Amoklauf in bester Laune

8. Mai 2011, 19:28
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    foto: florian schulte

    Die Kanadier Death From Above 1979 ließen das Publikum seine Kinderstube vergessen: Voll arg surfte man über den Köpfen anderer Gäste - ein schönes Fest.

Derbes vor Feingeistern, Laptop-Gewese vor Testbildkunst. Das Programm des zweiten Wochenendes verdeutlichte das Motto "Nodes, Roots & Shots" - und gab sich durchwachsen

Krems - So schön es auch zirpte, blubberte und die lieblichsten Melodien zeitigte, anschauen wollte man sich Gold Panda nicht. Das Kremser Donaufestival rief am zweiten Wochenende kurz ein Phänomen in Erinnerung, das man glücklich verdrängt hatte: den Laptop-Artisten "live". Die Karl-Heinz Grassers der Musik, Abteilung: Was war meine Leistung?

Gut, ein bisserl Cursor-Action und Dioptrien-verachtende Netzhautperforation via Bildschirmstrahlung soll man nicht kleinschreiben, dazu den Apple- oder Mikrosoft-Shakin'-Stevens geben - derlei Multitask-Fähigkeit vor einem Bühnenbild der Marke ORF-Testbild von 1985 war durchaus beachtlich. Aber dann doch nicht sehenswert in dem Sinne, dass man dabei sein will, wenn jemand so etwas "live" abruft und aufführt. Zwar tänzelten unverbesserliche Hedonisten, zu einem mitreißenden Auftritt hat doch fast alles gefehlt.

Aus demselben Grund überspringen wir den Auftritt des britischen Duos Mount Kimbie - um vom Auftritt der kanadischen Rabiatperle Death From Above 1979 zu berichten.

Die nach einigen Jahren Pause wiedervereinte Formation festigte mit ihrem Auftritt ihren Ruf als unerbittliches Brutalisten-Duo mit Feingefühl. Feingefühl bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Stücke von DFA79, das sind derbe In-your-face-Eruptionen, trotz aller Garstigkeit nicht ihre Wiedererkennbarkeit einbüßen. Zusätzlich verdeutlichten Jesse F. Keeler an Bass oder Synthesizer und Sebastien Grainger als singender Schlagzeuger bei ihrem Österreichdebüt, dass man trotz akustischer Amokläuferei bester Laune sein kann.

Dieses Temperament übertrug sich auf das anwesende Kunstpublikum, das sogleich in die Niederungen popkultureller Begeisterungsformeln köpfelte und sich dem auf jedem Kommerzfestival verbotenen Crowdsurfing hingab: Blut, Schweiß und Tränen, gefühlsecht. Das hat man beim Donaufestival noch nicht oft gesehen, und eine Lesung mit Geräuschen, zu der etwa Laurie Anderson am Donnerstag lud, bot da natürlich keinen vergleichbaren Anlass.

Bestätigungsprogramm

Death From Above 1979 kamen also, sahen - und drückten bis zum Anschlag durch. Wobei trotz nachhaltiger Wirkung der Darbietung festgehalten werden muss, dass ihr Auftritt höhepunktlos blieb. Schließlich brachten die beiden ihre Kunst schon mit dem ersten Stück auf den Punkt, der Rest war Bestätigungsprogramm zu wechselnder Instrumentierung. Nicht schlecht, aber nicht superb. (Karl Fluch/ DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2011)

Kommentar posten
17 Postings
T. B.
01
12.5.2011, 09:28

komm, opa, ab in die pension.

chob13
00
10.5.2011, 15:21
GUIDELINE

Wer auf erdigen Rock steht - GUIDELINE

Hier das Video der ersten Single: http://www.youtube.com/watch?v =zyhbVrbz3tc

Hier gibts Gratis-Songs der Band GUIDELINE: http://www.facebook.com/#!/gui delineband?sk=app_2405167945

bloss so,
chob 13

TheAgelessStranger
00
10.5.2011, 13:43
dfa1979

endlich! seit 2005 musste ich also auf dieses konzert warten. spitze, die zwei guys endlich einmal live gesehen zu haben.
super stimmung. obwohl: meiner meinung nach hätte es publikumsmäßig ruhig noch etwas härter zugehen können, aber die teens von heute haben ja keine ahnung von einem ordentlichen pogo-mash...

DMD
01
10.5.2011, 01:54
FM4 Habererevent

nord
00

ein gitarrist auf die gitarre einhauend ist für mich optisch genauso langweilig wie ein elektroniker hinter dem laptop

Cause Perdue
01

Am Samstag nicht mehr dort gewesen oder kommt da noch was?
Die fulminanten The Irrepressibles wären nämlich schon eine Erwähnung wert. Ladytron konnten mich dagegen nicht begeistern, die waren recht lustlos und sind ohne Zugabe abgrissen.

qwerty6
00
naja

verwundert auch nicht wirklich. bei dem lustlosen publikum, dass da rumgewandert ist den ganzen abend. fand ich schade, ladytron waren sonst immer grosse klasse live. und die wirklich von jahr zu jahr schircher werdende location ist auch nicht grad stimmungsfördernd.

aphex
22

Im Grunde steht hier: Fluch findet elektronische Musik scheiße, weshalb er sich erst gar nicht erst mit Mount Kimbie beschäftigt. I mecht Kritiker wern!

DMD KIU LIDT
11
was war öder?

Krems oder Karlsplatz?

Bin unschlüssig. Sehr österreichisch das alles.

guzo
52
"Die Karl-Heinz Grassers der Musik, Abteilung: Was war meine Leistung?"

Peinlich, peinlich, Herr Fluch....
Haben Sie derartiges wirklich notwendig? Zum Glück bin ich schon zu alt zum Fremdschämen.

Renquist
54

es gibt nur wenige, gute, elektronische liveacts, das ist leider richtig. dennoch ist der erste absatz eine frechheit. kommentieren sie doch bitte confetti-tv oder radio arabella oder sowas ...

Crake
 
36

Anscheinend sind die Maria Fekters der Musik für die Konzertkritiken im Standard zuständig.

phaeluxx
55
Aha, Herr Fluch...

..in den ersten beiden Absätzen wollten Sie also Ihre absolute Ahnungslosigkeit von elektronischer Musik erbarmungslos zur Schau stellen.
Ist schon klar - aus dem VIP Bereich heraus, wo doch die herrlichsten Wurstplatten und Zipfer-Döschen griffbereit stehen, kann der Eindruck schonmal getrübt werden

Stadtmann
21

Diesmal gebe ich dem Fluch recht. Was sich insgesamt im Bereich elektronischer Musik in A tut ist zum Gähnen. Entweder dümmlich nachgespieltes Industriegeklampfe und pupertäres Laptopsampling oder eine Mischung aus gotischem Gewäsch und Uraltpunk. Mit peinlichen Visuals aufgeführt macht das sicherlich noch keinen Gig.

phaeluxx
01

muss wohl doch schon im letzten jahrtausend gewesen sein, wo du einen club im inneren gesehen hast...

und nein, den kurzen flex-besuch nach deiner feuchtfröhlichen firmen-weihnachtsfeier darfst du nicht dazu zählen

aphex
00

Dorian Concept ist großartig!

Makro 24/7
02

Armes Krems!

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