Mathias Rohe will gut ausgebildete Muslime nicht "verprellen" und sieht islamische Scharia längst an europäischen Gerichten in Anwendung
Der deutsche Islamwissenschafter Mathias Rohe, der vor fünf Jahren eine Studie für das österreichische Innenministerium erstellt hatte, beschreibt in einer neuen Untersuchung, dass die Mehrheitsbevölkerung sich oft nicht im klaren sei, dass auch eine religiöse Minderheit Rechte habe. Es gehe daher schon rein verfassungsrechtlich nicht, dass man Muslimen in Österreich nicht erlauben wolle, sich eine eigene religiöse Infrastruktur zu errichten, erklärt Rohe im Interview mit Ö1.
Das könne laut des Islam-Experten zur Folge haben, dass gerade junge und gut ausgebildete Migranten mit muslimischen Hintergrund Österreich und Deutschland wieder verlassen würden. "Das sollte uns nun wieder nicht passieren, dass wir Leute, die es in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben, verprellen und in den Rückzug treiben", sagt Rohe. Viele dieser Menschen seien es schlichtweg leid, "sich ständig für ihren Glauben rechtfertigen zu müssen." Zudem seien sich viele Muslime unsicher, welche Tradition sie in Europa noch leben sollen und welche nicht.
Scharia längst an europäischen Gerichten
Für besondere Aufregung sorgt Rohe mit der Behauptung, dass die islamische Scharia längst an deutschen Gerichten Anwendung finde. Der Islam-Experte beruft sich dabei auf einen Fall, bei der auch die Zweitfrau eines Irakers einen Aufenthaltstitel zugesprochen bekam. Begründung: Nach fünf Jahren Ehe in Deutschland sei es ihr nicht zuzumuten, dass sie alleine in den Irak zurückkehre.
Auch in Österreich sei ein ähnlicher Fall bekannt, so Rohe. Der Oberste Gerichtshof habe ein Urteil gefällt, bei dem es um internationales Unterhaltsrecht bei einem österreichisch-saudiarabischen Fall ging. Man habe dabei festgestellt, dass hier saudiarabisches Unterhaltsrecht anzuwenden sei. Allerdings sei schon ganz genau geprüft worden, ob dies mit den Grundwerten der österreichischen Rechtsordnung vereinbar sei, betont Rohe. (red)