Grünes Licht für umstrittene Reformen

8. Mai 2011, 19:39
  • Artikelbild
    foto: ap/ochoa

    Ecuadors Präsident Correa freut sich live im Fernsehen, als er die Ergebnisse der umstrittenen Volksabstimmung erfährt.

Wähler stimmen bei Volksabstimmung für Plan der Regierung - Opposition fürchtet um Medienfreiheit

Quito/Puebla - Die Ecuadorianer haben in einer Volksbefragung Präsident Rafael Correa und seiner linkspopulistischen Bürgerrevolution den Rücken gestärkt.

Ersten amtlichen Hochrechnungen zufolge stimmten am Samstag zwischen 46 und 51 Prozent insgesamt zehn Fragen zu, die Correa ausgearbeitet hatte, darunter ein Verbot von Glücksspielen und Stier- und Hahnenkämpfen. Außerdem wird es künftig im Strafgesetzbuch das Delikt der "ungerechtfertigten Bereicherung" geben. Auch die besonders umstrittenen Punkte zur Einrichtung eines Medienkontrollrates und einer Justizreform kamen demnach durch, ebenso wie das Verbot für Finanzinstitutionen und Medienkonzerne, in anderen Branchen tätig zu werden.

Allerdings war der Vorsprung knapper als von der Regierung erhofft. Zwischen 39 und 43 Prozent - je nach Frage - lehnten den Hochrechnungen zufolge die Vorlagen ab. Beim Medienrat lag der Vorsprung für das Ja demnach nur bei zwei Prozentpunkten. Die bürgerliche Opposition und Kritiker aus dem linken Lager fürchten, dass die Regierung nach dem Modell Venezuelas ihre Kontrolle über Medien und Justiz ausbaut.

"Dies ist ein Sieg des Volkes und der Demokratie und ein weiterer Schritt hin zu einem neuen Vaterland" , verkündete Correa am Abend. Vizepräsident Lenin Moreno forderte den Kongress auf, den Volkswillen nun in Gesetzesform zu gießen. Fünf der Fragen erfordern Änderungen an der 2008 verabschiedeten Verfassung.

"Wir können auf keinen Fall von einem Erdrutschsieg für die Regierung sprechen" , sagte hingegen der Ökonom Alberto Acosta, ehemaliger Vorsitzender der Verfassungsgebenden Versammlung und heute Kritiker Correas. "Wenn man die Enthaltungen und ungültigen Stimmen mitzählt, hat die Hälfte der Bevölkerung mit Nein gestimmt."

Dies ist der sechste Sieg an den Urnen des seit 2007 amtierenden Staatschefs. Er kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. 2010 wurde Correa bei Unruhen und Protesten der Polizei fast gestürzt. Besonders in der Mittelschicht ist er wegen seiner polarisierenden Art in Ungnade gefallen. Auch ehemalige Verbündete wie die Indigenas und Umweltschützer fühlen sich wegen seiner industriefreundlichen Politik von ihm verraten.

Viel mehr als Kritik am Präsidenten eint die Opposition nicht. Bei zwei Dritteln der Bevölkerung ist Correa weiter populär, nachdem er den Mindestlohn angehoben, die Steuern für ausländische Erdölkonzerne angehoben und den Ausbau des Gesundheitssystems und der Sozialwohnungen vorangetrieben hat. 2013 stehen Präsidentenwahlen an, der 48-Jährige darf erneut kandidieren. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2011)

Kommentar posten
17 Postings
Nirgendwo
02
Erstaunlich, wo überall Volksbefragungen stattfinden.

Nur wir in der EU haben das Maul zu halten und alle 4 Jahre einer von mehreren vorgefertigten Listen zuzustimmen.

TrueFalse
14
Die bürgerliche Opposition und Kritiker aus dem linken Lager fürchten, dass die Regierung nach dem Modell Venezuelas ihre Kontrolle über Medien und Justiz ausbaut.

Also letztens habe ich eine Doku über Venezuele gesehen und ich glaube es gibt sonst keinen Staat auf der Welt wo die "Medien" so über ihren Präsidenten berichten dürfen.

Dort sind über 80% der Meldungen über CHavez negativ. Von Kontrolle ist dort keine Spur.

Aber wenn wir bei Kontrolle sind, brauchen wir ja nur ein bisschen weiter nördlich schauen.

Wenn ich bedenke, dass 90% der Medien in den USA in 2 Händen sind, dann würde ich mir auch einen Medienkontrollrat wünschen.

Aber tue dass was wir sagen und nicht was wir selbst tun.

renato illuminato
12
super sache verbot von glücksspiel,

hahnenkämpfen, aber vor allem die ungerechtfertigte bereicherung unter strafe zu stellen, finde ich für eine demokratisch gewählte regierung wirklich revolutionär. er ist wirklich sympathisch nur hat er einen gewissen interessenskonflikt mit indigenen aus dem dschungel die einfach nicht mehr im dreck der ölkonzerne leben wollen und eine massive widerstandsbewegung formieren. laut correa seien diese bewegungen vom ausland gesteuerte die die oppositionellen im land ünterstützen sollen. der gescheiterte putsch der polizei hat gezeigt daß die bevölkerung sehr wohl correa stärkt wenn es darauf ankommt die rechte opposition in schach zu halten.

