Post-Bin-Laden: Die Stunde von UN, EU und NGOs

8. Mai 2011, 17:52

Brüssel werde jede Initiative zum Aufbau demokratischer Institutionen unterstützen - das haben bereits mehrere Brüsseler Funktionsträger von sich gegeben

EU-Politiker werden nicht müde, die Krise in den autoritär geführten arabischen Staaten mit Wischi-waschi-Sätzen zu kommentieren. Junge Männer und Frauen in diesen Ländern sollen die Chance erhalten, sich in ihrer Heimat eine Zukunft aufzubauen, schreibt beispielsweise Herman Van Rompuy. Selbst mäßig an der wirklichen Lage Interessierte können aus der täglichen Zeitungslektüre erkennen, mit welcher Unverfrorenheit solche Leersätze in die Welt gesetzt werden.

Tatsächlich würde die Jugend in der arabischen Welt eine Perspektive brauchen. Aber bei einem Jugendanteil von 70 Prozent an der Gesamtbevölkerung und der damit verbundenen Dynamik des Bevölkerungswachtums sind europäische Vorstellungen über die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht anwendbar.

Tatsächlich müsste die Wirtschaft in diesen Ländern radikal umgebaut werden, denn die von Van Rompuy so flapsig als "Vetternwirtschaft" beschriebene ökonomische Struktur von Algerien bis in den Iran ist in Wirklichkeit eine ökonomische Machtstruktur, in der die Militärs als Unternehmer eine dominante Rolle spielen. Deshalb grenzt es an Frechheit, wenn der Brüsseler Ratspräsident zu Investitionen im arabischen Raum aufruft.

Brüssel werde jede Initiative zum Aufbau demokratischer Institutionen unterstützen - das haben bereits mehrere Brüsseler Funktionsträger von sich gegeben. Ob die EU ernsthaft etwas tut, um beispielsweise in Ägypten bei der Schulung von Personal für demokratische Wahlen (jenseits bloßer Volksabstimmungen) etwas zu tun, ist bisher nicht bekannt geworden.

Dabei hätte man jetzt einen doppelten Grund, trotz der Finanzprobleme in der EU den arabischen Oppositionskräften Waffen des Wissens und des politischen Know-hows in die Hand zu geben.

Der eine Grund ist das "letzte Gefecht" einer Reihe von Diktatoren, der andere die Irritation, die der Tod des Terrorkopfes Osama Bin Laden ausgelöst hat. Geschwächt sind freilich nicht die Netzwerke der Hamas, der Hisbollah oder der Muslimbrüder. Denn die bauen auch auf ihre sozialen Hilfsdienste. Getroffen sind jene Terrorzellen, die nur dem (zumindest mutmaßlichen) Befehl ihres irdischen Gottes gehorchen.

Möglicherweise wäre die momentane Situation auch die Stunde der Uno, sich massiv in den Dienst eines Demokratie-Aufbaus zu stellen. Dazu kommen viele Stiftungen, die mit UN- oder EU-Finanzhilfe jedoch vor allem Studien publizieren und Konferenzen veranstalten.

Eine dieser im Mittelmeerraum tätigen Organisationen ist die Anna-Lindh-Stiftung, die viele humanitäre Projekte betreibt, von der jedoch nicht bekannt wurde, dass sie sich auch in die nordafrikanischen Vorgänge einmischen würde.

Leider werden selbst in Zeiten des Internets viele Ressourcen von NGOs in die Reisetätigkeit ihrer Funktionäre gesteckt, sodass sie wie akademische Reisebüros wirken und nicht wie mobile Therapiekliniken für kranke Gesellschaften. Genau das wäre vonnöten. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2011)

Kommentar posten
12 Postings
geschlechtsumwandlung quotenposterin
00

Also mE
kommen
EU UNO NGO und die Kunstfigur Bin Laden
aus dem selben Kochtopf ....

