizierungen, mit denen sich Projektentwickler und Investoren die Ökologie an die Fahnen heften können.

Nicht so bei Shoppingcentern. Hier gibt es weder international anerkannte, entsprechend adaptierte Zertifizierungen noch ausreichend Projekte, die mit positivem und nachahmenswertem Beispiel vorangehen. "Jeder spricht von Sustainability, aber die Wirklichkeit sieht meist anders aus", sagt Hanna Bomba-Wilhelmi, Geschäftsführerin des Immobilien-Consulters RegioPlan. "Bei Einkaufszentren herrscht weltweit noch ein immenser Nachholbedarf."

Allein in Österreich gebe es unter den Top 100 Shoppingmalls rund 20 Standorte mit großen Leerständen. "Kein Wunder, viele Projekte werden nicht bis zum Ende durchdacht", meint Bomba-Wilhelmi. "Man macht alles Mögliche für den Investor und für den Mieter, aber viel zu wenig für den Endkonsumenten. Nachhaltigkeit sieht anders aus." Um das zu ändern, veranstaltet RegioPlan kommenden Donnerstag das 13. Shopping-Center-Symposium. Titel der heurigen Veranstaltung: "Diamonds are forever. Nur echte Werte haben Bestand."

Superlative sind zu wenig

"In der Boom-Zeit wurde wie verrückt gebaut, und viele wollten nur das schnelle Geld machen", sagt Reinhard Madlencnik, Ressortleiter des Bereichs Real Estate, Bank Austria. "Spätestens seit der Krise wissen wir, dass wir ohne die richtige Lage, ohne die richtige Funktionalität und ohne den richtigen Branchenmix nicht weit kommen. Reine Superlative und interessante Architektur sind zu wenig. Ich denke, wir haben alle aus der Krise gelernt."

Wertvolle Faktoren, die ein EKZ stärken, seien beispielsweise soziale und ökologische Verantwortung. "Punktuell sind soziale Faktoren und Aufenthaltsqualität im EKZ-Bau durchaus zu finden, aber sie sind wirtschaftlich kaum oder nur schwer messbar", so Madlencnik. Ein großer Vorteil seien daher die Reglementierungen der Aktionäre: "Manche Investoren dürfen ihre Fonds-Gelder gar nicht mehr anders anlegen als in grüne Projekte. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit."

Shopping und Erlebnis

Alleinstellungsmerkmale wie etwa Abenteuer, Spaß und Erholung sind auch für Markus Neurauter, Sprecher der Geschäftsführung, Raiffeisen evolution, die wichtigste Anforderung an das Shoppingcenter von morgen: "Früher hat es gereicht, einen Einkaufstempel auf die grüne Wiese zu stellen, und die Leute kamen in Scharen. Heute muss man Welten entwickeln, die die Bedürfnisse, Trends und Anforderungen der Kunden berücksichtigen."

Einen etwas anderen Stellenwert als in Mittel- und Westeuropa hätten die Malls in CEE und SEE, meint Manfred Wiltschnigg, Vorstand der Immofinanz Group: "Im ost- und südosteuropäischen Raum sind attraktive Gastronomie- und Entertainmentbereiche für die Besucher genauso wichtig wie die angebotenen Einkaufsmöglichkeiten. Viele Menschen verbringen oft den ganzen Samstag mit ihrer Familie im Shoppingcenter."

Zur Ausstattung dieser Entertainment-Paläste zählen nicht nur Erlebnisgastronomie, Multiplex-Kinos mit einer großen Auswahl an Filmen und konsumfreie Zonen mit einer gewissen Aufenthaltsqualität, sondern in einzelnen Fällen auch Sportliches. Wiltschnigg: "Ich kenne auch EKZs mit Elektro-Gokart-Bahnen. Da können die Männer fahren, während die Frauen shoppen." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.5.2011)

Hinweis

13. Shopping-Center-Symposium: Donnerstag, 12. Mai, Aula der Wissenschaften, 1010 Wien. U. a. mit einem Vortrag von Peter Koslowski (siehe Interview).

Info und Anmeldung: www.regioplan.eu

  • Das Shoppingcenter "Promenada" in Bukarest von Raiffeisen evolution: Auf dem Dach soll ein grüner Freizeitbereich errichtet werden. Die Fertigstellung ist für das 4. Quartal 2013 geplant.
    foto: raiffeisen evolution

    Das Shoppingcenter "Promenada" in Bukarest von Raiffeisen evolution: Auf dem Dach soll ein grüner Freizeitbereich errichtet werden. Die Fertigstellung ist für das 4. Quartal 2013 geplant.

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