Ernst Guevara
12
dieses posting

bringt in wenigen zeilen vieles auf den punkt und ist informativer als die vor fehlern strotzenden schulaufsätze jemals sein werden, die sandra weiss in puebla/mexiko über ecuador verfassen wird. danke, renato.

omar
12
correa

forward ever, backward never!

Der Neue Mensch
00

"Vorwärts immer, rückwärts nimmer" war schon das Motto von Erich Honecker. ;-)

Outlaw
00

Warum schaut der Armin Assinger da so verzwickt?

papst benedikt
14

solche volksabstimmungen sind ja nichts wert. besser man liesse frau weiss, ihre journalistenkollegen und die transnationalem konzerne abstimmen, als die bürger ecuadors :)

auch gut:
""Wenn man die Enthaltungen und ungültigen Stimmen mitzählt, hat die Hälfte der Bevölkerung mit Nein gestimmt." "

ja eh. wenn man die nichtwähler in österreich dem strache zurechnet, dann wäre er auch kanzler. leider sind solche abstrusen vorschläge noch nicht in der verfassung verankert :)

Apocalypse
14

Erstens ist es eine großartige Sache das Volk zu befragen, das wird uns Österreichern vorenthalten und die Mehrheiten sind überwältigend gegenüber jener der diversen Regierungszusammensetzungen in den kap. Ländern. Viva Correa!

Der Neue Mensch
41

Es gab mal jemanden, der hat das Volk gefragt: "Wollt ihr den totalen Krieg?", war zwar nicht repräsentativ, aber eine repräsentative Volksbefragung hätte damals wohl auch eine deutliche Mehrheit bekommen.

Funkel
01
Davon träumen Leute wie Sie,

daß die Sportpalastrede von Goebbels eine Volksbefragung gewesen wäre.
Hier war ausgewähltes Publikum anwesend, fast alle in Uniform.

Der Zwersch
00
10.5.2011, 05:32

Hitler hat sich darüberhinaus durchaus dem Wählerwillen gestellt...mit den in Diktaturen üblichen hohen Zustimmungswerten.

Apocalypse
10

Der Vergleich hinkt schon gewaltig und was ist dein Problem bist etwa für Stierkämpfe? Für unverschämte Bereicherung?

Volksbefragung in Ö:
Wer soll für die Krise zahlen?
Alle
Pensionisten
nächste Generation
Verursacher (Banker, Finanzdienstleister)

Wollen wir Abfangjäger?
Ja
Nein

Was wären deine Antworten? Verursacher wäre wohl die Correa Meinung...
Übrigens Hitler machte alle anderen vorher mundtot, und er hatte keine Ausländischen Mächte gegen sich die im Land Meinung gegen ihn machten, bzw. wurden die Kommunisten, Gewerkschafter und Sozis eingesperrt oder schlimmer

Der Zwersch
00
10.5.2011, 05:30

Ihre Beispiele sind ein gutes Beispiel gegen Volksbefragungen.

1. Verursacher...mal von dem Populismus abgesehn, würden eben bei dieser Wahl alle bezahlen. Oder wie würden sie Kunden einer Bank davor bewahren können doch für eine Krise zu zahlen?

2. Abfangjäger...diese Problematik ruft ausserhalb Österreichs nur Verwunderung hervor oder wie glauben sie stellt man sich ein Land vor das nichtmals seinen eigenen Luftraum überwachen kann?

TrueFalse
10
ja und

bei uns war das vor 70 Jahren.

Ich freue mich, dass man in den USA keine Umfrage macht, ob das Volk will, dass man den Iran bombt...
Auch in Israel würden vermutlich 90% des Volkes dafür Stimmen, die Länder rund um Israel wegzubomben. Abgesehen davon, dass auch die Zustimmung in arabischen Ländern um 90% liegen würde, was das Bomben Israels angehen würde.

Ihr Beispiel ist idiotisch und denken sie mal darüber nacht

Mike Müller
 
00
23.3.2012, 11:02
Wo nehmen sie bitte die Arroganz her

Menschen (bei Ihnen Volk) dummheit und verführbarkeit zu unterstellen. Vermutlich ist es genau anders herum. Zur Zeit sind die im Fokus die Laut und agressiv sind es liegt jedoch in der Natur das bedächtige Menschen eher ruhiger sind.
Aus diesem Grund würde ich stark bezweifel das man bei einer fairen Befragung wirklich zu Ihren Ergebnisse käme. Das Problem bei beiden Ländern ist das vermutlich die Befragung nicht fair verlaufen würde.
Ich bin mir sicher dass bei einer fairen Befragung die Iraner wie das Israelische Volk nicht so stimmen würde wie sieh meinen. Ich für meine Person vertraue den Menschen eines Landes weit mehr wie jedem Politiker. Vielleicht liegt es daran das ich in CH lebe und verschieden Meinungen akzeptiere.

BobaFett
00

sieht nach echt boesen blaehungen aus, Correa!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.