.... und der kocht über

danielle durands schatten
00

gerade die operation "geronimo" hat doch gezeigt, daß wenn es drauf ankommt, die US of A doch auf die UN, menschenrechtsorganisationen und alles weitere was ihre ziele gefährden könnte, pardon, schei*t.

genauso verfolgt die EU in bezug auf die arabischen revolutionen eine komplett unglaubwürdige politik. wirtschaftsbeziehungen, öl und billigtourismus - ja bitte, instabilität und flüchtlinge - nein danke. das werden die menschen dort sicher nicht vergessen, da werden ein paar NGO-aktionen wenig daran ändern.

Igor Gassner
00
na hören sie mal

da hat die USA das alles erfunden EU UNO und so weiter da werden sie doch drauf sch... dürfen sonst hätte sich der ganze Einsatz an geld und Geheimdiensten schließlich nicht ausgezahlt.

STJ911.org
13
[PERSPEKTIVEN] The "war on terror" causes more division and destruction. While America celebrates, it would appear that now is as opportune a moment as any to look at this never-ending warfare.

We have managed to kill a couple of terrorist leaders. We have destroyed two countries (albeit with one already pretty decrepit) with spillover into neighbouring nations. A divide has been created between the West and the people of the Middle East, a suspicion that even now impedes our ability to support the pro-democracy movements of the Arab spring, for fear of what will come after.

At home, we have created a national security state where nothing is truly private and inconvenience is a part of so many aspects of daily life. We live in fear that one day another terrorist will kill innocent civilians, and we are willing to countenance any removal of civil liberties or abrogation of the rule of law that makes that a little less likely.

STJ911.org
11

Our communities have divided on ethnic and religious lines, with demands for condemnation of terror from the Muslim community that attempt, implicitly, to accuse them of complicity in the crimes of others.

We seem to have decided that the onus of proof is not on the accusers to show complicity, but on the accused to repeat their condemnation of violence ad nauseam.

Osama bin Laden is dead. Let the perversion of our foreign policy, legal systems and communities through the fear of terror die with him.

Canberra Times
May 6, 2011 Friday
http://www6.lexisnexis.com/publisher... 53&start=1

PV
13
Fragezeichen

Flapsiger, ergebnisloser Kommentar, ohne jeglichen Nutzen. Was soll nach Meinung des Autors getan werden: Investiert, oder nicht? NGOs mithilfe von Skype aktive werden, damit nicht gereist werden muss?

Hinguckerl
00

die eu beschränkt sich derzeit darauf, weise sprüche zu klopfen und gleichzeitig die grenzen dicht zu machen. herr sperl, die eu-idee ist leider eine von idealisten ersehnte fiktion geblieben. die realität ist ein konglomerat von egoistischen nationalstaaten, dominiert von wirtschaftlichen eigeninteressen, die immer mehr dem rechtsruck ihrer bevölkerung unterliegen. vor dieser "rechten" eu unter der flagge der rechtskonservativen großmächte wie frankreich und deutschland habe ich angst.

Walter Tiefenthaler
03
hut ab herr sperl!

ja, die chancen waere gerade jetzt riessig, aber der letzte absatz bringt es exakt auf den punkt. wir haben eine ebene von ineffektiven wichtigtuern eingefuehrt, in deren interesse es gar nicht liegen kann, dass sich irgendetwas zum besseren wendet. schade!

märchenonkel
00
It's schon Saure-Gurken-Zeit?

Der Ruhestifter
 
03
Die stunde der uno? Wie dies?

In der uno sitzen regierungsvertreter. Nur in einer minderheit von fällen können regierungen als demokratisch legitimierte mandatare einer bevölkerung, die sich selbst regiert, angesehen werden. In der mehrzahl sind regierungen schlicht gangsterbanden, denen es gelungen ist, kontrolle über ein gebiet zu erlangen, welches aus irgendwelchen historischen gründen als staatsgebiet ausgewiesen ist.

Die annahme, dass die dachorganisation dieser gangsterbanden die demokratisierung der welt organisiert, ist ungefähr so realistisch wie die, dass bei einem treffen italienischer mafiafamilien die beseitigung rechtsstaatlicher defizite organisiert würde.

zimbo
 
29
Die meisten NGO´s dienen dem Selbstzweck.

Und Brüssel sollte mal selber demokratisch werden, bevor es hohle Phrasen über Demokratie aussendet.

STJ911.org
11

Quelle @ "die meisten" ?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.