Traunkirchner kämpfen um die Spitzvilla

8. Mai 2011, 18:05
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Oberösterreich will die Spitzvilla am Traunsee loswerden - Dagegen wehrt sich nicht nur eine Reihe von Ausflüglern, sondern auch der schwarze Bürgermeister - Er fordert die Landes-VP auf, einen Verkauf zu verhindern

Traunkirchen - Ebensee, Bad Goisern, Linz und sogar Wien haben Listen angefordert. Das hat Manfred Schindlbauer dann doch überrascht. Doch wer einmal zur Sommerfrische am Traunsee war, kennt höchstwahrscheinlich das Kulturgut - die Spitzvilla in Traunkirchen, erbaut 1870 und 1897 von Carl Rudolf Freiherr von Slatin, besser bekannt als Slatin Pascha, erworben. Dort gingen Persönlichkeiten wie der britische König Eduard VII. und Kaiser Franz Josef ein und aus. Von diesem geschichtsträchtigen Gebäude erwägt sich der Eigentümer, das Land Oberösterreich, zu trennen. Was offenbar nicht nur die Bewohner von Traunkirchen erzürnt.

Schindlbauer, einer der verärgerten Bürger, hat inzwischen eine Initiative gegründet und sammelt Unterschriften gegen einen drohenden Verkauf. 2000 haben bereits unterschrieben. Bei Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) hat er um einen Termin angesucht, um ihm die Liste zu überreichen. Eine Antwort steht noch aus.

Seit 1976 ist das Land in Besitz der Spitzvilla. Im Sommer wird sie gern als Ausstellungs- und Veranstaltungsmöglichkeit genutzt. Ein Teil des Gebäudes ist an einen Wirt verpachtet. Diese Pacht läuft Ende des Jahres aus. Das Land, so meinte Pühringer, habe keine Verwendung mehr für das unter Denkmalschutz stehende Haus. Deshalb prüfe es Kauf- und Pachtangebote von Interessenten.

Als dies bekannt wurde, verabschiedeten die beiden Traunkirchner Gemeinderatsfraktionen von VP und SP eine Resolution an das Land Oberösterreich, "von einem Verkauf Abstand zu nehmen". Denn mit einem privaten Eigentümer könne, so die Befürchtung der Traunkirchner, der freie Zugang zum See und der öffentliche Park auf Dauer nicht erhalten bleiben.

"Auch wenn es das gute Recht des Eigentümers ist, sich nach Auslaufen eines Pachtvertrags nach neuen Möglichkeiten umzusehen", will Bürgermeister Peter Aschenbrenner (VP), dass alles beim Alten bleibt. "Das sage ich als Bürgermeister", hält der Schwarze den Plänen seines Parteichefs entgegen. Dieser hat zumindest nachdrücklich versichert, dass der freie Zugang zu See und Park auch bei einem möglichen neuen Eigentümer erhalten bleibe.

Teure Nachrüstungen

Um der Resolution des Gemeinderats noch mehr Gewicht zu verleihen, gründete sich die "überparteiliche Bürgerinitiative gegen den Verkauf der Spitzvilla". Ein Verkauf der Liegenschaft würde aus ihrer Sicht einen enormen Verlust der Lebensqualität für die Traunkirchner bedeuten und einen Rückschlag für die gesamte Ferienregion. Denn das Restaurant habe mittlerweile einen sehr guten Ruf. Warum das Land ausgerechnet jetzt die Villa veräußern will, versteht Schindlbauer nicht. Aschenbrenner hat zumindest eine Erklärung. Im Gastronomiebereich stehen teure Nachrüstungen an, Lüftungsanlage und WCs müssen erneuert werden, Investitionen, die der Pächter sicherlich nicht übernehmen könne.

Einen Fürsprecher in der Landespolitik haben die Traunkirchner in SPÖ-Landesparteichef Josef Ackerl gefunden. Er will, dass die Villa in ein Tourismuskonzept eingebunden wird. Er appelliert an Landeshauptmann Pühringer, zu seinem Wort zu stehen und einen möglichen Verkauf nicht gegen den Willen der Gemeinde durchzuführen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD; Printausgabe, 9.5.2011)

  • 1870 erbaut, 1897 von Carl Rudolf Freiherr von Slatin erworben: In der Spitzvilla waren bereits jede Menge gekrönte Häupter zu Besuch. Seit 1976 gehört sie dem Land Oberösterreich.
    foto: privat

    1870 erbaut, 1897 von Carl Rudolf Freiherr von Slatin erworben: In der Spitzvilla waren bereits jede Menge gekrönte Häupter zu Besuch. Seit 1976 gehört sie dem Land Oberösterreich.

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